Weiden/Marktredwitz Oberfränkische Unternehmerin stirbt mit 41 an Covid-19

Marion Bergler, Geschäftsführende Gesellschafterin der Bergler-Gruppe, starb überraschend im Uniklinikum Erlangen. Foto: Petra Hartl

Erst 41 Jahre alt erliegt die schwangere Marion Bergler dem Corona-Virus. Zuvor retten die Ärzte ihr Baby mit einem Not-Kaiserschnitt. Familie und Mitarbeiter sind geschockt. Sie galt als kerngesund.

Weiden/Marktredwitz - Die Familie Bergler und die mehr als 400 Mitarbeiter der Firmengruppe Bergler aus Weiherhammer sind geschockt: Marion Bergler, erst 41 Jahre alt, ist am Mittwochabend im Uniklinikum Erlangen am Covid-19 verstorben. Nur wenige Tage zuvor hatten die Ärzte im Klinikum Weiden ihr Baby mit einem Not-Kaiserschnitt gerettet. Zur weiteren intensivmedizinischen Versorgung war sie danach nach Erlangen verlegt worden.

Mit ihren Brüdern Thomas und Gerhard leitete Marion Bergler seit 2013 das 1949 von ihrem Großvater Georg Bergler gegründete Ver- und Entsorgungsunternehmen, das seit 1983 seine Zentrale in Weiherhammer hat. Die Unternehmensgruppe ist in der Region mit zahlreichen Betrieben, darunter Recycling-Centren und Tankstellen, zwischen Bayreuth, Marktredwitz und Bodenwöhr vertreten.

Nach dem Abitur am Elly-Heuss-Gymnasium Weiden studierte Marion Bergler Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Kaiserslautern, um anschließend voller Engagement in den Familienbetrieb einzutreten.

Über den Betrieb hinaus engagierte sie sich bei der Industrie- und Handelskammer, beim IHG, in weiteren Berufsverbänden, im Wirtschafts-club Nordoberpfalz sowie als Club-sekretärin beim Lionsclub Neustadt/WN-Lobkowitz.

Obwohl sie als kerngesund galt, machten sich Ende März bei Marion Bergler erste Anzeichen der Virus-Erkrankung bemerkbar. Nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war, verschlechterte sich ihr Zustand binnen Stunden, sodass sich die Ärzte noch am selben Tag zum Not-Kaiserschnitt entschlossen.

"Es ist unvorstellbar. Wir sind tieftraurig und fassungslos", sagt ihr Bruder Gerhard. "Es gab keine Vorerkrankung. Marion war kein Risiko-Patient."

Zum konkreten Fall kann sich Richard Strauß, Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen, nicht äußern. Gerne hilft der stellvertretende Klinikdirektor, der die Patientin nicht selbst behandelte, aber bei der Einordnung des Falls: "Wir sind ein Universitätsklinikum, das eine Maximalversorgung bietet", begründet der Infektiologe im Gespräch mit der Zeitung "Der Neue Tag" die Verlegung nach Erlangen. "Wir sind seit Jahren Referenzzentrum bei schweren Infektionen und gerade Schwangeren stehen alle Fachabteilungen rund um die Uhr zur Verfügung. Man habe bereits einige positiv auf Covid-19 getestete Schwangere behandelt: "Den Verlauf in diesem Fall kann man nur als tragisch bezeichnen." Vergleichbares habe er bei keiner anderen Patientin beobachten müssen. Auch wenn die Datenlage unvollständig sei: "Alle Experten, ob von der WHO oder dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten, gehen im Moment davon aus, dass Schwangere - anders als bei Influenza - kein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben." Auch vermehrte schwerere Verläufe als bei der Allgemeinbevölkerung gleichen Alters seien nicht festzustellen.

Einschränkend sagt Strauß: "Wenn man schwanger ist und Lungenentzündung bekommt, wird die Lungenausdehnung weniger." Das könne zu Komplikationen führen. Dennoch, das Gros der Schwangerschaften verlaufe völlig problemlos: "Mitunter gibt es schicksalshafte Verläufe, die bei jüngeren Menschen außerordentlich selten sind." Alle seriösen Zahlen verwiesen darauf, dass die meisten Todesopfer über 80 Jahre alt oder vorerkrankt sind. "Aber über ganz Deutschland betrachtet, gibt es immer tragische Einzelfälle." Das stelle man auch bei der Influenza fest, wo sehr selten schwerste Fälle aufträten.

"Die Hypothesen, warum das so ist, sind vielfältig", erklärt der Mediziner. "Eine gängige besagt, dass sich unsere Abwehrleistung individuell stark unterscheidet." Auf unterschiedliche Infektionen reagiere das Immunsystem mancher Menschen schlechter: "Ein genetischer Hintergrund könnte die Ursache sein." Diese Annahme sei kompatibel mit einer anderen Beobachtung: "Bei einigen Fällen beobachtet man eine Überreaktion des Immunsystems, sodass Schädigungen durch Entzündungen auftreten, die eigentlich das Virus abwehren sollten."

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