Die Vier-Bahnen-Anlage in Schmalkaldens Ortsteil Wernshausen weist erhebliche Mängel auf. Es drohte sogar der Verlust des Status als Bundeskegelbahn. Wie es jetzt weitergeht.
Vereinsvorsitzender Konrad Storandt ist selbst aktiver Kegler. Foto: Michael Bauroth
Seit mittlerweile 70 Jahren wird in Wernshausen gekegelt. Was einst auf einer kleinen Zwei-Bahnen-Anlage im „Feldschlösschen“ begann, entwickelte sich zu einem aktiven Verein mit Wettkampfbetrieb, Nachwuchsarbeit und mehreren Mannschaften. Nun steht die Kegelbahn in der Werra-Aue vor ihrer größten Herausforderung seit der Einweihung im Jahr 1996.
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Moderne Vier-Bahnen-Anlage in der Werra-Aue
Vor 30 Jahren war mit großem Engagement eine moderne Vier-Bahnen-Anlage in den Nebenräumen des Bürgerhauses Werra-Aue entstanden, erzählt Konrad Storandt, seit etwa einem Jahr Vorsitzender des KC 96 Wernshausen. Zu den treibenden Kräften gehörten seinerzeit der damalige Bürgermeister Rainer Stoffel und Landrat Ralf Luther. Die neue Anlage schuf die Voraussetzungen für die sportliche Weiterentwicklung des Vereins.
Die erste Männermannschaft des KC 96 Wernshausen spielt aktuell in der 1. Landesklasse des Thüringer Kegler-Verbandes (TKV). Zuvor waren sie in der Landesklasse bzw. Landesliga aktiv. Die zweite Mannschaft und die erste Mannschaft (Senioren) spielen in der Kreisliga 100 Wurf Senioren. Die Damen sind ebenfalls erfolgreich in der Kreisliga unterwegs.
Zudem kann die automatische Vier-Bahnen-Kegelbahn mit angeschlossenem Theken- und Ausschankbereich sowie eigene Sanitäranlagen für Vereinsaktivitäten, Feste, Geburtstage oder Jubiläen gemietet werden.
Heute zählt der Verein 49 Mitglieder im Alter zwischen 13 und Mitte 80 Jahren. Allein in den vergangenen anderthalb Jahren konnten zehn neue Mitglieder gewonnen werden, erzählt Storandt stolz. Seit 2020 gehören die Keglerinnen aus Trusetal zum Verein. Trainiert wird drei Mal pro Woche. Der älteste Spieler, Ralf Jung, ist seit 47 Jahren aktives Vereinsmitglied.
Der Verein trägt einen erheblichen Teil seiner Kosten selbst. Die Mitglieder zahlen jährlich 96 Euro Beitrag. Darüber hinaus entrichtet der Kegelverein nach eigenen Angaben rund 3000 Euro Miete pro Jahr an die Stadt.
Erheblicher Sanierungsbedarf
„Die Bahn wurde in den vergangenen 30 Jahren hervorragend gepflegt“, berichtet Vereinsvorsitzender Storandt. Gerade deshalb sei es besonders ärgerlich, dass nun vor allem altersbedingte Schäden auftreten. Die Technik befinde sich weiterhin in einem guten Zustand. Probleme bereitet die Konstruktion der Bahn selbst.
Noch gut in Schuss, aber in die Jahre gekommen, die Kegelbahn in der Werra-Aue. Foto: Michael Bauroth
Durch die jahrelange Nutzung, aber auch durch Wassereinbrüche, habe sich die Anlage teilweise abgesenkt und verzogen. Die Bahn ruht auf einem Holzgestell, das wiederum auf Estrich errichtet wurde, erläutert der Vereinsvorsitzende. Inzwischen wurden Abweichungen von bis zu zwei Grad festgestellt. Hinzu kommen Stolperstellen, Verschleißerscheinungen und weitere Mängel, die den Wettkampfbetrieb zunehmend erschweren und potentielle Gefahrenquellen darstellen.
