Vor 30 Jahren Als es in Jüchsen schlüpfrig wurde

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Genau 30 Jahre ist es her, da hatten die Jüchsener Karnevalisten eine überaus schlüpfrige Idee: Sie riefen den ersten erotischen Herrenabend aus. Die Veranstaltung hat sich längst etabliert, die Frauen im Dorf haben sich lange schon revanchiert.

Der Beitrag vom ersten erotischen Herrenabend in Jüchsen vom 2. Februar 1993. Foto:  

„Mann oh Mann! Wie schnell das sogenannte starke Geschlecht doch schwach werden kann." Mit diesen beiden Sätzen begann das Meininger Tageblatt am 2. Februar 1993, heute vor 30 Jahren, seinen Bericht über den ersten erotischen Herrenabend der Jüchsener Karnevalisten. Es war ein Novum weit und breit – mit einer klaren Maßgabe: Frauen mussten draußen bleiben bei dieser prickelnden Veranstaltung. Im Geheimen blieb dennoch nicht, was sich hinter verschlossenen Türen im Kulturhaus abspielte. Allein die Zeitungsfotos, damals noch in Schwarz-Weiß, ließen einiges erahnen: Attraktive Frauen in durchschimmernden Dessous kokettierten an den Tischreihen vorbei, aufmerksam beäugt von den ausschließlich männlichen Zuschauern. Auch auf der Bühne zeigten die Models viel nackte Haut. Hin und wieder entfleuchte zur Freude des Publikums für Momente sogar das Oberteil.

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Das war sie also, die Geburtsstunde des Herrenabends, der seitdem einen festen Platz im Terminkalender der Jüchsener Karnevalsgesellschaft fand. Er trotzte den kleinen und größeren Widrigkeiten mit Erfolg und ließ sich auch von Kritikern nicht unterkriegen. An die Presseleute ging – lang ist’s her – schon mal der sanfte Hinweis, bei der Auswahl der Fotos vom Herrenabend doch größte Sorgfalt walten zu lassen – um des lieben (Ehe-)Friedens willen. Die wilden Anfangsjahre aber sind vorbei – der Herrenabend hat sich etabliert. Der Grund liegt auf der Hand und ist recht simpel: Die Herren finden die Veranstaltung überwiegend herrlich. Auch wenn es einigen Damen einige Zeit ziemlich dämlich vorkam, dass die Musik ohne sie spielte. Als der erste Ärger verdaut war („Musst du denn ümmer nach die annere Weiber klotz!“), gingen sie galant zur Offensive über und richteten seitdem eine Gegenveranstaltung aus: den Frauenabend, wo Männer im Publikum nichts zu suchen haben. Von diesen aparten Runden gibt es übrigens weit weniger Fotos im Zeitungsarchiv, über den Grund darf gerne spekuliert werden.

Übrigens: Beim ersten Herrenabend vor 30 Jahren blieb etwa die Hälfte der Stühle im Kulturhaus unbesetzt. Ob es am Eintrittspreis von 15 Mark gelegen hat? Wohl kaum. Heute wären die umgerechnet 7,67 Euro ein wahres Schnäppchen. Die Jecken tuschelten sich damals eine andere Erklärung zu: Mancher Mann habe schlichtweg keinen Ausgang von seiner besseren Hälfte bekommen und blieb wohl oder übel zu Hause.