Nach der Rückreise vom Äquator zögen die Buckelwale, zu deren Population der Poeler Wal gehöre, in die kalten Gewässer des Nordatlantiks. "Wenn er in der Nordsee freigelassen wird, steht ihm somit noch eine Weiterreise in den Atlantik bevor, die er eigenständig schaffen muss", erklärte WDC. Insbesondere die Nordsee berge viele Gefahren wie Lärm, Fischerei und Schiffsverkehr. "Aber auch im Atlantik sind Wale und Delfine nicht sicher vor menschlichen Aktivitäten."
Wie geht es dem Tier aktuell?
"Pudelwohl" fühle der Wal sich in der Barge, verlautbarte Backhaus, nachdem das geschwächte Tier erfolgreich in das Stahlbecken getrieben war. So manchem Experten dürften ob dieser Bemerkung die Haare zu Berge gestanden haben.
Der Gesundheitszustand des Wals sei grundsätzlich schon nicht gut, sagte Meeresbiologe Ritter. "Das sagen alle, auch die Befürworter der Rettungsaktion." Es gebe eine lange, traumatische Vorgeschichte. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. "Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist."
Das beobachtete Verhalten des Tieres sei insgesamt stark passiv, hieß es auch vom Meeresmuseum. "Im Vergleich dazu zeigen gesunde Bartenwale, insbesondere Buckelwale, ein deutlich aktiveres Bewegungs- und Verhaltensrepertoire, einschließlich dynamischer Schwimm- und Sprungbewegungen."
Nach dem anhaltenden Trubel direkt am Wal in den vergangenen zwei Wochen könnte der Transport das Tier noch einmal mehr stressen, ist Ritter überzeugt. "Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke", sagte er. Am Vormittag fuhr der Schlepper mit dem Stahlbecken zum Beispiel durch den vielbefahrenen Fehmarnbelt. Wale und Delfine lebten in einer Welt des Schalls. "Die sind da extrem empfindlich." Der mehrtägige Transport sei so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagte er.
Von WDC hieß es: "Viele Wildtiere entwickeln unter solchen Bedingungen eine Fangmyopathie – ein stressbedingter Muskelabbau, der durch extreme Anstrengung, Angst, Einfang oder Transport entsteht."
Werden wir das weitere Schicksal verfolgen können?
Zunächst wurde der Wal mit einem Sender ausgestattet, der unter Wasser nicht funktioniert. Die Privatinitiative gab an, mit einem neuen GPS-Sender nachzubessern. Ohne funktionierenden Sender droht unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.
Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden aber nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Schweriner Umweltministerium zur Verfügung gestellt, sagte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden. Es solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten.
Eine langfristige vollständige Dokumentation sei für die Einschätzung der gesamten Maßnahme essenziell, hieß es vom Meeresmuseum. "Insbesondere die öffentliche Verfügbarkeit der Trackerdaten in Echtzeit sowie Live-Videomaterial vom Wal während des Transports und während der Freilassung sind grundlegend für eine transparente Vorgehensweise und um wertvolle Erfahrungen für zukünftige Bergungen sammeln zu können." Auch das IWC Strandings Expert Panel der Internationalen Walfangkommission betonte die Wichtigkeit solcher Daten, unter anderem um die Intervention im Nachhinein aufzuarbeiten.
Eine langfristig erfolgreiche Rettung ließe sich vermutlich daran festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert werde, hieß es von WDC. "Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem natürlichen Verhalten nachkommt."