Weltcups in Oberhof Warum Langlauf und Kombination Minus machen

Publikumsmagnet Biathlon bringt die Kohle in Oberhof. Für Langlauf und Nordische Kombination hingegen fallen horrende Kosten an. Schuld hat die FIS.

Teure Angelegenheit: Im Gegensatz zum Biathlon müssen die Weltcup-Organisatoren beim Langlauf und der Kombination die Preisgelder bezahlen. Hier die besten Frauen-Staffeln beim Langlauf-Weltcup vor zwei Jahren in Oberhof. Foto: Imago/Christian Heilwagen

Fast 50.000 Zuschauer zuletzt bei den Biathlon-Festspielen an drei Wettkampftagen, gewünscht in Summe „nur“ 10.000 beim anstehenden Weltcup-Dreierpack in Oberhof: Allein hiermit erklärt sich ein Teil der finanziellen Schieflage beider Veranstaltungen, die Rennrodel-Fraktion dabei komplett außen vorgelassen.

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Zuschauermagnet: Der Biathlon-Weltcup in Oberhof. Foto: Imago/teamSprint-media

Legt man einen Kartendurchschnittspreis von 80 Euro zugrunde, spült der Biathlon-Weltcup satte vier Millionen Euro in die Kassen des Veranstalters, der Oberhofer Sport & Event GmbH (OSE). Zudem bekommt Oberhof, wie alle Ausrichter, vom Weltverband IBU einen Organstationszuschuss von 325.000 Euro. Das bestätigte OSE-Geschäftsführer und Weltcupchef Bernd Wernicke.

Beim Weltcup-Dreier an diesem Samstag und Sonntag sind die Karten deutlich preiswerter. Das Tageskombiticket kostet vernünftige 27 Euro. Im Skilanglauf und der Nordischen Kombination generiert der Ausrichter über den Ticketverkauf maximal 150.000 Euro.

Das ist jedoch nur die eine Seite des beachtlichen Minusgeschäftes. Im Langlauf und in der Kombination stellt der Weltverband FIS, ganz im Gegensatz zur IBU, horrende Anforderungen an alle Weltcup-Ausrichter und eben auch an Oberhof. Diese müssen die kompletten Preisgelder sowie die Übernachtungskosten für die Top 15 des Weltcups übernehmen, also für insgesamt 60 Athletinnen und Athleten. Hinzu kommen noch Hotelkosten für die internationalen Kampfrichter.

„Insgesamt sind das satte 800.000 Euro“, nennt Wernicke eine konkrete Zahl. Damit beantwortet er zugleich indirekt die Frage, warum sich in beiden nordischen Sportarten die Nationen mit ihren Ausrichterkandidaten nicht gerade um die Weltcups reißen.

Dank der Unterstützung der Thüringer Landesregierung mit 250.000 Euro für die Mini-Olympiade in Oberhof und eines wahrscheinlich ähnlich hohen Sponsorenbetrages des Namensgebers der Axa-Winterwochen-Premiere dürfte der Verlust der Veranstaltung in Oberhof zum Glück deutlich minimiert werden. Hinzu kommt eine Organisationspauschale, die der Deutsche Skiverband (DSV) an alle Veranstalter im eigenen Land ausreicht. Deren Höhe wird im Anschluss an die finanziellen Bilanzen festgelegt.

„Obwohl wir Synergien vom Biathlon nutzen, wird beim Langlauf und Kombination unter dem Strich keine schwarze Null stehen“, erklärt Wernicke. Der Verlust dürfte diesmal allerdings deutlich geringer ausfallen als beim Langlauf-Weltcup 2024 in Oberhof. Seinerzeit wurden die Verluste größtenteils mit den Gewinnen der Biathlon-Weltmeisterschaft 2023 beglichen.

„Wir wissen, dass wir jetzt wieder ein Defizit einfahren werden. Aber für die Region, für Thüringen und für Oberhof sind die Axa-Winterwochen natürlich ein weltweit einmaliges Format“, sagt Andreas Schlütter, Ex-Langläufer aus Zella-Mehlis und heute Geschäftsführer und Sprecher des DSV-Sportvorstandes. Schlütter war es auch, der den Deal mit dem international agierenden Versicherungsdienstleister einfädelte, der nun in Oberhof als Dachsponsor agiert.