Vorteilhaft leben Herzenssache – wenn eine Herzkranzarterie komplett verschlossen ist

Ergänzendes Verfahren am Elisabeth Klinikum Schmalkalden hilft Patienten, deren Herzkranzgefäß über Jahre komplett verstopft war
 

Chefarzt Sankari mit seinem Team: Hier sind Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen in guten Händen. Foto: Elisabeth Klinikum Schmalkalden

Manche Patienten leben jahrelang mit Atemnot beim Treppensteigen, mit einem Druckgefühl in der Brust, das sie längst als „normal“ hinnehmen. Was viele nicht wissen: Dahinter kann ein Herzkranzgefäß stecken, das nicht nur verengt, sondern vollständig verschlossen ist. Mediziner nennen das eine chronische Koronarokklusion, abgekürzt CTO. Am Elisabeth Klinikum Schmalkalden können in unserem Herzkatheterlabor neben den klassischen Interventionen solche Verschlüsse wiedereröffnet werden. Ein Verfahren, das bislang selten angeboten wird.
„Ein komplett verschlossenes Gefäß bleibt oft erstaunlich lange unauffällig“, sagt Dr. Basel Sankari, Chefarzt der Kardiologie am Elisabeth Klinikum. Der Grund hierfür liegt im Körper selbst: Rund um den Verschluss bilden sich mit der Zeit kleine natürliche Umgehungsgefäße, sogenannte Kollateralen. Sie übernehmen einen Teil der Versorgung und puffern die Beschwerden ab. Erst wenn diese Reserve nicht mehr ausreicht, meldet sich das Herz mit Luftnot, Engegefühl oder einer spürbar sinkenden Belastbarkeit im Alltag. Viele Patienten hätten sich, so Sankari, längst an diesen langsamen Rückgang gewöhnt und würden ihn kaum noch als Warnzeichen wahrnehmen.
Technisch ist die Behandlung eines Verschlusses der Herzkranzgefäße deutlich aufwendiger als das Aufdehnen einer gewöhnlichen Engstelle. Weil das Gefäß über eine längere Strecke komplett verschlossen war, reicht ein Draht von vorne oft nicht aus, um sicher hindurchzukommen. In diesen Fällen arbeitet sich das Team deshalb zusätzlich über die feinen Kollateralgefäße von der Gegenseite her an den Verschluss heran – eine Technik, die als retrograde Rekanalisation bezeichnet wird und spezielles Material, geschulte Hände und vor allem Erfahrung voraussetzt.
Für dieses Verfahren wurde das Personal im Herzkatheterlabor bereits seit einigen Monaten fortgebildet. „Uns war wichtig, dass unsere Patienten für diesen Eingriff nicht mehr weite Wege in Kauf nehmen müssen“, erklärt Sankari. „Wir kennen die Menschen hier, kennen ihre Vorgeschichte, das macht die Behandlung nicht nur bequemer, sondern oft auch sicherer." Vor jedem Eingriff steht eine sorgfältige Bildgebung, mit der das Team prüft, ob und wie der Verschluss angegangen werden kann. Nicht jede CTO eignet sich für diese Vorgehensweise, betont der Chefarzt. Die Entscheidung werde immer individuell getroffen. Sind bestimmte Eingriffe nicht möglich, erfolgt die Weiterbehandlung mit unseren entsprechenden Kooperationspartnern in der Region.

Vielen Patienten spüren schnell eine Verbesserung

Gelingt die Wiedereröffnung, spüren viele Patienten die Verbesserung schnell: bessere Durchblutung des Herzmuskels, weniger Brustschmerzen, mehr Luft beim Treppensteigen. Für einen Teil der Betroffenen erspart der minimal-invasive Eingriff zudem eine offene Bypass-Operation. 
Für Dr. Sankari und sein Team ist das Programm auch ein Stück Selbstverständnis: „Wir wollen, dass Menschen mit einem chronisch verschlossenen Gefäß hier vor Ort wissen, dass es eine Lösung für sie gibt und dass sie damit nicht einfach leben müssen." Elisabeth Klinikum Schmalkalden