Vortrag Georg II. und die Juden

Ein bisher vernachlässigtes Thema greift die B. M. Strupp-Stiftung anlässlich des 200. Geburtstages des berühmten „Theaterherzogs“ auf.

In der Strupp’schen Villa in Meiningen geht es in einem Vortrag um Herzog Georg II., sein Verhältnis zu Juden und den Umgang mit Antisemitismus . Foto: picture alliance / dpa

In einem Vortrag spricht Christoph Gann am Dienstag, 14. April, über „Herzog Georg II. und die Juden“ in der Strupp´schen Villa in der Meininger Bernhardstraße.

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Bekannt ist Georgs Reaktion auf das Fernbleiben der protestantischen Geistlichen bei der Weihe der Meininger Synagoge am 14. April 1883. Der verärgerte Herzog erteilte ihnen eine Lektion und lud zu einer großen Hoftafel, unter anderem den Landrabbiner und den katholischen Geistlichen, ein, nicht aber die evangelischen Würdenträger. In Zeiten des steigenden Judenhasses fand Georg II. deutliche Worte gegen die „Verirrung des Antisemitismus“. Seine Worte fanden Aufnahme in Publikationen wie dem „Antisemiten-Hammer“.

Ein verbotenes Theaterstück

Wie wurde er aber von den unterschiedlichen Seiten wahrgenommen und wie vorurteilsfrei war er selbst?

Was besagt seine Freundschaft zum Juden Ludwig Chronegk – ohne dessen Mitwirken Georg niemals den internationalen Ruhm als Theaterreformer erlangt hätte? In jüdischen Zeitungen wurde zum 80. Geburtstag des Herzog hervorgehoben, dass dieser auffallend oft Lessings „Nathan der Weise“ aufführen ließ. Auf den berühmten Gastspielreisen stand dieses Stück aber nicht auf dem Spielplan.

„Der Kaufmann von Venedig“ von Shakespeare dagegen schon mit 94 Aufführungen. Christoph Gann wird diesen Fragen in seinem Vortrag nachgehen. Er wird sich dabei auch einem Theaterstück widmen, welches seinerzeit großes Aufsehen erregte und andernorts verboten wurde.

Judenfeindliche Rufe

Spekuliert wurde, dass der Herzog die Erstaufführung des Stücks über den antijüdischen Vorwurf eines sogenannten Ritualmords nicht nur selbst inszenierte, sondern auch der Autor war. Bei der Aufführung soll es gar zu judenfeindlichen Rufen gekommen sein.

Christoph Gann ist Vorstandsvorsitzender der B. M. Strupp-Stiftung und Sachbuchautor. Vor drei Jahren hatte er bereits eine Lücke der Max-Reger-Forschung geschlossen und anlässlich des 150. Geburtstages des Komponisten einen Beitrag zu dessen verdrängten Antisemitismus veröffentlicht.

Nun wird Gann auch auf das Verhalten von Georg II. zum Antisemitismus bei den Leitern der Hofkapelle Hans von Bülow und Max Reger eingehen.

Der Vortrag fällt auf den Jahrestag der Synagogenweihe in Meiningen und beginnt um 18 Uhr im B. M. Strupp Lern- und Gedenkort für jüdische Geschichte und Antisemitismus. Die Veranstaltung kann kostenfrei besucht werden.