Wer sind die Eisheiligen? Die eiskalte Sophie hat nicht nur den Wein verdorben

Die fünf Eisheiligen klopfen an der Gartenpforte und bedrohen die jungen Pflanzen. Im vergangenen Jahr sorgten sie in Südthüringen für eine mittlere Katastrophe. Glaubt man einem Meininger Dichter, dann haben sie dem Thüringer aber auch vor Ewigkeiten seine Leibspeise beschert. Aber wer steckt eigentlich hinter den fünf frostigen Heiligen?

Meiningen/Gehlberg - Es ist jedes Jahr das Gleiche. Eine Fünferbande mit Quotenfrau zieht vom 11. bis 15. Mai über Land und versetzt Gärtner und Obstbauern in Angst und Schrecken. Die Rowdys sind amtsbekannt seit Generationen und heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia. Dingfest machen kann sie höchstens der Klimawandel, aber er ist ihrer noch nicht habhaft geworden: Die Eisheiligen lassen sich nicht von der globalen Erwärmung beeindrucken.

Im vergangenen Jahr haben sie zwischen Thüringer Wald und Werratal besonders böse gewütet. Der Frost im Mai hat in den Thüringer Wäldern die schwersten Schäden dieser Art seit Jahrzehnten angerichtet. Nach Angaben von Thüringenforst wurden mehr als 6500 Hektar Wald in Mitleidenschaft gezogen. Zuletzt hatten Spätfröste in Thüringen 1990 Schäden in einem solchen Ausmaß angerichtet wie 2020. Nicht nur junge, sondern auch 100 Jahre alte Bäume zeigten braune, vertrocknete Blätter. Metrologen an der Schmücke hatten in der Nacht zum 13. Mai minus 4,2 Grad in der Luft und am Boden minus neun Grad gemessen. In Neuhaus am Rennweg wurden minus 5,1 Grad in der Luft gemeldet. Die frisch ausgetrieben Blätter der Buchen wurden quasi gefriergetrocknet.

Die Erntebilanz im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut war ebenfalls wenig berauschend. Wie der Präsident des Weinbauverbandes Hans Albrecht Zieger sagte, lag die Erntemenge mit einem Minus von 15 Prozent deutlich unter der von 2019. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt haben die Winzer Ertragseinbußen von 35 Prozent hinnehmen müssen. „2020 ist qualitativ ein gutes, mengenmäßig ein sehr kleines Weinjahr“, sagte er. Vor allem der Frost am 12. Mai habe den Reben zugesetzt. „Die kalte Sophie hat uns böse erwischt“, sagte Zieger.

Das Drama mit dem Wein an der Saale hat sich im Mittelalter auch an der Werra ereignet. „Es hat der Frost in einer Nacht, die Reben alle umgebracht“, schreibt der Meininger Dichter Rudolf Baumbach in seinem „Lied vom Hütes“. Es beginnt damit, dass Frau Holle über die Fluren zieht, um diese zu segnen, bevor sie, erbost über den sauren Wein, die Weinstöcke erfrieren lässt. Später hat sie das bereut und den Meiningern das Rezept für Kartoffelklöße, die im Hennebergischen Hütes heißen, gestiftet.

Ab Anfang Mai sind die Temperaturen in Mitteleuropa meistens bereits recht hoch. Es kommt aber immer noch zu Wetterlagen, bei denen kalte Polarluft einströmt. Ist dann der Himmel klar, droht Bodenfrost.

Die Eisheiligen sind sicher, aber das Datum ist es nicht mehr. Durch die Umstellung vom Julianischen Kalender auf den Gregorianischen vor fast 500 Jahren kommen die Eisheiligen eigentlich ein paar Tage später – Obacht ist also auch noch nach dem 15. Mai angebracht.

