Werratal Stimmt die Geigen, staubt die Tuba ab

Ein Online-Krippenspiel mit Pfarrern als Darsteller, Christvesper im Wohnzimmer und nach dem Glockengeläut ein gemeinsames „O du fröhliche“: Weihnachten im Werratal.

Die Roßdorfer wollen über das Fest gemeinsam einen Baum schmücken. Foto: /Wolfgang Benkert

Wernshausen/Roßdorf/Schwallungen/Breitungen - Angesichts der steigenden Infektionszahlen und der angespannten Lage in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen haben sich die Gemeindekirchenräte des Evangelisch-Lutherischen Pfarramtes Roßdorf-Wernshausen entschieden, alle Präsenzveranstaltungen und Gottesdienste von Heiligabend, 24. Dezember, bis einschließlich Sonntag, 10. Januar abzusagen. „Die Entscheidung schmerzt alle“, teilt das Pfarramt mit. Dennoch gelte: „ Wir sind da – nur anders.“

Nach der Werbung weiterlesen

Den Kirchgemeinden ist es wichtig, die Weihnachtsbotschaft zu den Menschen zu bringen. Aus diesem Wunsch sind einige Ideen entstanden.

So gibt es eine „Christvesper im Wohnzimmer“ mit Pfarrerin Stephanie Reinhardt (Roßdorf-Wernshausen) und Pfarrerin Franziska Freiberg (Dorndorf). Wer möchte, kann zu Hause an der Christvesper teilnehmen. Sie steht am Heiligen Abend ab 14 Uhr mit Krippenspiel als Onlineversion unter www.kkbasa.de zur Verfügung. Für das Krippenspiel sind die Pfarrerinnen und Pfarrer, Kantoren und Hauptamtlichen des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach in die Rollen der Weihnachtsgeschichte geschlüpft. „Ein einmaliges Erlebnis!“, kündigt das Pfarramt an, man dürfe gespannt sein.

Am 24. Dezember, um 17 Uhr, läuten in allen Orten des Pfarramts für 15 Minuten die Glocken. Danach, so der Wunsch, sollen alle gemeinsam musizieren. „Tretet an eure geöffneten Fenster und Türen, zündet Lichter an und dann stimmt ein ins ,Oh du fröhliche’. Singt, holt eure Trompete heraus, stimmt die Geigen, staubt die Tuba ab und tragt dazu bei, dass wir miteinander verbunden sind“, heißt es im Aufruf des Pfarramts.

Die Kirchen im Pfarramtsbezirk sind an Heiligabend, von 14 bis 17 Uhr, und an den Weihnachtsfeiertagen, von 10.30 bis 17 Uhr, geöffnet. „Treten Sie ein, kommen Sie zur Ruhe, beten Sie“, lautet die Einladung. Das Friedenslicht aus Bethlehem leuchtet und darf mitgenommen werden. Ein Weihnachtsgruß der Kirchgemeinde und kleine Überraschungen liegen bereit. Ebenso kann die Christvesper auf DVD mitgenommen werden.

In seelsorgerlichen Fällen ist Pfarrerin Stephanie Reinhardt gerne für die Gemeindemitglieder da, sie können unter (036968) 5044 anrufen.

In den Orten der Kirchgemeinden sind einige eigene Ideen entstanden. So plant unter anderem die Kirchgemeinde Roßdorf, über das Fest gemeinsam den Weihnachtsbaum zu schmücken. In Rosa stimmt ein junger Trompeter weihnachtlich ein. Der Gemeindekirchenrat Wernshausen hat sich schweren Herzens für die Absage des Kirchenkinos entschieden. Stattdessen wird es ab 17 Uhr Orgelmusik, Gesang und Trompetenklänge mit Iris Schellenberg, Stephanie Reinhardt und Ringo Brock vom Kirchturm geben. Die Gemeindemitglieder sind eingeladen, die Fenster zu öffnen oder sich einen geeigneten Ort mit Abstand im Freien zu suchen.

Im Bereich des Pfarramtes Schwallungen finden an Heiligabend verkürzte Gottesdienste statt. Beginn ist um 15 Uhr in Schwallungen. Hier sollten sich die Besucher wegen der begrenzten Platzkapazität vorher anmelden (036848) 30875. Um 16 Uhr beginnt der Gottesdienst in Möckers, danach fährt Pfarrer Helmut Tonndorf nach Niederschmalkalden (17 Uhr) und abschließend nach Zillbach (18 Uhr). Die evangelische Kirchengemeinde in Herrenbreitungen feiert an Heiligabend um 18 Uhr einen Gottesdienst mit der Weihnachtsgeschichte, aber ohne Krippenspiel. Für diesen Gottesdienst ist eine telefonische Anmeldung unter (036961) 44276 notwendig, um die Sitzplätze zu verteilen, teilt Pfarrerin Enikö Somogyi mit.

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Frauenbreitungen bietet um 15.30 und um 17.30 Uhr Christvespern in der St. Marienkirche an, für die sich Interessenten Eintrittskarten abholen konnten. Deren Zahl war auf 70 pro Vesper beschränkt. Am Dienstagabend hat der Kirchenvorstand die Ausgabe der Tickets vorsichtshalber gestoppt. Mehr als 50 Personen, inklusive der Ordner, dürften nun nicht in die Kirche, teilt Pfarrer Stephan Koch mit. Er bittet alle Besucher darum, sich strikt an die Regeln zu halten, Abstand zu wahren und den Mund-Nasen-Schutz aufzubehalten. Ohne Ticket sei kein Eintritt möglich. Wer nicht in die Kirche kommen kann oder will, hat die Möglichkeit, die Christvespern zeitgleich auf www.frauenbreitungen.de zu verfolgen. In der Gemeinde Fambach sind die Kirchen geöffnet, aber keine Gottesdienste geplant. Auch hier soll nach dem Glockengeläut um 17 ein gemeinsames „O du fröhliche“ aus allen Fenstern versucht werden (wir berichteten am Dienstag).