Wernshausen Wie beim Frisör: Vorher-Nachher-Effekt

Annett Recknagel

160 Fahrzeuge rollten am Samstag zum Firmengelände der Grüßung Transporte in Wernshausen. Dort wurde beim zweiten Oldtimertreffen gefachsimpelt und gestaunt.

Er ist ein wahres Schmuckstück – der gelbe Hansa-Lloyd Typ 1100. Kaum zu glauben, dass dieses historische Fahrzeug vor zweieinhalb Jahren noch genauso aussah wie sein rechter Nachbar. Das ist ein ziemlich heruntergekommener Wagen, Baujahr 1938, den Uwe Reum und seine Mitstreiter aus einem Hühnerstall in Frankfurt/Oder bargen und auf einem Anhänger nach Wernshausen transportierten.

Beide Fahrzeuge waren die Hingucker zum zweiten DDR- und markenoffenen Oldtimertreffen auf dem Gelände der Firma Grüßung. Damit die Besucher den Vorher-Nachher-Effekt bemerken, waren die zwei Oldtimer vorgefahren und nebeneinander platziert worden. Neben dem noch zu restaurierenden Gefährt lag das, was gewöhnlich als Schrott bezeichnet wird. Aber nicht von Oldtimer-Fans. „Das sind Ersatzteile“, sagt Uwe Reum. Und Roger Storandt erklärt den groben Ablauf einer Restauration: „Holz, Blech, Mechanik, Lack und zuletzt die Polster.“ Dazu sollte man wissen, dass solch ein Hansa-Lloyd einen Holzrahmen hat.

Unglaublich, aber die Ersatzteile lieferten den Beweis und das Auto selbst natürlich auch. Die Gäste kamen aus dem Staunen nicht heraus. „Genau deshalb haben wir die zwei Fahrzeuge hier hingestellt“, so Reum. Dass im „Aufpolieren“ eines solchen historischen Automobils unendlich viele unbezahlte Arbeitsstunden nach Feierabend und an den Wochenenden stecken, dürfte klar sein. Natürlich braucht es auch eine gehörige Portion Idealismus. Und Können. Übers nötige Kleingeld reden die Oldtimer-Fans nicht. Sie haben schon Pläne in den Köpfen, wie der Hansa-Lloyd einmal aussehen könnte.

Die Schwiegertochter von Uwe Reum, Fabienne Reum, fährt als Verkehrsrechtsanwältin schon gern mal mit dem gelben Oldtimer zu Tagungen. „Mir gefällt, dass sich wieder mehr jüngere Leute für diese alten Modelle interessieren“, sagt sie. Zudem komme die Geschwindigkeit etwas raus und man bewege sich garantiert in einem auffallenden Fahrzeug. Ihr Mann Ricardo stimmt ihr zu. Gemeinsam mit zwei anderen Club-Mitgliedern war er für die Bewertung der 160 Fahrzeuge zuständig. Wobei sich der Oldtimer-Club, aus dem schon bald ein Verein werden soll, entschieden hat, alle Fahrzeuge zum Treffen zuzulassen. Ronald Hengst aus Hermannsfeld gefiel das. Er war mit seinem Schlepper vorgefahren. Sein Kollege aus Vacha war zwei Stunden unterwegs gewesen. „Ich bin schon 55 Kilometer zu einem Treffen gefahren“, erzählt Hengst.

Hingucker waren auch die vielen Trabis. Klaus Kleimenhagen hatte seinen Trabant Kübel, der seit 30 Jahren in seiner Garage in Wernshausen steht, herausgeholt. „Baujahr 1987“, sagt er, „aus NVA-Beständen“. Volkmar Lienert präsentierte den Trabant 601 RS-Cup, mit dem er 2021 Deutscher Meister wurde. 160 km/h sei er damit gefahren. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

In der Halle dürfen Kinder und Erwachsene baggern – dank der Firma Gerstung Baumaschinen aus Tann. Der vierjährige Colin hat dabei ebenso Spaß wie sein Papa Andreas Spörer. „Nächstes Jahr kommt ein Riesenrad hierher“, verkündet Uwe Reum und Roger Storandt lächelt. Stolz sind die beiden auch, dass der „Stones-Truck“ zu sehen ist. Und die vielen Zweiräder. Historische Feuerwehrautos und viele, viele DDR-Marken. „Jeder soll zeigen, was er hat“, beschreibt Roger Storandt die Philosophie des Treffens. Viel Werbung brauche man im Vorfeld nicht zu machen. Als Oldtimer-Club sei man sehr gut vernetzt.

 

Bilder