Wahrscheinlich gilt in diesem Jahr mit ewiger Frühjahrskälte aber auch die Einschätzung aus der Hildburghäuser Kreiszeitung von 1917: „In diesem Jahre werden die Eisheiligen, wenn sie wirklich ihre Tücken ausüben sollten, wenig Schaden anrichten können, weil in unserer Gegend die Obstbäume noch gar nicht blühen.“

11. Mai: Mamertus

Mamertus entstammte einer wohlhabenden gallorömischen Familie aus Lyon. Er wurde 461 Erzbischof von Vienne, wo er 477 starb. In seiner Amtszeit gebot er der Überlieferung nach durch Gebet einer furchtbaren Feuersbrunst Einhalt, die die ganze Stadt zu zerstören drohte.

Nach zahlreichen Feuern und Erdbeben und großen Zerstörungen in seiner Heimatstadt Vienne führte er die „Drei Bittgänge“ vor dem Fest Christi Himmelfahrt ein, Prozessionen zur Abwendung von Gefahren und zur Erflehung göttlicher Hilfe. Flure und Äcker in einer Prozession zu „umgehen“ war bei den Heiden Brauch, aber schon in den ersten Jahrhunderten wurden auch von den Christen Prozessionen zur Beendigung der Pest oder anderer Epidemien durchgeführt.

Diese Prozessionen waren zunächst formlos, die von Mamertus hierfür erstellten Litaneien und Bittgebete verbreiteten sich aber schnell zwischen Spanien und Gallien. Im Jahr 800 übernahm sie der Papst für die ganze Katholische Kirche.

An Mamertus’ Grab in der Kirche St.-Pierre in Vienne ereigneten sich angeblich Wunder. Im 7. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Orléans überführt, 1563 wurden diese von Calvinisten zerstört. Mamertus’ Sarkophag wurde 1860 wiederentdeckt und ist nun in einem archäologischen Museum zu sehen.

Bauernregel: „Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.“

12. Mai: Pankratius

Pankratius war der Sohn eines reichen Römers. 303 reiste er mit seinem Onkel nach Rom und wurde dort unter dem Einfluss des römischen Bischofs Marcellinus Christ. Mit seinem ererbten Vermögen half er nun den verfolgten Christen. Er wurde vor den Kaiser in den römischen Kaiserpalast gebracht.

Der 14-Jährige ließ sich trotz aller Verlockungen nicht vom Glauben abbringen, deshalb wurde er öffentlich vor dem Stadttor der Via Aurelia enthauptet und sein Leichnam Hunden zum Fraß vorgeworfen. Eine Christin barg den Leichnam und setzte ihn auf ihrem Besitz unter der heutigen Kirche San Pancrazio bei.

Er wird bei Hautkrankheiten, Krämpfen und Kopfschmerzen angerufen, ebenso bei neuen Vorhaben und für eine gute Zukunft. Er ist der Patron der Kinder und der Ritter.

Bauernregeln: „Wenn’s an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert.“ „Pankratz und Urbanitag ohne Regen – versprechen reichen Erntesegen.“

13. Mai: Servatius

Servatius wurde 340 Bischof des heute belgischen Tongeren, verlegte später den Bischofssitz nach Maastricht, wo er am 13. Mai 384 starb. Einige behaupten, er sei mit einem Holzschuh erschlagen worden, andere, er sei friedlich in Maastricht gestorben, wo er sich eben zu diesem Zwecke hinbegeben hätte. Seine Verehrung verdankt er dem Hunneneinfall von 450, den er vorhergesagt haben soll.

Zahlreiche Heilungen und Wunder werden von ihm berichtet. Als er predigte, erfüllte ihn der Geist und alle verstanden ihn in ihrer Muttersprache. Ein Adler habe den am Wegrand eingeschlafenen bischöflichen Pilger vor den heißen Sonnenstrahlen mit seinen Flügeln beschattet und geschützt, nach anderer Überlieferung die Servatius bedrohenden Hunnen unter Attila mit Steinwürfen abgewehrt. Heute geht man von zwei historischen Servatiusgestalten aus, wobei der ältere wohl tatsächlich im Dom zu Maastricht liegt. Servatius ist auch Patron von Quedlinburg, der Schlosser und Tischler, Schutzheiliger gegen Fußleiden, Frostschäden, gegen das Lahmen von Pferden und Rindern sowie gegen Ratten- und Mäuseplagen.

