Ja, erstmal gab es dieses Jahr bei vielen Menschen andere Probleme, als sich um Weihnachten im Schuhkarton zu kümmern. Wir hatten mit deutlich weniger Päckchen im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Doch am Ende hatten wir ein Ergebnis von 766 Schuhkartons. Mit der Übernahme der Leitung der Aktion mussten wir uns organisatorisch erstmal reinfinden. Durch die besondere Situation mit den Hygienemaßnahmen mussten wir spezielle Vorkehrungen treffen. Das Kirchenfoyer wurde im Vergleich zum Vorjahr umgestaltet, um die Gesundheit derjenigen, die die Pakete abgeben, und auch unsere Gesundheit gewährleisten zu können. Zudem war es schwierig Werbung für die Aktion zu machen, da das Auslegen von Flyern durch Corona in vielen Geschäfte untersagt war. Deshalb war die Werbung für Weihnachten im Schuhkarton mehr digital. Doch wie man sieht, hat es gewirkt.
Was glauben Sie: Warum kamen dieses Jahr mehr Pakete als in den Jahren zuvor zusammen?
Wir glauben, dass in diesem Jahr der Zusammenhalt und die Dankbarkeit in der Region durch die besonderen Umstände der Coronapandemie stärker geworden sind. Daher war die Bereitschaft Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht, einfach größer. Wir haben zudem mehr Bekannte und Kollegen animiert mitzumachen und nicht zu vergessen: die gewachsenen Strukturen an Päckchenpackern, die jedes Jahr aufs Neue mitmachen.
Was durfte in ein Paket reingepackt werden?
Grundsätzlich gibt es jedes Jahr eine neue Liste mit Vorgaben, was in einen Schuhkarton rein darf. Zudem gibt es Einteilungen für Kinder. Es wird unterschieden zwischen Mädchen und Jungen und dann gibt es die Altersgruppen von zwei bis vier, fünf bis neun und zehn bis 14 Jahren. Neben Kuscheltieren, Spielzeug oder Süßigkeiten, freuen sich die Kinder auch über Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Zahnpasta oder Haarspangen. Auch Schulmaterial ist wichtig, denn viele Kinder in armen Ländern fehlt es an den einfachsten Dingen wie Stiften oder Heften.
Wurden in diesem Jahr vermehrt Hygieneartikel oder Coronaschutzgegenstände in die Kartons hineingelegt?
Wir nehmen die Pakete mittlerweile an und schicken sie weiter, ohne sie zu überprüfen. Vor zwei bis drei Jahren war das noch anders, da haben wir die Pakete noch überprüft. Nun werden alle Päckchen in Berlin kontrolliert. Wir waren allerdings hier und da schon mal neugierig. Bei einigen Schuhkartons fehlten die Altersangaben, sodass wir in die Schuhkartons reinschauen mussten, um dies noch festzulegen. Da hat man schon gesehen, dass meist immer Hygieneartikel vorhanden waren, aber auch teilweise war ein Mund-Nasenschutz zu finden. Ansonsten waren wie jedes Jahr, die typischen Dinge verpackt: Kuscheltiere, Spielzeug, Süßigkeiten, Schulsachen…
Wie geht es mit den Päckchen weiter, wenn sie in Berlin angekommen sind?
In Berlin werden die Päckchen in einer großen „Weihnachtswerkstatt“ von Ehrenamtlichen kontrolliert und dann in großen Versandkartons in vorwiegend Osteuropäischen Länder, wie Rumänien, Litauen oder Georgien transportiert und dort an die Kinder verteilt.
Wie lautet Ihr Fazit zu diesem Jahr Weihnachten im Schuhkarton?
Große Dankbarkeit, auch mit dem Wissen, dass Menschen in Ilmenau über den Tellerrand hinausschauen. Es ist toll, dass die Menschen in Ilmenau den Kindern in anderen Ländern ein Lächeln schenken werden. Egal ob ein Mensch gläubig oder nicht gläubig ist. Es kamen die unterschiedlichsten Menschen zu uns und gaben Pakete ab: Ob groß oder klein, alt oder jung. Das ist einfach wunderbar. Insbesondere in diesem besonderen Jahr so viele Pakete zu erhalten, hat unsere Erwartungen übertroffen, zumal wir die Zahl vom letzten Jahr noch einmal steigern konnten. Das macht Hoffnung, dass es im nächsten Jahr wieder ein Erfolg werden wird.
Also wird es auch im kommenden Jahr wieder die Aktion Weihnachten im Schuhkarton in Ilmenau geben?
Auf jeden Fall wird die Neuapostolische Kirchgemeinde als Sammelstelle das Projekt weiterführen. Denn für viele Ilmenauer ist es zu einem jährlichen Ereignis geworden, bei dem Sie Ihre Hilfsbereitschaft zeigen wollen.