„In natürlichen Ökosystemen verbessert die Stickstoffbindung die Bodenfruchtbarkeit und unterstützt das Pflanzenwachstum, wodurch auch die Kohlenstoffspeicherung steigt“, erklärt Reis Ely. „Unsere neue Schätzung der natürlichen Stickstoffbindung, die auf einem verbesserten wissenschaftlichen Verständnis beruht, deutet jedoch darauf hin, dass weniger neuer Stickstoff in natürliche Ökosysteme gelangt.“
Doch nicht nur diese Messverzerrung ist dafür verantwortlich, dass die Natur als wichtiger Kämpfer gegen die Erderwärmung schwächer ist als erhofft: Auch Schäden durch Trockenheit, Stürme und Schädlinge verschärfen das Problem: Laut der Waldinventur im vergangenen Jahr ist der Wald in Deutschland in den letzten Jahren aufgrund der Klimakrise und ihrer Folgen zur Quelle von Kohlenstoff geworden. Das bedeutet, dass die Verluste größer sind als der Zuwachs.
Stickstoffbindung in der Landwirtschaft hat gemischte Folgen
Neben der natürlichen Bildung von Stickstoff beschäftigen sich die Studienautoren auch mit der landwirtschaftlichen Bindung von Stickstoff und beschreiben diese als elementaren Teil des Stickstoffkreislaufs. Gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter habe sich die gesamte terrestrische Bindung von Stickstoff durch die landwirtschaftliche Nutzung sogar um rund 60 Prozent erhöht, heißt es in der Studie.
In der Landwirtschaft wird Stickstoff zur Herstellung von Dünger genutzt. Dies sei einerseits notwendig, um eine wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können. Allerdings könne die landwirtschaftliche Stickstoffbindung in zu hohem Ausmaß auch wiederum negative Folgen haben und sogar zum Klimawandel beitragen, schreiben die Autoren.
„Zu viel Stickstoff kann das Gesamtgleichgewicht der Nährstoffe im Boden stören, und überschüssiger Stickstoff kann ins Grundwasser sickern oder in Seen und Flüsse abfließen, was zu Algenblüten führt und Lebewesen im Wasser schädigt“, konstatiert Reis Ely.
Zudem könne überschüssiger Stickstoff zu Lachgas (N2O), einem starken Treibhausgas, werden. Ein hoher Stickstoffgehalt könne auch invasive Arten begünstigen, die einheimische verdrängen und so die Artenvielfalt verringern.
Info: Waldfläche in Deutschland
Wald Deutschland ist ein waldreiches Land. Mit 11,4 Millionen Hektar sind 32 Prozent der Gesamtfläche mit Wäldern bedeckt. In den letzten zehn Jahren hat die Waldfläche um 50 000 Hektar (0,4 Prozent) zugenommen. 13 Prozent der Landesfläche werden für Siedlung und Verkehr sowie 52 Prozent für die Landwirtschaft genutzt.
Bäume Über 90 Milliarden Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern. Das ergab die letzte bundesweite Waldinventur. Von den 76 Baumarten, die hierzulande vorkommen, sind 56 Prozent Nadelwald und 44 Prozent Laubwald. Die Fichte ist mit 26 Prozent die häufigste Baumart in Deutschland, gefolgt von der Kiefer (23 Prozent), der Buche (16 Prozent) und der Eiche (zehn Prozent).
Baden-Württemberg Nach Bayern (2,6 Millionen Hektar Wald) ist Baden-Württemberg mit 1,4 Millionen Hektar das Bundesland mit den meisten Wäldern. 40 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt. Damit steht der Südwesten auf Platz vier hinter Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 42 Prozent) sowie dem Saarland (40 Prozent).