Bauernregeln: „Servaz muss vorüber sein, willst vor Nachtfrost sicher sein.“ „Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost.“ „Servatius Mund der Ostwind ist, hat manch Blümlein totgeküßt.“ „Vor Servati kein Sommer, nach Servati kein Frost.“ „War vor Servatius kein warmes Wetter, wird es nun von Tag zu Tag netter.“

14. Mai: Bonifatius

Bonifatius war der Sklave, Verwalter und Geliebte der reichen Römerin Aglae, die ihn nach Kleinasien sandte, wo eine Christenverfolgung wütete. Er solle Reliquien von diesen Märtyrern holen, von denen in Rom so viel Aufhebens gemacht wurde. In Tarsus erlebte Bonifatius im Jahr 306, wie Christen gefoltert und getötet wurden. Ihre Zuversicht im Sterben beeindruckte ihn so sehr, dass er sich unvermittelt selbst als Christ bekannte. Er wurde ergriffen und mit Hufen getreten, bis seine Knochen zum Vorschein kamen. Dann trieb man ihm spitze Rohrstöcke unter die Fingernägel und goss ihm kochendes Blei in den Mund. Schließlich tauchte man ihn in einen Kessel mit siedendem Pech, und als er immer noch lebte, schlug man ihm den Kopf ab.

Der Name Bonifatius stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Wohltäter. Nach ihm nannte sich Winfried Bonifatius, der Apostel der Deutschen.

Bauernregel: „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.“

15. Mai: Sophia

Sophia von Rom war eine frühchristliche Märtyrin des 4. Jahrhunderts, die um 304 während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian starb. Über ihr Leben ist allerdings nur wenig bekannt außer, dass sie als Christin im Römischen Reich lebte, in treuem Bekenntnis für ihren Glauben an Jesus Christus einstand und deshalb als Märtyrerin starb. Auch Abbildungen gibt es selten. Häufig wird sie mit einer anderen Sophia von Mailand vermischt, einer Witwe, die mit ihren drei Töchtern Pistis, Elpis und Agape (Glaube, Hoffnung und Liebe) um das Jahr 130 durch Enthauptung starb.

Sophia von Rom konnte sich zumindest als eine der Eisheiligen durchsetzen. Nach ihrem Gedenktag könne man empfindliche Pflanzen bedenkenlos ins Freie stellen. (Die andere Sophia ist Schutzpatronin der Witwen und Helferin in Not und Bedrängnis, der zu Ehren im Mittelalter sogenannte Sophien-Messen gefeiert wurden.)

Für ihren Namenstag entwickelten sich zahlreiche Bauernregeln:

„Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bevor Sophie vorüber ist.“ „Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt Wetter bringt.“ „Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt.“ „Pflanze nie vor der Kalten Sophie.“ „Kalte Sophie sät Lein, zu gutem Gedeihn.“ „Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht.“ „Die kalt’ Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.“

„Das Lied vom Hütes“von Rudolf Baumbach

Das Lied vom Hütes

Fremdling, der du meinen Bahnen

Folgst als günstiger Begleiter.

Lass Dir rathen, lass dich mahnen:

Lies bis hierher und nicht weiter!

Hat im Schilf des Werrastrandes

Deine Wiege nicht gewackelt,

Hat des Henneberger Landes

Wappenthier Dir nicht gegackelt,

Unverständlich, unverdaulich

Bleibt Dir ewig dieses Lied,

Und dem Fremdling wird es graulich,

Wenn er einen Hütes sieht.

Vor langen Jahren schritt

einmal Frau Holle durch das Werrathal

Um Segen mit den Götterhänden

Der jungen Wintersaat zu spenden.

