Ost und West, geteilte Erinnerung
Auch der Rückblick auf die DDR fällt bisweilen unterschiedlich aus: Im Osten scheint er vielschichtiger, weniger kategorisch. Das zeigt etwa eine Forsa-Umfrage unter rund 1.643 Berlinerinnen und Berlinern von 2025. Von den Befragten, die bis 1990 im Westen wohnten, nannten 52 Prozent die DDR diktatorisch. Bei jenen aus dem Osten waren es nur 38 Prozent. 29 Prozent der befragten Ostberliner sahen die DDR auch als "menschenorientiert" oder "fürsorglich"; unter den Westberlinern waren es gerade mal 4 Prozent.
Zuletzt machte sich der Kabarettist Uwe Steimle einen Spaß, als er auf einer AfD-Veranstaltung die DDR-Hymne anstimmte. Aus Chatgruppen der Linksjugend Solid wurden Elogen auf den ehemaligen DDR-Staatschef Erich Honecker bekannt. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht verweist in Wahlkampfreden gern darauf, dass sie sich in der Gegenwart an die Endzeit der DDR erinnert fühle. Alles da im politischen Diskurs des Jahres 2026.
"Verklärung ist gefährlich"
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke regt das auf. "Mit jedem Tag, den die DDR länger zurückliegt, wird sie vermeintlich schöner", sagt die frühere DDR-Bürgerrechtlerin der dpa. "Nostalgie im Privaten kann verständlich sein. Politische Verklärung einer Diktatur ist gefährlich." Die Direktorin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, sieht das ähnlich. Für sie ist der 13. August eine Erinnerung an die "verheerenden Folgen dieser Diktatur für die Wirtschaft, Gesellschaft und politische Kultur, mit denen das vereinte Deutschland bis heute zu kämpfen hat".
Mario Röllig, der wegen seines Fluchtversuchs 1987 vier Monate im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen in Einzelhaft saß, trägt diese Erinnerung jeden Tag bei sich. Nachts kontrollierten dort damals die Wachleute durch den Schlitz der Zelle, ob die Häftlinge vorschriftsgemäß auf dem Rücken schliefen. Drehen war strengstens verboten. Bis heute wache er manchmal erschrocken auf, wenn er auf der Seite liege, zu Hause, in seinem eigenen Bett, erzählt der 58-Jährige.
"Wenn man dann heute hört, wir haben schon die DDR 2.0, das ist eine Verhöhnung der ehemals Verfolgten, muss man einfach sagen", sagt Röllig. Diese Relativierung des Unrechts mache ihm Angst.