Auf vielen Tischen stehen keine ausgefallenen Trends, sondern Gerichte, die seit Generationen zu Weihnachten gehören. Es sind Weihnachtsklassiker aus Südthüringen, die den Feiertagen einen unverwechselbaren Heimatgeschmack geben.
Wenn der Thüringer Wald von Schnee, Frost und Stille geprägt ist und die Festtage nahen, rückt in Südthüringen die Küche in den Mittelpunkt. Dann werden Rezepthefte aufgeschlagen, Kloßreibe und Bräter aus dem Schrank geholt und über die besten Familiengerichte diskutiert.
Auf vielen Tischen stehen keine ausgefallenen Trends, sondern Gerichte, die seit Generationen zu Weihnachten gehören. Es sind Weihnachtsklassiker aus Südthüringen, die den Feiertagen einen unverwechselbaren Heimatgeschmack geben.
In Städten wie Suhl, Meiningen oder Sonneberg beginnt der kulinarische Teil der Adventszeit oft auf dem Weihnachtsmarkt. Zwischen Lichterketten, Holzbuden und Pyramiden duften Bratwurst, gebrannte Mandeln und Glühwein um die Wette. Thüringer Spezialitäten prägen das Bild, von der Rostbratwurst im Brötchen bis zum Stollenstand. Wer nach dem Bummel heimkehrt, hat nicht selten schon die erste Idee für das Festmenü im Kopf und vielleicht ein Stück Stollen im Beutel. Manchmal entstehen die besten Rezeptideen auf dem Weg vom Markt nach Hause.
Die Zutaten für diese Gerichte kommen aus unterschiedlichen Quellen. Viele Haushalte setzen auf einen Mix aus Wochenmarkt, Hofladen und Supermarkt. Auf den Märkten in Südthüringer Städten werden Eier, Kartoffeln, Äpfel, Wurstspezialitäten und Wintergemüse direkt von Erzeugenden angeboten. Ergänzt wird der Einkauf durch einen Blick ins Regal. Im Winter-Sortiment von ALDI Nord unter sind Fleisch, Beilagen, Gebäck und süße Klassiker gebündelt. So lässt sich etwa ein Menü aus Gänsekeulen, Apfel-Rotkohl, Klößen und als Nachspeise ein schneller Bratapfel mit Vanillesauce recht unkompliziert planen. Wer regionale Produkte und günstige Angebote kombiniert, bekommt einen Festtisch, der bodenständig bleibt und trotzdem festlich wirkt.
Die Thüringer Klöße aus rohen und gekochten Kartoffeln gelten als Aushängeschild der Landesküche. Das älteste überlieferte Rezept stammt aus Effelder-Rauenstein bei Sonneberg, also direkt aus dem Süden des Freistaats. In der Region um Meiningen tragen die Klöße sogar einen eigenen Namen. Hütes heißen sie dort und sind fester Bestandteil der Sonntags- und Festtagsküche. Besonders beliebt sind Varianten mit gerösteten Brotwürfeln im Inneren, dazu viel Sauce vom Braten. Klassische Kombinationen sind Gänsebraten mit Apfel-Rotkohl, Rinderrouladen oder ein saftiger Schweinebraten. Aus übrig gebliebenen Klößen entstehen am nächsten Tag gebratene Scheiben in der Pfanne, mit etwas Butter und Salz eine fast schon eigenständige Festtagsspezialität.
Neben Braten und Klößen spielt der Thüringer Wald eine wichtige kulinarische Rolle. Aus den Revieren rund um den Rennsteig stammt Wildfleisch von Reh, Hirsch oder Wildschwein, das als Braten oder Ragout auf die Festtafel kommt. Beliebt sind Wildbraten mit Preiselbeersauce und Klößen oder ein aromatisches Wildgulasch für den zweiten Feiertag. Aus der Wurstküche stammen Thüringer Rostbratwurst, Rot- und Leberwurst, die als geschützte Spezialitäten nur nach einer festgelegten Rezeptur und aus Thüringen so heißen dürfen. Ob knusprig vom Grill, in der Pfanne gebraten oder kalt auf der Abendbrotplatte, ohne diese Produkte wäre das Weihnachtsgefühl für viele Südthüringer unvollständig.
Auch beim Weihnachtsgebäck zeigt sich die Südthüringer Tradition. Weihnachtsstollen hat in ganz Thüringen eine lange Geschichte, vom berühmten Erfurter Schittchen bis zu regionalen Varianten in Südthüringen. Typisch sind reichlich Butter, Rumrosinen, Orangeat und Zitronat, dazu eine dicke Schicht Puderzucker. Auf den Plätzchentellern liegen Butterplätzchen, Spritzgebäck und Zimtsterne, oft ergänzt durch Blechkuchen nach Familienrezept, der schon Tage vor den Feiertagen gebacken wird. Beliebt sind einfache Rührkuchen mit Äpfeln oder Nüssen, die mit Zimt, Nelken und etwas Kakao weihnachtlich verfeinert werden. Wenn in den Straßen der Duft nach Stollen und Plätzchen hängt, sind die Festtage nicht mehr weit.
Was auf dem Teller beginnt, setzt sich am Weihnachtsbaum fort. Gläserner Christbaumschmuck gilt als Erfindung aus Südthüringen, so erzählen es die Glasbläser in Lauscha. Seit rund 190 Jahren werden im Süden des Landes mundgeblasene Weihnachtsbaumkugeln hergestellt, früher als Ersatz für teure Äpfel und Nüsse. Heute funkeln in vielen Wohnzimmern bunte Kugeln, Glasvögel und Zapfen aus Lauschaer Werkstätten. Wer den Baum schmückt, holt damit ein Stück Handwerkstradition aus dem Thüringer Wald ins Wohnzimmer und schafft die Kulisse für das Festmenü.
Weihnachten in Südthüringen lebt von vertrauten Aromen wie Kartoffelklöße und Hütes, Braten, Wildgerichte, Stollen und Plätzchen, dazu der Glanz von Glaskugeln aus Lauscha. Thüringer Klassiker werden in der Region mit viel Sorgfalt gepflegt, aber immer wieder neu interpretiert, mal traditionell, mal etwas leichter oder moderner. Zwischen Rennsteig, Wurstküche und Backofen entsteht so eine Festtagskultur, die tief in der Region verwurzelt ist und doch offen für neue Ideen bleibt. Wer an den Feiertagen den Duft von Rotkohl, Wildbraten und frisch gebackenem Stollen wahrnimmt, spürt schnell: Hier wird nicht nur gegessen, hier wird Weihnachten gefeiert.