Bei der technischen Prüfung vor drei Jahren erhielt die Anlage zwar noch die Zulassung als Bundeskegelbahn. Gleichzeitig wurde jedoch deutlich gemacht, dass die Bahn nur noch die niedrigste Qualitätsstufe erreiche. Im Rahmen der kürzlich erneut stattgefundenen Untersuchung stellten die Prüfer keine Verbesserung fest. „Wir hatten schon Angst vor möglichen Einschränkungen bis hin zum Verlust des Status als Bundeskegelbahn“, gibt Storandt zu. Eine Bahn stand kurz davor, gesperrt zu werden. Zum Glück bekam die Anlage wieder einen TÜV. Allerdings mit der schlechtesten Klassifizierung C. Diese ist nach den Richtlinien des Deutschen Kegler- und Bowlingbundes (DKB) die Mindestvoraussetzung für den offiziellen Ligaspielbetrieb wie Kreisklasse und Bezirksliga.
Dringender Sanierungsbedarf
Auf die baulichen Probleme und damit verbundene Risiken hatte der Verein bereits vor rund drei Jahren aufmerksam gemacht, sagt Storandt. Vertreter der Stadt und des Stadtrates seien auch vor Ort gewesen, um sich ein Bild von den Problemen zu machen. Eine Lösung blieb jedoch aus. Die Angelegenheit verlief sich im Sand, sagt der Vereinsvorsitzende und räumt ein, selbst nicht hartnäckig genug gewesen zu sein.
Im Frühjahr dieses Jahres dann der nächste Anlauf. Über Wernshausens Ortsbürgermeister Fabian Amborn, gleichzeitig Stadtrat und Vorsitzender des Ausschuss für Jugend, Kultur und Sport, kam das Thema erneut auf die politische Tagesordnung. Mit dem stellvertretenden Bürgermeister Christoph Zimmermann wurde ein Gespräche vereinbart, um nach Lösungen zu suchen. Dabei zeigte sich schnell, dass eine ursprünglich diskutierte Komplettsanierung der Anlage für rund 150.000 Euro derzeit nicht realisierbar ist.
Stattdessen verständigten sich alle Beteiligten auf eine gezielte Teilsanierung. Erneuert beziehungsweise ausgetauscht werden der Kugelstand und die Anlaufbereiche aller vier Bahnen. Außerdem sollen rechts und links die Schlagwände ersetzt werden. Ziel sei es, die gravierendsten Mängel zu beseitigen und die Voraussetzungen für einen sicheren und regelkonformen Spielbetrieb zu schaffen, sagt Storandt.
Die Kosten für die Maßnahmen belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf rund 31.000 Euro. Ein spezialisiertes Planungsbüro aus Sachsen, das auch die Arbeiten übernehmen würde, wurde inzwischen gefunden. Die Stadt Schmalkalden beteiligt sich mit 25.000 Euro an dem Vorhaben. Die verbleibenden rund 6000 Euro will der Verein aus Eigenmitteln sowie über Sponsoren aufbringen. Eine Sanierung würde etwa zwei Wochen dauern, sagt Storandt.
Mittel können noch in diesem Jahr bereitgestellt werden
Bürgermeister Thomas Kaminski erklärte, dass die Probleme der Stadt grundsätzlich bekannt gewesen seien. Da jedoch vor einigen Jahren zeitweise ein Abriss des Bürgerhauses Werra-Aue diskutiert worden sei, um Flächen für die Papierfabriken zu schaffen, sei das Thema nicht weiter verfolgt worden.
Für die nun gefundene Lösung konnten nach Angaben des Bürgermeisters Mittel aus dem laufenden Haushalt bereitgestellt werden, die an anderer Stelle in diesem Jahr nicht benötigt werden. Das betrifft laut Christoph Zimmermann den für dieses Jahr geplanten Umzug des Bürgerbüros in das ehemalige Sparkassengebäude.
Ein Stadtratsbeschluss ist nicht erforderlich. Über diese Größenordnung darf Bürgermeister Thomas Kaminski laut Geschäftsordnung selbst entscheiden.
Blick auf die Kegelbahn. Foto: Michael Bauroth
Mit der nun geplanten Sanierung sehen Verein und Stadt einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Kegelsports in Wernshausen. Für den Traditionsverein, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, bedeutet die Unterstützung vor allem eines: die Chance, den Spiel- und Trainingsbetrieb langfristig zu sichern und die erfolgreiche Nachwuchsarbeit fortzusetzen.