Warnstreik Forderung: Verhandelt endlich

Annett Recknagel
Petra Hönicke forderte MVZ-Geschäftsführer Thomas Fickel auf, endlich an den Verhandlungstisch zu kommen Foto:  

Der Arbeitskampf des Medizinischen Versorgungszentrums in Schmalkalden geht weiter. 30 Beschäftigte legten am Mittwoch ihre Arbeit nieder.

 
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Traumberuf Medizinische Fachangestellte. Eine 26-jährige Alleinlebende verdient 1400 Euro Netto im Monat. Davon gehen Miete, gestiegene Energiekosten, Spritverbrauch und Versicherungen ab. Es bleiben 400 Euro zum Leben. Doch was, wenn das Auto seinen Dienst versagt? „Jetzt wird es ganz schön eng“, erklärte PetraHönicke zur Kundgebung auf dem Schmalkalder Altmarkt. Und weil eine derartige Bezahlung nicht nur die Attraktivität des Traumberufes MFA mindere, sondern auch den Berufsnachwuchs nicht unbedingt fördere, ging sie am Mittwoch gemeinsam mit 30 ihrer Kolleginnen wiederholt auf die Straße.

„Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag“, tönte es aus dem Megafon. Hannes Gottschalk, zuständiger Gewerkschaftssekretär von Verdi, wurde es nicht müde zu verkünden: „So lange, bis wir einen Tarifvertrag haben, machen wir weiter.“

Gemeint sind die Beschäftigten undVerdi-Mitglieder des Medizinischen Versorgungszentrums in Schmalkalden. Sie fordern eine gerechte Entlohnung für qualifizierte Arbeit. „Wenn kein Nachwuchs mehr kommt, dann gibt es keine ambulante Betreuung mehr in Schmalkalden“, verkündete Petra Hönicke und wies darauf hin, dass alle hier Anwesenden ihren Beruf mit viel Herzblut ausüben und dies auch gewürdigt bekommen wollten. Auch Nicole John, die in der Radiologie, die ebenfalls zum MVZ gehört, arbeitet, ärgert der Stundenlohn von 12,60 Euro, den einige Kolleginnen immer noch erhalten. „Zu Coronazeiten haben sich die Kollegen der Röntgenabteilung jederzeit unter Vollschutz um ihre Patienten gekümmert“, berichtete sie. Natürlich seien etliche Kollegen auch an dem Virus erkrankt. Und trotzdem hätten die wenigen anderen weitergearbeitet, sogar Bereitschaftsdienste für das Klinikum aufrechterhalten. Und das zu jeder Zeit. Einige hätten gar auf freie Tage verzichtet, damit der Betrieb weitergehen konnte. „Sichere Löhne und faire Arbeitsbedingungen gibt es nur mit Tarifverträgen“, meinte Katja Fiedler, auch sie ist eine Medizinische Fachangestellte am MVZ.

„Kommen Sie an den Verhandlungstisch, Herr Fickel“, forderte sie. Und genau das verlangt auch die Gewerkschaft Verdi mit Hannes Gottschalk an der Spitze. „Natürlich ist die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen des MVZ angespannt, aber wir werden die Zügel anziehen“, sagte er. Seiner Ansicht nach sei es nicht normal, dass der Arbeitgeber so reagiere und nicht verhandeln wolle. „Das ist ein Politikum geworden“, so Gottschalk. Wenn man sich auf Augenhöhe treffe, könnten Kompromisse erreicht werden. Verdi fordert für das MVZ eine Einbindung in den Tarifvertrag des Elisabeth Klinikums. Und das werde sowohl von der Geschäftsleitung als auch von der Landrätin vehement abgelehnt. Patrick Beier (MdL, Linke) war in Schmalkalden das zweite Mal bei einem Streik des MVZ dabei, lobte den Mut aller Teilnehmer und meinte: „In 15 Jahren 75 Cent Lohnerhöhung – das ist eine Frechheit.“

Solidarisch mit den Streikenden zeigte sich auch Patrick Eitberger von der IG Metall Suhl-Sonneberg. Mario Volgmann vom DGB-Kreisverband stärkte den Streikenden ebenfalls den Rücken. „Ihr wollt nichts besonderes“, erklärte er und fügte hinzu: „Es geht darum, dass ihr endlich einen Tarifvertrag bekommt und darauf kommt es an.“ Umso schlimmer sei es, dass sich die Landrätin nicht einmal mit den Betroffenen an einen Tisch setzen könne. Und so habe der DGB- Kreisvorstand Peggy Greiser nahegelegt, die Veranstaltung am 1. Mai in Meiningen nicht zu besuchen. „Wir wollen sie da nicht sehen“, so Volgmann. Für die Belegschaft des MVZ und Verdi steht fest: „Wir streiken weiter bis Verhandlungen über gute Arbeitsbedingungen kommen.“ Hannes Gottschalk kündigte weitere Streiktage an.

In Schmalkalden waren die Streikenden am Mittwochvormittag mit Plakaten und Trillerpfeifen auf den Gehwegen durch die Stadt gezogen und hatten wie beim ersten Streik vor vier Wochen viel Sympathie und Solidarität der Bevölkerung und der Passanten erlebt. Auch auf dem Altmarkt gab es Applaus und Zustimmung für die Aktion.

Am Mittwochnachmittag kündigte Verdi an, den Warnstreik am Donnerstag, 20. April, fortzusetzen. „Die große Resonanz bei den Beschäftigten und die nach wie vor ausbleibende Bereitschaft der Arbeitgeberseite, mit Verdi in Tarifverhandlungen einzutreten, hat uns zu diesem Schritt veranlasst“, so Verdi.

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