Walldorf Streuobstwiesen tragen tonnenweise Früchte

Äpfel, Äpfel, nochmals Äpfel, dazu Birnen und Walnüsse – die Bäume bei Familie Heinig in Walldorf meinen es in diesem Jahr besonders gut. Was die beiden Obstliebhaber nun tun.

Doris Heinig bietet Äpfel in allen Sorten, verlockenden Aromen, Farben und für jeden Verwendungszweck an – hier an ihrem Obststand beim Herbstfest kürzlich in Oberkatz. Foto: Iris Friedrich

Wer hätte sich vor 25 Jahren – beim Pflanzen der Streuobstwiese am Freizeitpark Sandsteinhöhle – träumen lassen, dass die Natur im Sommer 2025 so viele Früchte hervorbringt? Gerade ist Harald Heinig am Sonntag noch mit Himbeeren aus dem Garten gekommen. Ein schöner Snack. Doch eigentlich sind es die großen Bäume, die in diesem Jahr so viel abwerfen, dass Heinigs von einer regelrechten Obstschwemme sprechen. „Eben habe ich noch drei Bäume Walnüsse geschüttelt“, sagt der Walldorfer. 15 Walnussbäume hatte er seinerzeit gepflanzt, in vier Sorten, von denen zwar nicht alle gleich viel tragen, aber immerhin. Als Sonnenschutz für die Besucher am Freizeitpark waren sie mit ihrem dichten Blätterwerk gedacht. Nun kommt man auch noch in den Genuss der vielen Früchte, die ausländischen Walnüssen beim Geschmack übrigens in nichts nachstehen.

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50 Bäume, viele alte Sorten

Ebenso ertragreich sind die Streuobstwiesen, die der Familie gehören und unmittelbar an das Sandsteinhöhlengelände angrenzen. Eine davon hat noch Harald Heinigs Vater vor vielen Jahren gepflanzt. Die andere, nur durch einen Weg getrennt, ist eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Freizeitparks gewesen, erinnert sich Harald Heinig. Vor 25 Jahren hat er als behördliche Auflage 28 neue Obstbäume setzen müssen. „Die sind heute in einem sehr guten Alter und tragen in diesem Jahr unendlich viel Obst“, berichten Heinigs. Zusammen mit der alten Streuobstwiese des Vaters sind es 50 Bäume, die Heinigs bewirtschaften.

Die Blütenpracht aus diesem Frühjahr führte zu einem Obstjahr, das wohl seinesgleichen sucht. Foto: Doris Heinig

Viele alte Sorten Äpfel und Birnen wachsen hier. Die Namen klingen auch für jemanden, der kein Pomologe ist, schon köstlich und historisch zugleich: Gloster, Sternrenette, Dülmener Rosenapfel, Kronprinz, Kaiser Wilhelm, von Berlepsch, Goldrenette, Alkmene, Spartan, Ausbacher... Und das sind noch längst nicht alle. Als besonders leckere Birne wächst die „Köstliche von Charneux“ bei der Familie in Walldorf. Eine regelrechte Genreserve beherbergt das Werratal da.

Apfelbäume, die fast ebenso viel Früchte wie Blätter tragen,könnte man meinen. Foto: privat

Heinigs sind Mitglied im Landschaftspflegeverband Rhön mit Sitz in Kaltensundheim, für den Streuobstwiesen in verschiedener Hinsicht (auch für die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln und Fledermäusen) ein fördernswertes Thema sind. Beide arbeiten auch mit dem BUND in Untermaßfeld zusammen. Hier wurde jüngst Obst zugunsten des Umweltverbandes gepresst. Die Streuobstwiesen-Besitzer gehören zur Rhöner Apfelinitiative und haben gerade erst für diese rund eine Tonne Äpfel nach Nordheim gebracht, von wo das gesammelte Obst in eine Mosterei nach Flieden geht, erzählen sie. Viel Geld bringe das freilich nicht ein.

Tafelobst und Saft werden draus

Auch in einer Mosterei in Suhl haben die Heinigs dieses Jahr Saft machen lassen und beliefern nächstens eine Mosterei in Bad Königshofen. Gerade hat sich Doris Heinig für das Apfelfest in Hausen angemeldet, das am kommenden Wochenende stattfindet. Beim Herbstfest in Oberkatz bot sie kürzlich die auf der eigenen Streuobstwiese geernteten Apfel- und Birnensorten an. „Ein Teil unseres Obstes wird als Tafelobst verkauft, vielleicht so sieben Zentner“, sagt die agile Frau. Angesichts der Obstschwemme in diesem Jahr ist es nicht so einfach mit dem Vermarkten – aber eigentlich kurios, dass derzeit Äpfel im Supermarkt übers Kassenband gehen, wenn man doch die einheimischen knackfrisch haben kann. Und das in wie vielen Sorten! Wer nächstens den Reformationsmarkt in Möhra im Wartburgkreis besucht – und das sind stets Tausende – wird die Familie aus dem Werratal mit einem Stand vor Ort finden. „Ich hab mich angemeldet, es hat gerade noch geklappt“, sagt Doris Heinig. Auch Saft in 5-Liter-Behältern bietet sie dann wieder an, Apfel oder Apfel-Birnen-Saft.

Noch immer hängen die Bäume voll – Harald Heinig musste einige stützen ob der Last. Foto: privat

Viel Arbeit macht die Obsternte und die Jüngsten sind die beiden auch nicht mehr, sagen sie – aber das Obst vergehen lassen, das kommt nicht in Frage. Rund sieben Tonnen haben sie in dieser Saison schon geerntet und noch immer hängen Früchte an den Bäumen. Wer die Artenvielfalt bei Familie Heinig in Walldorf bestaunen will und heimisches Obst – zum Sofortessen, aber auch zum Lagern – mitnehmen möchte, ist gern gesehen. Unter Telefon (03693) 80 36 95 findet man Kontakt zu den Obst-Experten.