Was die Statistik zeigt Immer weniger Milchkühe im Ilm-Kreis

Teja Banzhaf

Während die Gesamtzahl von Rindern in der Region in den letzten sechs Jahren einigermaßen konstant bleibt, geht der Anteil von Milchkühen daran stetig zurück.

Die Bestände an Milchkühen werden auch im Ilm-Kreis immer geringer. Foto: Imago/serienlicht

Die Kuh als Eckpfeiler der bäuerlichen Kultur, sprich von Ackerbau und Viehzucht, ist auf dem Weg zur bedrohten Art. Bundesweit hat der Bestand zum Stichtag der jährlichen Zählung Ende 2024 den niedrigsten Wert seit Jahren erreicht: 10,461 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen wurden zum Stichtag 3. November 2024 in den Ställen und auf den Wiesen und Weiden von der Waterkant bis zum Alpenrand gezählt, wie unlängst der Datenbank Genesis 2.0 der Statistischen Ämter zu entnehmen ist. Das sind rund 375.000 weniger als ein Jahr zuvor.

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Im Ilm-Kreis 248 weniger

Im Ilm-Kreis geht die Rinderhaltung ebenfalls zurück: Zum Stichtag der Erhebung wurden 10.489 Tiere gehalten, 248 weniger als vor einem Jahr.

Bei Greenpeace und diversen anderen Umweltorganisationen steht das Rind einerseits als Klimakiller, andererseits – weil Lieferant von „rotem Fleisch“ – als Gesundheitsrisiko auf der verbalen und medialen Abschussliste. Das hat Folgen: Unterteilen wir den Bestand der potenziellen Nahrungsmittellieferanten in der Republik, dann gab es Ende 2024 unter anderem rund 3,59 Millionen Milchkühe in Deutschland, die neben Fleisch das zweite wichtige Nahrungsmittel sicherten, das die mitteleuropäische Menschheit durch die Jahrtausende begleitet und die das weibliche Rind dank Kälbchen zur Kuh macht: Milch.

Unter dem Deutschland-Anteil

Lokal betrachtet waren von den genannten 10.489 Rindern, die am Stichtag 3. November 2024 im Ilm-Kreis gezählt wurden, 2681 Milchkühe. Auf die letzten fünf Jahre gesehen sah die Rinder-Entwicklung so aus: Für 2019 steht in der Regionaldatenbank Genesis für unseren Bereich ein Bestand von 10.815 Rindern (Milchkühe: 3073). Zwölf Monate später waren es 10.611 Rinder (Milchkühe: 3027). Im Jahr darauf meldeten die Viehhaltenden 10.761 Rinder (Milchkühe: 3024), zum Stichtag 2022 waren es 10.803 Rinder (Milchkühe: 3013), zum Stichtag 2023 dann 10.737 Rinder (Milchkühe: 2996).

Die Veränderung des Bestands an Rindern und Milchkühen im Ilm-Kreis während der letzten sechs Jahre. /Grafik: zds/Weinstadt

Zuchtvieh, Milchvieh und Mastvieh sowie Biogas-Erzeugung sind die Nutzungsmöglichkeiten, die Bauer und Bäuerin per Kuh und Rind haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, Wiesen als Kulturlandschaft zu nutzen und zur lokalen Ernährungssicherung beizutragen. Gut koppeln lassen sich dabei Milcherzeugung und Fleischproduktion. Die 2681 in der Rinderzahl enthaltenen Milchkühe in den Ilm-Kreis-Ställen machen dabei derzeit rund 25,6 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2019: 28,4 Prozent). Deutschlandweit lieg dieser Anteil bei 34,3.

Das Rind lässt sich komplett verwerten, aber ...

Metzger oder Schlachtbetriebe haben weitere Einnahmequellen: Das Rind lässt sich mit Haut und Haar gleich Leder, Horn gleich Brillengestelle und als anderweitige Rohstoffquelle bis hin zum Gummibärchen komplett verwerten.

Diese Nachhaltigkeit nutzt dem Rindvieh aber nichts, wenn es andererseits als Umweltproblem Schlagzeilen macht: „15.000 Liter für ein Kilo Rindfleisch“ macht in Medien und Öko-Papieren als „Wasserfußabdruck“ die Runde. Aber? Das Meiste hat das Tier womöglich sogar mehrfach getrunken. Denn was vorn reingeht, kommt zumeist andernorts am Tier auch wieder raus und kehrt in den natürlichen Kreislauf zurück, sofern es nicht als Milch einen Zwischenstopp macht. Und Regenwasser ist der wesentlichste Teil des errechneten Wasserverbrauchs.