Zuwachs Die meisten Störche brüten im Wartburgkreis

Immer mehr Weißstörche brüten in Thüringen. Schmalkalden-Meiningen steht gleich auf Rang zwei. Was den Tieren derzeit die größten Probleme bereitet.

Zwei Weißstörche bei der Paarung. Foto: Klaus Schmidt

Thüringen wird für Weißstörche zunehmend attraktiv: Denn auch im Jahr 2025 ist die Zahl der Brutpaare und Jungvögel erneut gestiegen. Gleichzeitig bleibt ein menschengemachtes Problem bestehen – Gummibänder, die von den Tieren mit Nahrung verwechselt werden und tödlich enden können, warnen der Naturschutzbund Thüringen (NABU) und das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN).

Nach der Werbung weiterlesen

Deutlicher Zuwachs bei Brutpaaren und Jungvögeln

Nach Angaben des Landesamtes und des NABU Thüringen waren 2025 insgesamt 212 Weißstorchhorste besetzt. Dabei wurden 375 Jungvögel aufgezogen. „Das sind 31 Brutpaare mehr als im Vorjahr“, erläuterte Juliane Balmer von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Seebach.

Engagement für Lebensraum der Tiere

„In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Bestand in Thüringen mehr als verzehnfacht – von rund 20 auf inzwischen über 200 Brutpaare.“ Zu dieser positiven Entwicklung tragen mehrere Faktoren bei: So haben sich ursprünglich in Westeuropa brütende Störche zunehmend nach Osten ausgebreitet. Gleichzeitig engagieren sich zahlreiche Menschen, Institutionen und Naturschutzverbände für bessere Lebensbedingungen – etwa durch die Anlage geeigneter Lebensräume und den Bau künstlicher Nisthilfen.

Peter Holt, Matthias Wilke und zwei helfenden Papas tragen das selbstgebaute Storchennest in Richtung Mast in Mittelschmalkalden. Foto: Annett Recknagel

Gefahr durch Gummibänder bleibt bestehen

Trotz der positiven Bilanz zeigt sich auch eine besorgniserregende Entwicklung. Von den 212 Brutpaaren brachten 47 keine Jungvögel zum Ausfliegen.

„Neben natürlichen Ursachen mussten wir mehrfach feststellen, dass Jungstörche durch verschluckte Gummibänder gestorben sind“, berichtet Juliane Balmer. Die Altvögel verwechseln die Bänder mit Regenwürmern und verfüttern sie an ihren Nachwuchs.

Nach Angaben des NABU Thüringen ist dieses Problem nicht auf Thüringen beschränkt. Gummibänder und andere Kunststoffteile gelangen zunehmend über den Biomüll in die Umwelt. Von Kompostanlagen aus können sie in die Nahrungskette der Störche gelangen.

Schwerpunkte der Storchenpopulation und ehrenamtliches Engagement

Die meisten Weißstörche in Thüringen brüten im Wartburgkreis mit 60 Brutpaaren. Es folgen der Landkreis Schmalkalden-Meiningen (29) sowie die Landkreise Gotha und Sömmerda mit jeweils 24 Brutpaaren.

In Bad Salzungen zeigt eine Live-Kamera, was im Storchennest passiert. Zusehen kann man auf der Startseite der Bad-Salzungen-Homepage am rechten Seitenrand über das Kamerasymbol. Auch zurückspulen ist möglich. Foto: Storchenkamera

Die Datengrundlage für diese Bilanz ist das Ergebnis jahrzehntelanger, intensiver Erfassungsarbeit des NABU Thüringen. Über mehr als 60 Jahre hinweg hat Klaus Schmidt die Weißstorchbestände im Freistaat ehrenamtlich dokumentiert und damit maßgeblich zur heutigen Kenntnislage beigetragen.

„Die alljährliche Weißstorchbilanz kommt nur dank vieler ehrenamtlicher NABU-Mitglieder und Naturfreundinnen und Naturfreunde zustande. Eine Arbeit, die wichtig ist, damit wir den Weißstorchbestand weiterhin in Thüringen im Blick behalten“, betont er.

Die landesweite Koordination der Datenerhebung liegt inzwischen bei der Vogelschutzwarte des Landesamtes in Seebach. Klaus Schmidt unterstützt die Erfassung weiterhin insbesondere im Wartburgkreis und im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.