Weihnacht im Museum Früher war mehr Lametta

Lea Formhals

Lametta, einst der Glanz jedes Weihnachtsbaums, erzählt von Tradition und Wandel. Doch was führte zum Ende der deutschen Produktion? Ein Besuch im Museum enthüllt die Geschichte.

Lametta – originalverpackt. Die Aufschrift im Kreis links verrät, woher es stammt: aus Lauscha. Foto: Museum

Der Ausspruch „Früher war mehr Lametta“ aus Loriots Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ gehört schon fast genauso fest zur Weihnachtszeit wie das Lametta einst selbst. Opa Hoppenstedt beschwert sich mit diesem Satz, dass früher mehr Lametta am Weihnachtsbaum hing. Es entstand ein ironischer Sinnspruch dafür, dass früher alles besser war. Das Schmücken von Weihnachtsbäumen hat eine lange Tradition, nicht nur bei den Hoppenstedts. Als Objekt des Monats Dezember hat das Hennebergische Museum Kloster Veßra deshalb zwei Packungen Lametta aus der Museumssammlung ausgewählt.

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Woher kommt Lametta?

Der Begriff Lametta kann auf das italienische Wort lama zurückgeführt werden, das Metallblatt bedeutet. Lametta ist die Verkleinerungsform von lama. Erfunden wurde Lametta angeblich bereits im Jahre 1610 in Nürnberg, was jedoch umstritten ist. Wahrscheinlicher ist die Entstehung im 19. Jahrhundert. Lametta soll den Weihnachtsbäumen als Verzierung dienen, die optisch an Eiszapfen und Schnee erinnert.

Hergestellt wurde Lametta oftmals aus Stanniol (Zinnfolie), ein Material, welches Blei enthält. Das Blei sorgt für die nötige Schwere, sodass die dünnen Lametta-Fäden nach unten hängen. Wegen der gesundheitsgefährdenden Merkmale von Blei stieg man schließlich auf Aluminium oder metallisierten Kunststoff um. Lametta zählte früher zu den sogenannten „Leonischen Waren“, eine Bezeichnung für aus (geplätteten) Metalldraht hergestellte Produkte, die hauptsächlich der Verzierung dienen. Darunter fallen etwa Fransen, Borten oder eben auch Lametta.

Das Objekt des Monats umfasst zwei Pappverpackungen mit silbernem Lametta als Inhalt. Die Verpackung ist auf der Vorderseite jeweils farbig bedruckt mit einem Weihnachtsmann in einem mit bunten Päckchen beladenen, altmodischen Auto. Im Hintergrund ist eine verschneite Stadt zu sehen, der blaue Himmel ist mit weißen Schneeflocken übersät.

So viel kostete Lametta früher

Auf dem Bild unten links ist in einem Kreis „GR Lauscha“ zu lesen. Auf einem weiß belassenen Streifen am unteren Bildrand steht in blauen Druckbuchstaben „LAMETTA“. Obwohl das Motiv der einen Packung etwas verblichener ist, wirkt diese unbenutzter und das Lametta darin sorgfältiger aufbewahrt. Auf der Rückseite der Verpackungen verrät uns die Inschrift „EVP: M 0,52“ den einstigen Verkaufspreis der einzelnen Lametta-Packungen. Für je 0,52 Mark konnte man sie erwerben.

Was haben Alu und Glas gemeinsam?

Durch die Aufschrift „GR Lauscha“ auf der Vorderseite ist das Lametta Thüringens berühmter Weihnachtsstadt Lauscha zuzuordnen. Genauer: Das GR steht vermutlich für Gustav Roß, ein Glasbläsermeister, der den Betrieb „Gustav Roß KG“ in Lauscha initiierte. In den 1930er Jahren gegründet, spezialisierte sich der Betrieb in den 1950er Jahren vermehrt auf die eigene Produktion von Christbaumschmuck. Im April 1972 wurde der Betrieb verstaatlicht zum „VEB Alu-Glas Lauscha“. 1976 wurde dieser Volkseigene Betrieb wiederum dem bereits 1959 gegründeten Leitbetrieb „VEB Thüringer Christbaumschmuck-Verlag Lauscha“ angeschlossen. Dort wurde zwischen 1959 und 1990 neben gläsernem Christbaumschmuck auch Lametta hergestellt.

Lametta gab es auch in verschiedenen Farben. Foto: picture alliance / dpa

Lametta erfreute sich zu DDR-Zeiten einer hohen Nachfrage und gehörte für viele Weihnachtsfans lange zur besinnlichsten Zeit des Jahres fest dazu. Zuletzt stagnierte jedoch die Nachfrage nach Lametta, insbesondere auch aufgrund der hohen Umweltbelastung. Das giftige Blei, welches anfänglich für die Herstellung genutzt wurde, aber auch der metallisierte Kunststoff, stellen ein Problem für die Umwelt dar.

Lametta wird Wegwerfprodukt

Und während damals Lametta oft mehrmals genutzt wurde und nach der Weihnachtszeit sorgfältig geglättet wieder verstaut wurde, ist es schließlich doch vermehrt zu einem Wegwerfprodukt geworden. Im Jahr 2015 ging die Lametta-Produktion in Deutschland gänzlich zu Ende und heute findet man Lametta hauptsächlich aus zweiter Hand zu kaufen oder in Online-Shops.

Wer selbst mal Lametta in Aktion sehen möchte oder auch das Objekt des Monats persönlich sehen will, der kann sich einer kleinen weihnachtlichen Präsentation im Gemeindehaus auf dem Gelände des Hennebergischen Museums erfreuen. Der dortige Adventsmarkt am 6. und 7. Dezember 2025 bietet sich ganz besonders für einen Besuch an für alle, die vielleicht noch nicht ganz in Weihnachtsstimmung gekommen sind und ähnlich wie Opa Hoppenstedt dem Nostalgie-Faktor von Lametta nachgehen wollen.

Die Autorin Lea Formhals ist wissenschaftliche Volontärin am Hennebergischen Museum Kloster Veßra

Das Ausstellungsstück

Material:
Papier, Aluminium

Technik:
geschmolzen, gegossen, gewalzt, geschnitten, bedruckt, gefalzt, geklebt

Maße je Verpackung:
0,8 cm x 28,8 cm x 10 cm (H x B x T)

Produktionszeitraum:
etwa 1950 bis 1990