Wartburgkreis Der lange Anflug zum Storcheneck

Werner Kaiser

Endlich war es so weit und die Freude war groß: Das neue Dorfgemeinschaftshaus im Leimbacher Ortsteil Kaiseroda wurde eingeweiht.

Einweihung des Bürgerhauses „Storcheneck“: Auf diesen Moment hat sich Ortsteilbürgermeister Egon Hauß viele Jahre gefreut. Foto: Werner Kaiser

Aus Energie der Ortsbewohner, der Unterstützung von Gemeinderat, Stadtverwaltung und Dorferneuerungsinstanzen und dem Können von Planern und Ausführungen entstand ein Zentrum für Kaiseroda.

Nach der Werbung weiterlesen

Das Wort „endlich“ war bereits in der Überschrift zu lesen, als die Gemeinde Leimbach zur feierlichen Übergabe des neuen Bürgerhauses im Ortsteil Kaiseroda einlud. So war dann auch die Atmosphäre am späten Freitagvormittag geprägt: ein tiefes Durchatmen mit einem ordentlichen Schuss Genugtuung.

Modern und festlich zugleich präsentiert sich die nördliche Eingangsfront des neuen Bürgerhauses Foto: Werner Kaiser

Am südlichen Rand des Ortes wurde nicht nur ein Gebäude, sondern ein komplettes Areal übergeben, Resultat langgehegter Wünsche und einer Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern. Dorfgemeinschaftshaus oder Bürgerhaus, die Begriffe waren variabel; vielleicht wird sich ohnehin schnell der selbstgewählte und in schöner Gestaltung eingefügte Name „Storcheneck“ verfestigen.

Höhepunkt in langer Geschichte

Kaiseroda hat insgesamt eine Geschichte von fast fünfhundert Jahren, wenn die Siedlung Vackenroda eingerechnet wird. Die lag an der Werra etwa gegenüber von Unterrohn an einer feuchten und oft vom Hochwasser heimgesuchten Stelle. Deswegen suchten sich die Bewohner ein günstigeres Fleckchen. Der Ort gehörte zu Herzogtum Sachsen-Eisenach (später Sachsen-Weimar-Eisenach), an seinem östlichen Rand, der heutigen Schulstraße, verlief die Grenze zum Meininger Herzogtum. Hier startete am Ende des 19. Jahrhunderts der für die Entwicklung der ganzen Region prägende Kalibergbau. Die vom 1920 gebildeten Land Thüringen verfügte, aber wenig später wieder aufgehobene Eingemeindung nach Leimbach wurde 1950 festgeschrieben und fand sich etwa im Namen der Bahnstation Leimbach-Kaiseroda wieder. Eine etablierte Ortsmitte gab es jedoch nicht.

Dorferneuerung macht’s möglich

Nunmehr musste sich Leimbachs ehrenamtlicher Bürgermeister Thomas Fischer redlich beeilen, um in seiner Begrüßungsrede die vielen Mitwirkenden an diesem Projekt zu würdigen. So erinnerte er daran, dass für das früher von der Agrargenossenschaft bewirtschaftete frühere Gutshofgelände schon im Mai 2022 die Planungen eines Neubaus mit Außengelände begonnen hatten. Nach dem Eingang der Baugenehmigung bei der Gemeinde im August 2024 erfolgte der Baustart im Mai 2025. In diesem Umfang konnte das Vorhaben durch die Aufnahme in die Dorferneuerung verwirklicht werden, ein großer Dank also an das Thüringer Amt für Landwirtschaft und ländlichen Raum, denn das insgesamt 1,021 Millionen Euro teure Projekt wird mit 649.000 Euro, also 65 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst.

Die Planer und die Ausführenden haben eine sehenswerte Anlage geschaffen. So fügt sich das rechteckige Gebäude in die vorhandenen Gebäudestrukturen ein und ist mit seinem nach Süden geneigten Pultdach für Photovoltaik nutzbar.

Beratungen, Lesungen, private Feiern

Überhaupt wurde mit Nachdruck auf Energieeffizienz gesetzt. Herzstück ist der Veranstaltungsraum mit seinem 52 Quadratmeter großen, dank großer Fensterfronten lichtdurchfluteten Saal, der sich für Begegnungen des Ortsteilrats und des Ortsvereins Kaiseroda eignet, für Lesungen und Veranstaltungen nutzbar ist und für private Anlässe angefragt werden kann, was schon bei der bevorstehenden Schuleinführung der Fall ist.

Einen besonderen, persönlichen Dank mit Blumensträußen richtete der Bürgermeister an Peggy Becher und Andrea Prawitz, die in der Verwaltung der „erfüllenden Gemeinde Bad Salzungen“ die Realisierung maßgeblich unterstützten.

Peggy Becher (links) und Andrea Prawitz (rechts) wurden von Bürgermeister Thomas Fischer besonders gewürdigt. Foto: Werner Kaiser

Die Seele des ganzen Projekts jedoch war zweifellos der langjährige Ortsteilbürgermeister Egon Hauß. Der konnte den auch seine Rührung nicht verbergen, als er von den zwei großen „G“ sprach, die nun Wirklichkeit geworden seien: ein Platz für die gesamte Gemeinde und ein Gewinn für Kaiseroda, dem es zumal nach Schließung der Gaststätte seit vielen Jahren an einem Zentrum gefehlt hatte. Er wollte deswegen auch dem Leimbacher Gemeinderat besonderen Dank aussprechen, der das Projekt mit viel Unterstützung begleitet hatte. Und als kleines persönliches Statement merkt Egon Hauß an: „Ich wusste vorher gar nicht, dass ich so viel Geduld aufbringe.“

Komplett fertig bis Mitte September

Die Außenanlagen sind noch nicht ganz fertiggestellt. Daran nahmen die Gäste der Übergabe aber keinen Anstoß, und das „Storchenfest“, das sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Kaiserodaer Dorfevent gemausert hat und diesmal von viel Prominenz aufgesucht wurde, integrierte die Vorfreude auf die bis Mitte September geplante Fertigstellung einfach in die Feierlaune.

Freilich, darauf macht auch Thomas Fischer aufmerksam, gerade mit diesem Umfeld wird dieser Teil von Kaiseroda „ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen, gemeinsam feiern und ihre Freizeit gestalten können“.

Apropos Storchenfest – das weist auf ein Extra mit Adebar hin, das sich der Ort mit diesem Projekt gestattete: Schon bei der Zufahrt von der alten B 62 her als auch im Eingangsbereich des Gebäudes stößt man auf den Namen: nicht Bürger- oder Dorfgemeinschaftshaus, sondern Storcheneck. Da haben richtige Gestalter mitgewirkt, darunter auch die ortsansässige Firma Göring, und man kann sich gut vorstellen, wie sich Egon Hauß und seine Mitstreiter künftig wohlfühlen werden bei dem Satz: „Wir treffen uns am Storcheneck.“