Vollendet Ein altes Haus erzählt

Annett Recknagel

Im Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg wurde der zweite Teil der neuen Dauerausstellung eröffnet – und damit das Werk von Veronika Jung vollendet. Die Museumsleiterin war vergangenes Jahr verstorben.

„Hier wurden die Kartoffeln gelagert, dort die Rüben. Da hingen die Wurst und der Schinken.“ Karl-Heinz Anding aus Oberschönau erinnert sich ebenfalls an das Eingemachte, das im Keller auf Regalen lagerte. Gegenüber war die Tür, die zum Stall führte. Sein Großvater hatte zwei Ochsen, drei Kühe, ein Schwein, zwei Ziegen und Hühner. Das Brot wurde selbst gebacken. Regelmäßig wurde geschlachtet. Gleich nebenan wohnte der Metzger.

Wie die Familie Anding im Haus in der Hauptstraße 44 einst lebte, kann jetzt sehr anschaulich nachvollzogen werden. In einer Ausstellung, die Historisches und Modernes verbindet und die jetzt als zweiter Teil einer Dauerschau eröffnet wurde. „Von der ersten Idee über die Konzeptentwürfe bis hin zur Umsetzung ist es das Werk von Veronika Jung“, stellte die jetzige Museumsleiterin Tanja König heraus und betonte, dass die Dauerausstellung, deren erster Teil schon einige Zeit in den Räumlichkeiten über die Straße zu sehen ist, ein Segen sei. Der erste Teil erfreue sich bei den Gästen großer Beliebtheit, viele positive Rückmeldungen habe sie bekommen. Und das wünscht sie sich jetzt fortzusetzen.

Die Grundlagen dafür sind bestens. Denn das zum Museum umgestaltete Wohnhaus der Familie Anding verspricht eine Zeitreise in die Vergangenheit. Interaktiv, modern, erlebbar. Mit diesen drei Adjektiven hatte Tanja König den Inhalt genau getroffen. Denn: Es ist ausgezeichnet gelungen, alte Tradition in der Jetztzeit erlebbar zu vermitteln. Kai Lehmann als Direktor von Schloss Wilhelmsburg und Vertreter des Zweckverbandes Kultur war fasziniert von der Dauerausstellung. „Das ist ganz, ganz toll geworden. Hier wurde Modernität in das Alte eingepasst, ohne dass es auffällt“, sagte er. Karl-Heinz Anding und seine Frau liefen ebenso begeistert durch die Räume und erinnerten sich. Die Diele im Obergeschoss sei eigens so groß gehalten worden, weil früher dort Platz für den Sarg gebraucht worden wäre. Und damals habe man die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt, bevor sie abgeholt worden seien. Anding selbst hat einen großen Teil seiner Kindheit in dem Haus in der Hauptstraße 44 verbracht. Um die Dauerausstellung ganz genau zu erfassen, müsse er noch einmal wieder kommen und alles genau unter Augenschein nehmen. Sein erster Eindruck war mehr als positiv. „Das ist für Urlauber eine Attraktion“, meinte er.

Andrea König, die das Projekt ihrer verstorbenen Freundin und langjährigen Museumsleiterin Veronika Jung in der Umsetzung zu Ende geführt hatte, wies die Besucher auf die relativ niedrige Raumhöhe hin. Der Küchenschrank musste in Einzelteilen über die kleine Treppe nach oben transportiert werden. Auch das Hochschaffen des alten Herdes sei etwas kompliziert gewesen. Die Familie Anding bewohnte das Haus seit 1682. Die Dauerausstellung ermöglicht es, das Gebäude vom Keller bis zum Dachboden kennenzulernen. Nehmen unten Kohlen, Holz und Einlagerungskartoffeln gefangen, ist ein altes Kanapee der Blickfang in der guten Stube oben. Per Knopfdruck erfährt man zudem wichtiges über Feste und Feierlichkeiten und wie die in Steinbach-Hallenberg begangen worden. In der kleinen Küche gibt es eine Tafel zum Drehen, an der typische Rezepte aufgeschrieben sind – in Hochdeutsch und in Mundart. Im Hauptraum – dem einstigen Wohnzimmer – sind die Familienmitglieder als große Aufstellerfiguren zu sehen. Zudem erfährt man dort vieles über Steinbach-Hallenberg von oben. Eine topografische Karte der früheren Bezirke Erfurt, Gera und Suhl hatte es Kai Lehmann besonders angetan. Unter dem Dach in der Bodenkammer steht ein Bett mit Wärmflasche und Waschutensilien. Zudem gibt es Informationen zur Flachsherstellung. „Wir bieten auch Führungen für Schulklassen an“, sagt Tanja König und wünscht sich, dass möglichst viele davon Gebrauch machen.

Zur Einweihung der Dauerausstellung waren auch der Mann und die Schwester von Veronika Jung gekommen. Beide verließen das Haus voller Begeisterung. „Die neue Ausstellung wird die Stadt bereichern“, erklärte Bürgermeister Markus Böttcher und wies darauf hin, dass Europa-, Bundes- und Landesmittel in dem Projekt stecken. Allein 150 000 Euro seien aus dem LEADER-Projekt zur Entwicklung des ländlichen Raums geflossen. Andrea König bedankte sich bei den ortsansässigen Firmen, die bei der Umsetzung des Projektes mitgeholfen hatten. Zudem hatten viele Einheimische Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt. Falk Nothnagel hat sämtliche Halterungen handgeschmiedet. Damit ist das Metallhandwerksmuseum um 210 interessante und historische Quadratmeter reicher.

 

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