Das war in alter Zeit ihr Brauch,

Und heut noch, glaubt mir, thut sie’s auch,

Bevor sie deckt zur Winterruh,

Das Land mit weissen Federn zu.-

Es war ein guter Herbst gewesen,

Noch ging die Feldmaus Aehren lesen,

Der gelben Garben Segen aber,

Korn, Weizen, Gerste und der Haber

War eingeheimst nach alter Regel,

Und lustig klang der Drescher Flegel.

Auch Keltern knarrten hie und da,

Den in der Zeit, da dies geschah,

Im Werrathal an manchem Hang

Der Weinstock seine Reben schlang.

Es können, wie ich hörte sagen,

Auch Götter einen Trunk vertragen,

Und sündhaft wär’es doch Frau Hollen

Die Labe gönnen nicht zu wollen.

In grobes Tuch gehüllt den Leib,

Gestaltet wie ein Bauernweib,

Das Äpfel zu verkaufen hat,

So ging sie in die Harfenstadt,

Und schritt zur Herberg durstevoll,

Wo Rebenblut aus Fässern quoll.

Was jüngst der Herbst gezeitigt sich

Am Bielstein und am Dieterich,

Aus eichenen Gebinden rann’s

Am Schwabenberg im Schank zur Gans,

Der lieblingsschenke unsrer Alten.

Dort thät Frau Holle Einkehr halten.

Dienstfertig vor die Göttin trug

Der Gastwirth einen grossen Krug,

Der barg in seines Bauches Weite

„Weingartenthäler“ Schattenseite.

Frau Holle nahm den Krug, und - gluck -

That sie recht herzhaft einen Schluck.

Doch wie der Strom zu Thale lief,

Zog sich ihr Mund bedenklich schief.

Ihr war’, als ob die Kehle kratze

Der Hassfurt allerwildste Katze.

Sie hob sich eilgst von der Bank,

Bezahlte stumm denn Schlehentrank,

Und von der Herberg schied im Grolle

Die schwer gekränkte Göttin Holle.

Ob sie daheim ihr grimmes Weh

Gelindert durch Kamillenthee

Ich weiss es nicht. Doch weiss ich eines:

Vorbei war’s mit der Zucht des Weines,

Es hat der Frost in einer Nacht

Die Reben alle umgebracht.

Wenn wir betrachten recht bei Licht,

Was wir im Zorn oft angericht’t,

So schlägt uns der Gewissenshammer.

– Man nennt’s moralschen Katzenjammer.

Und auch Frau Hollen so geschah,

Als sie im Lenz die Winzer sah

Mit Thränen und gerung’nen Händen

In den verheerten Weingeländen.

Sie sprach mit sorglichen Geberden:

„Den Leuten muss geholfen werden.“

Und trat alsbald an sie heran

Und hob zu sprechen also an:

„Ihr Leute lasst das Klagen sein.

Und jammert nicht um euren Wein.

Der ist auf allezeit dahin,

Allein es ist nicht Schad’ um ihn.

Was Besseres weiss ich zu geben.

Da nehmt und pflanzt das statt der Reben.“

Und aus der Schürze zog Frau Holle

Die mehlige Kartoffelknolle.

Und segnete mit ihrer Hand

Die Ackerschollen und verschwand.

Wo sonst der Winzer heiss sich mühte,

Und Wein von zweifelhafter Güte,

Entstieg den braunen Furchen bald

Grün ein Kartoffelkräuterwald.

Mit starken Armen schwang im Acker

Die Waffe der Kartoffelhacker,

Sein Antlitz freudig war verklärt,

Wenn er die Säcke fruchtbeschwert

Am Abend durch die kühle Flur

Auf seinem Schubkaro heimwärts fuhr.

Und wenn nach Sonnenuntergang

Vom Stadtkirchthurm die Glocke klang,

Stieg aus den Schloten in die Luft

Ein zarter, bläulichgrauer Duft.

Woraus der Kenner schliessen mochte,

Dass man am Herd Kartoffeln kochte.

Mit hoher Freude sah Frau Holle

Den Segen der Kartoffelknolle,

Wenn sie mit leisem Geistertritt

Unsichtbar durch die Häuser schritt.

