Nach schweren Vorwürfen Polizeigewerkschafter tritt zurück

, aktualisiert am 23.04.2021 - 13:21 Uhr
Vorwurf sexuelle Gewalt: Chef der Thüringer Polizeigewerkschaft tritt zurück. Foto: Bodo Schackow/dpa

Eine Frau erhebt gegen den Vorsitzenden der Thüringer Polizeigewerkschaft GdP, Kai Christ, schwere Vorwürfe. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt dazu. Christ selbst hat bereits Konsequenzen aus der Berichterstattung über den Fall gezogen..  

Erfurt - Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen den Thüringer Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kai Christ, wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung. Die Ermittler gingen dem entsprechenden Vorwurf einer Frau seit März 2020 nach, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, am Freitag in Erfurt unserer Zeitung. Grünseisen machte zwar keine konkreten Angaben dazu, gegen wen sich die Anschuldigungen richten. Er sprach von Ermittlungen „gegen einen Mitarbeiter der Thüringer Polizei“.

Nach Informationen unserer Zeitung zielen die Ermittlungen allerdings eindeutig auf Christ. Zuerst hatten der Spiegel und der MDR über die Ermittlungen berichtet.

Christ hat inzwischen Konsequenzen aus der Berichterstattung über den Fall gezogen. „Ich bin heute aufgrund der Berichterstattung von meinem Amt als Landesvorsitzender der GdP zurückgetreten“, sagte Christ unserer Zeitung. Zu den Ermittlungen gegen ihn wollte er sich nicht äußern. Sein Rückzug von der Spitze des Landesverbandes der GdP gelte unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen. Dem MDR hatte Christ zuvor gesagt, er weise alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und habe über seinen Anwalt Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt.

Nach Informationen des Spiegel wirft eine ehemalige Mitarbeiterin der GdP Christ vor, sie unter anderem in der Geschäftsstelle der Gewerkschaft in Erfurt sexuell belästigt zu haben. Auch soll Christ ihr intime Fotos und Videos geschickt haben. Christ und die Frau sollen zunächst eine einvernehmliche Affäre gehabt haben.

Christ hatte sich als GdP-Chef in den vergangenen Jahren einerseits immer wieder gegenüber dem Thüringer Innenministerium intensiv für die Belange der Bediensteten der Landes-Polizei eingesetzt. Andererseits war er öffentlich regelmäßig mit der AfD aneinander geraten. Christ hatte mehrfach betont, dass AfD-Mitglieder seiner Einschätzung nach in der GdP nicht zu suchen hätten. Zudem hatte sich Christ dafür ausgesprochen, die Vorwürfe, bei der Polizei gebe es einen strukturellen Rassismus, durch eine Studie aufklären zu lassen.

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