Weißstorchenbrut Nur noch ein Jungtier

Überlebt zumindest das letzte von drei Jungtieren in Gleicherwiesen, wo Weißstörche für die erste erfolgreiche Brut im Landkreis seit 86 Jahren gesorgt haben? Diese Frage bewegt nicht nur die Einwohner des Ortes.

Zum ersten Mal seit 86 Jahren sind vor einigen Wochen im Landkreis Hildburghausen Weißstörche geschlüpft. Allein das war schon eine Sensation. Von den ursprünglich drei Jungtieren im Horst auf dem Schornstein des ehemaligen Leichtbauplattenwerks in Gleicherwiesen lebt allerdings nur noch eins. Wird die erste erfolgreiche Brut dieser großen Vögel in der hiesigen Region nach so langer Zeit eine gute Fortsetzung finden? Diese Frage bewegt nicht nur die Einwohner des Ortes. „Das Kleinste wurde offenbar wegen Futtermangels aus dem Nest geworfen“, vermutet Frank Martin, der gegenüber wohnt und wie sein Nachbar Mario Stärker einen guten Blick auf das Geschehen dort oben im Horst hat. „Das Größte war zu übermütig und ist aus dem Nest gefallen. Jetzt hoffen wir, dass zumindest das letzte überlebt.“

Zumindest eines der Elterntiere verbleibt stets im Horst, während das andere mitunter stundenlang ausfliegt, um Futter zu finden, nach dem der hungrige Nachwuchs giert. Martin Frank und Mario Stärker beobachten das unter anderem von der „Storchenbank“ aus, die Frank vor seinem Haus aufgestellt und mit entsprechender Aufschrift beklebt hat, mal mit Fernglas, mal ohne. „Die Bank haben wir für die Öffentlichkeit hingestellt. Sie ist für jeden zugänglich“, sagt Frank. Natürlich auch für den Nachbarn Richard Mayer. „Ihn muss man lobend erwähnen, denn er hat den ganzen Dreck auf dem Dach und den schönen Blick auf die Störche hat er da drüben auch nicht.“

Richard Mayer gehört das Grundstück und die Immobilie inklusive des Schornsteins, auf dem sich die Weißstörche niedergelassen haben. Er hatte dort vor 15 Jahren ein Wagenrad als Nisthilfe angebracht. Anschließend hatten immer mal wieder Störche Station gemacht, zu einem Nestbau oder gar zur einer Brut war es aber nie gekommen – bis zu diesem Jahr. Die Dame des Weißstorchenpaares ist 2016 im Leipziger Raum geschlüpft. Das hat der Hobby-Fotograf Daniel Hayungs, der regelmäßig vor Ort ist, anhand eines stark vergrößerten Fotos, der Beringung an einem Bein der Störchin und mit Nachforschungen ermittelt.

Während der Brut in Gleicherwiesen Erfolg beschieden ist, warten sie in Harras vergeblich auf ein solches Ereignis. Offensichtlich nur auf der Durchreise befanden sich zwei Weißstörche, die sich dort am 22. Juni auf der Nisthilfe niedergelassen haben. Einer der beiden Störche hat seine erkennbare Beringung in der Vogelwarte Radolfzell erhalten.

Nach Aussage des Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Zentrale für Tiermarkierung „Vogelwarte Radolfzell“, handelt es sich um einen Storch, der am 7. Juni 2019 in Freimersheim in Rheinland-Pfalz als Nestling beringt wurde. Im März 2022 wurde er bei Ebensfeld beobachtet und am 11. April stand er auf einem Horst in Neida.

Vor zwei Jahren hatten die Harraser Storchenfreunde ihre Nisthilfe am Ortsrand der Gemeinde neben der Werra aufgestellt. In diesem ersten Jahr hatten sich zwei Störche über mehrere Wochen niedergelassen, allerdings ohne Nachwuchs zu bekommen. Im vergangenen Jahr machte das eine oder andere Storchenpaar nur kurzzeitig in Harras Station. Genauso verhält es sich auch dieses Jahr. Die erste Meldung der Harraser Storchenfreunde von der Ankunft eines Storches sich stammt vom 15. April. Am 12. Mai kreiste ein Storch über Harras und am 22. Juni folgte die nächste Sichtung, aber eben längst keine Brut.

Zwischenzeitlich hatten die Harraser Storchenfreunde auf einem Schornstein einer alten Fabrik in Harras eine weitere Nisthilfe angebracht. Getreu dem Sprichwort „Was lange währt wird gut!“, geben die Harraser Storchenfreunde und interessierte Einwohner die Hoffnung nicht auf, dass in den kommenden Jahren vielleicht doch ein Storchenpaar hier heimisch wird und für Nachwuchs sorgt.

Etwas Hoffnung gibt die Vogelwarte: „Wenn die Störche zu zweit auf dem Horst herumgespielt haben, ist das Anlass zu gesteigerter Hoffnung auf eine Brut im nächsten Jahr. Jetzt müssen nur noch beide überleben.“

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