Sie sah, wie sich die Hausfrau mühte,

Die Erdfrucht röstete und brühte,

Wie sie mit Butter oder Schmalz,

mit Kümmel oder scharfem Salz,

Mitunter auch durch einen Harung

Gab Würze der Kartoffelnahrung.

Das alles sah Frau Holle an

Und hatte ihre Freude dran,

Und dennoch dachte sie bei sich:

„Ihr armen Leute dauert mich.

Noch habt ihr leider nicht entdeckt,

Was hinter der Kartoffel steckt,

Und was die kund’ge Hand für

Werke Kann schaffen kann aus Kartoffelstärke.“

So sprach Frau Holle, und alsbald

Ging sie in Küchenmagdgestalt

Bescheiden durch das Schlundhausthor

Und stellte sich dem Schlundwirth vor,

Der schmunzelnd auf die Köchin blickte

Und flugs sie in die Küche schickte.

Da stand sie nun in weisser Schürze

und klapperte mit Topf und Stürze

Und liess den Wirth und seine Frauen

Ein seltsam Küchenkunststück schauen.

Der Bürgermeister jener Zeit,

Ein braver Mann und sehr gescheit,

Rechtgläubig, streng und sittenrein,

Wie stets die Bürgermeister sein

– Derselbige kam dazumal

Ermüdet aus dem Sitzungssaal,

Als eben aus dem Erdgeschoß

Ein süsses Duften sich ergoss.

Und schlau verfolgend die Gerüche,

Kam der gestrenge in die Küche,

am Herde fand er stehn Frau Holle.

Und der geschwärzten Casserolle,

entstieg soeben riesengross

Ein dampfender Kartoffelkloss.

Die Göttin aber, lichtumflossen,

Von rothem Schimmer übergossen

Nach Art der überirdschen Geister,

Stand blendend vor dem Bürgermeister.

Und sprach:“ Nun hab’ ich euch gelehrt,

Wie man die Frucht, die ich bescheert,

Den Apfel aus der Erde Schoosse,

gestaltet zum Kartoffelklosse.

Wie man das Mark zerquetscht geschickt

Und wie man’s rundet, wie man’s spickt

Mit Brocklein zart gebräunter Wecken.

Langt fröhlich zu und lasst’s euch schmecken.

Du aber, Haupt des Magistrates,

Du leuchtend Licht des weisen Rathes,

Du Sohn uralten Stadtgeblühtes,

Hier hast du das Receptum – Hüt’es!“

Frau Holle sprach’s, da war sie fort,

Ihr Werk, der Kloss, blieb aber dort.

Viel Wasser Werraabwärts wallte,

Seitdem Frau Holle Klösse ballte,

Die heul in Stadt und Land zumeist

Der Mund des Volkes „Hütes“ heisst.

Wohl hat der Bürger längst vergessen,

Wem er verdankt das Götteressen.

Um’ s Leben aber liess’ er nicht

Von seinem Sonntagsleibgericht,

Das ihm die Magenwand umkleistert

Und ihn zu hoher Tat begeistert.

Wenn ihn der Wintersturm umtost,

Gibt ihm der Hütes Kraft und Trost,

Und kommt der Mai, und grünt und blüht es,

Dann speist er freudig seinen Hütes,

Und trinkt er von des Todes Kelche,

So fragt er:“ Gibt’s auch drüben welche?“

Der dies gebracht in Vers und Reim,

Ist auch zu Haus in Hütesheim.

Er sang, als er am Südmeer sass

Und schnöde Maccaroni ass.

Und wie er ass und wie sang,

Das bittre Heimweh ihn bezwang.

Ihm war’s beim Maccaroniessen,

als knarrten fern Kartoffelpressen

Und ob sich zöge durch die Luft

Ein heimatlicher Hütesduft.

Er sendet dieses Lied als Gruss

Gen Meiningen am Werrafluss.

Empfangt es fröhlichen Gemüthes.

Fahrt wohl! – Das ist das Lied vom Hütes.

 

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