In den 1980er Jahren kam Koautor Richard Hereford vom U.S. Geological Survey dem Verursacher erstmals auf die Spur. Er fand Reste eines gewaltigen Felssturzes auf Höhe des Nankoweap-Seitencanyons – rund 35 Kilometer flussabwärts von der Stanton’s Cave.
Ein Felssturz und seine Folgen
Aktuelle Analysen zeigen, dass Treibholzreste und Nankoweap-Felssturz rund 56.000 Jahre alt, wie Karlstrom und seine Kollegen schreiben. „Der Felskollaps staute den Colorado River auf und ließ den Flusspegel bis auf 940 Meter über Null ansteigen.“
Demzufolge schuf der Felssturz einen Stausee, dessen Pegel knapp 200 Meter höher lag als der heutige Wasserstand des Colorado River. Dieser Nankoweap-Paläosee erstreckte sich von der Staumauer aus Geröll und Gestein mehr als 83 Kilometer weit flussaufwärts bis zur Stanton’s Cave und ihren Nachbarhöhlen.
Treibholz und ungeheure Sandmassen wurden in diese Höhlen geschwemmt. Erst Jahrhunderte später durchbrachen die aufgestauten Wassermassen die Barriere und der Nankoweap-Paläosee verschwand wieder.
Auf der Spur des Tatverdächtigen
Lange rätselten die Forscher, was diesen gewaltigen Felssturz ausgelöst haben könnte. Erst Koautor Jonathan Palmer von der University of New South Wales in Sydney lüftete das geologische Geheimnis. Bei einem Besuch des Barringer-Kraters stellte er fest, dass auch dieser Meteor-Krater vor 56.000 Jahren entstanden war.
Alles nur ein Zufall? „Das war eine Frage, auf die zuvor noch niemand gekommen ist“, erklärt Koautor Chris Baisan von der University of Arizona. Könnte der Einschlag, der den Barringer-Krater schuf, auch den Felssturz im 160 Kilometer entfernten Canyon verursacht haben?
Schockwellen eines Meteoriten im Canyon
Bei der Beantwortung dieser Frage kam den Forschern David Kring vom Lunar and Planetary Institute in Houston zu Hilfe. Der Geologe erforscht den Barringer-Krater seit nunmehr 24 Jahren. „Dieser Krater ist der am besten erhaltene Einschlagskrater weltweit und liegt im reichsten, technologisch fortgeschrittensten Land der Erde“, berichtet Kring. „Trotzdem wissen wir noch immer sehr wenig über die Folgen dieses Einschlags oder den Asteroiden, der ihn schuf.“
David Kring berechnete, wie stark die Kräfte, die der rund 270.000 Tonnen schwere Meteorit damals bei seinem Einschlag. Der Impakt setzte demnach am heutigen Krater eine Energie von zehn bis 15 Megatonnen TNT frei und erzeugte ein Erdbeben der Magnitude 5,4 bis 6. Die Schockwellen erreichten innerhalb von Sekunden auch den Grand Canyon, wo sie eine Stärke von 3,5 bis 4,1 erreichten.
Ein Zufall ist ausgeschlossen
„Wir denken, dass wir damit einen Zusammenhang zwischen dem Barringer-Einschlag und dem Felssturz und Paläosee im Grand Canyon gefunden haben“, erläutert Baisan, „Wir wissen zwar nicht genau, wie stark die Bodenerschütterungen am Canyon waren, aber war wohl mehr als nur ein sanftes Schaukeln.“
Zuerst wären die steilen Felswände des Canyon wären von der Druckwelle getroffen worden, gefolgt von den Schockwellen im Untergrund. „Das könnte ausgereicht haben, um den Felssturz im Canyon zu verursachen“, vermutet Baisan.
„Der Meteoriteneinschlag, die massive Rutschung, der Paläosee und das Treibholz hoch über dem Fluss sind allesamt seltene und ungewöhnliche Ereignisse“, sagt Karlstrom. „Sie alle ereigneten sich zudem im selben engen Zeitfenster. Das macht die Hypothese plausibel, dass diese Ereignisse auch kausal verknüpft waren.“