Wahlpartys in Suhl und Zella-Mehlis Entsetzen und Fremdschämen

Gedrückte Stimmung beherrscht Sonntagabend die Wahlpartys mit Direktkandidaten in Suhl und Zella-Mehlis. Hans-Georg Maaßen ist mit der CDU des Wahlkreises in Toschis Station Zella-Mehlis, Sandro Witt mit der Suhler Linken im Michel-Hotel.

Suhl/Zella--Mehlis - In Toschis Station in Zella-Mehlis wird CDU-Direktkandidat Hans-Georg Maaßen von Anfang an abgeschirmt. Der Zugang zum Gasthaus ist gesichert wie Fort Knox. An der Eingangstür prangen unübersehbar orangefarbene Schilder „Film- und Tonaufnahmen verboten“ und „Geschlossene Veranstaltung“. Die Presse muss draußen bleiben. Die Kollegen von Bild, der Süddeutschen, des MDR und wir werden von schlecht gelaunten Security-Leuten mit verschränkten Armen und Nachdruck darauf hingewiesen, dass Herr Maaßen am späteren Abend in einer vor dem Gasthaus in einer Art Holzhütte eigens eingerichteten „Presselounge“ ein Statement abgeben werde. „Fotoverbot auf dem ganzen Gelände!“ Das habe der Veranstalter so verfügt. Keine Diskussion.

Maaßen ist kurz nach 17 Uhr in dem Gasthaus angekommen. Er isst dort zu Abend, hört man kurze Zeit später. Gut so, denn möglicherweise hätte es ihm später den Appetit verschlagen. Dabei sind viele CDU-Mitglieder aus Suhl und den angrenzenden Landkreisen, darunter Oberbürgermeister André Knapp, Landtagsabgeordneter Michael Heym, CDU-Stadtratsfraktionschef Marcus Kalkhake und Vize Tobias Uske, aber auch lokale CDU-Granden, wie Dietrich Weiß. Vor der Tür zeigt man sich nach den ersten Zwischenständen lieber nicht mehr. Wer auf eine Zigarette herauskommt und von den Presseleuten angesprochen wird, winkt ab. Die Enttäuschung ist allen ins Gesicht geschrieben. „Ich bin entsetzt – vor allem, wenn ich das starke AfD-Ergebnis in Suhl sehe“, sagt Dietrich Weiß und nippt an einem Glas alkoholfreies Bier. Er hat in den vergangenen Wochen Maaßens Wahlkampf in Suhl im Team mit Sylvia Luck und anderen begleitet. „Das war das letzte Mal, dass ich mich für die Demokratie eingesetzt habe“, lässt er verbittert wissen.

Oberbürgermeister André Knapp kommt kurz nach 20 Uhr für ein Gespräch mit unserer Zeitung vor die Tür. „Ernüchtert“ sei er und schiebt sofort nach: „Glückwunsch an Frank Ullrich !“ Er zolle Hans-Georg Maaßen höchsten Respekt, wie er sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten in Südthüringen engagiert habe. Das zeige die Tatsache, dass Maaßen gerade in Suhl deutlich über dem CDU-Zweitstimmergebnis gelegen habe. „Doch Frank Ullrichs Popularität war stärker.“

Um 21 Uhr dann wird Maaßen umringt vom engsten Wahlkampfteam und begleitet von den CDU-Kreischefs aus Hildburghausen, Sonneberg und Suhl in die Pressehütte geführt. Er gibt dort ein etwa fünfminütiges Statement ab und verschwindet ohne Rückfragen sofort wieder. Mit versteinerter Mine stehen Suhls CDU-Stadtratsfraktionschef Marcus Kalkhake und Hildburghausens Kreischef Christopher Other auf dem Podium. „Bitter“ sei dieser Abend, bitter sei das Wahlergebnis bekennt Kalkhake, vor allem mit Blick auf die Stimmen für AfD-Kandidat Treutler. Aber immerhin werde „HGM“ der Region, der Südthüringer CDU, erhalten bleiben. „Es gefällt ihm hier und wir können weiter auf ihn zählen“, sagt Kalkhake, der selbst bereits schon einmal als Bundestags-Direktkandidat verloren hat.

Partystimmung ist das nicht wirklich, was da im Hotel Michel bei der Linkspartei herrscht. Die Ergebnisse der ersten Hochrechnungen sprechen Bände. „Wir können freilich nicht glücklich darüber sein, dass wir bei fünf Prozent rumdümpeln“, sagt Ina Leukefeld, die Vorsitzende des Suhler Stadtverbandes der Linken. Das Ergebnis ist schlecht. Das könne man nicht schönreden. Vor allem in Suhl. In der Stadt also, die als Hochburg der Partei Die Linke galt. Jetzt fahren die Genossen hier ein historisch schlechtes Ergebnis ein und die Partei ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Sandro Witt, der von Die Linke als Direktkandidat für den Wahlkreis 196 ins Rennen geschickt wurde, erscheint gegen 20 Uhr auf der Party, die von gedrückter Stimmung und hitzigen Debatten über diese schwierige Wahl lebt. Er hat keine Chance, in den Bundestag einzuziehen. Diese Erkenntnis und das Parteiergebnis schmerzen ihn sichtlich. Er muss sich ein paar Minuten sammeln, um Worte zu finden. Worte des Dankes an alle, die ihn unterstützt und Rückendeckung gegeben haben, „ohne die ich den Wahlkampf und all die Anfeindungen nicht durchgestanden hätte. Dass die Nazis so stark abschneiden bei dieser Wahl, sagt viel über das Land. Das ist gerade zum Fremdschämen“. Jetzt gelte es, Demokratie und Mitmenschlichkeit zurückzuholen. „Ich bin 40. Und wenn es jetzt mit dem Direktmandat nicht geklappt hat, dann holen wir es uns in vier Jahren“, macht Witt seine Ambitionen klar. „Ich hab zwar gesagt, dass ich kürzer treten wolle, aber wenn das so ist, dann steig’ ich wieder voll ein“, sagt Helmut Hellmann von der Suhler Linken.

Für eine Analyse des Wahlergebnisses, war am Sonntagabend noch nicht der richtige Zeitpunkt. Vielleicht so viel: „Wenn sich Die Linke so gespalten zeigt, dann müsse man sich darüber nicht wundern“, so Witt. Und wenn Frank Ullrich (SPD) aller Voraussicht nach das Direktmandat gegen Hans-Georg Maaßen (CDU) gewinnt, dann sei das auch mit der Hilfe von Die Linke passiert, betont Sandro Witt. „Maaßen kommt nicht in den Bundestag. Und das ist wichtig.“

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