Volkstrauertag in Zella-Mehlis „Dürfen nie die Hoffnung verlieren“

Am Denkmal auf dem Lerchenberg gedachten Zella-Mehliser Bürger, die Landrätin, der Bürgermeister, Stadträte und Vertreter der Bundeswehr den Opfern von Krieg und Gewalt. CDU-Stadtverbandschef Marco Bader fand sehr persönliche Worte. Foto: Michael Bauroth

Auch in Zella-Mehlis standen die Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag ganz im Zeichen des Krieges in der Ukraine. Am Denkmal auf dem Lerchenberg und am Denkmal in Benshausen wurde allen Opfern von Krieg und Gewalt gedacht.

Das frühlingshafte Wetter, der strahlend blaue Himmel und der Sonnenschein über dem Denkmal auf dem Lerchenberg wollten am Sonntagvormittag so gar nicht zum Gedenken am Volkstrauertag passen. Auf Einladung der Stadt und der CDU Zella-Mehlis fanden rund 50 Bürger, darunter Landrätin Peggy Greiser, Stadträte, Reservisten und Bundeswehrvertreter, den Weg hinauf zum monumentalen Denkmal. Bei der vom Posaunenchor Zella St. Blasii mit getragenen Klängen umrahmten Veranstaltung ergriffen Bürgermeister Richard Rossel und CDU-Stadtverbandschef Marco Bader das Wort. CDU-Fraktionsmitglied Volkmar Möhwald sprach das Totengedenken. „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung unter den Menschen und Völkern“, sagte Möhwald.

Nein, für ihn sei es bei dem Gedenken an diesem Tag vor einem Jahr kaum vorstellbar gewesen, dass Russland die Ukraine angreifen; dass wieder ein Krieg in Europa geführt werden könnte, sagte Richard Rossel. „Ich habe mich getäuscht“, gestand der Stadtchef ein. „Es herrscht wieder Krieg und Gewalt in Europa.“ Mit Blick auf die vielen getöteten Soldaten und unschuldigen Zivilisten beim Krieg in der Ukraine sei das Gedenken an dem 1919 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges eingeführten Volkstrauertages heute von besonderer Dringlichkeit, machte Rossel deutlich.

„Was hat sich bis heute geändert?“

In einer sehr persönlichen und emotionalen Rede formulierte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Marco Bader mit Blick auf den Krieg in der Ukraine seine Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft: „lch wünsche mir angesichts von Krieg und Gewalt, dass wir nie die Hoffnung verlieren und die Kraft haben für Wiederaufbau und Neuanfang. Angesichts der zahllosen Kriegstoten wünsche ich mir, dass sich Menschen finden, die die Trauenden trösten und ihnen in ihrem Schmerz beistehen.“

Als Wehrdienstleistender sei er als Richtschütze an einem Leopard ll Panzer ausgebildet worden. Jenem Panzer, über den in den Nachrichten zum aktuellen Konflikt sehr nüchtern und oftmals ohne Hintergrundwissen, berichtet werde. „Meinen Wehrdienst in der Bundeswehr abzuleisten stand für mich – als Mitte Zwanzigjähriger – nie in Frage. Die Ausbildung folgte ausschließlich der Verteidigung Deutschlands Souveränität sowie dem Staatsgebiet und dem Schutz der Bürger. Unser Grundgesetz regelt in unterschiedlichsten Artikeln den Einsatz der Bundeswehr.“ All diese Bestimmungen ließen erkennen, dass die Gründer der Bundeswehr, aus der Erfahrung der Weltkriege, ein tiefes Misstrauen gegen das Militär hatten und sich verpflichtet fühlten eine starke parlamentarische Kontrolle festzuschreiben. „Diesen hohen parlamentarischen Schutz haben die 315 Männer aus Zella und Mehlis, deren hier hinter uns auf dem Gedenkstein gedacht wird, leider nicht erfahren.“

Bader erinnerte an die 1914 im Krieg gestorbenen Bürger aus Zella-Mehlis circa 600 Kilometer entfernt im Ersten Weltkrieg. „2022 findet nicht einmal 850 Kilometer von hier, nach dem Überfall von Russland auf die Ukraine, wieder ein schrecklicher Krieg auf europäischen Boden statt. Mit Blick auf die beiden Jahreszahlen stellte sich mir die Frage: Was hat sich eigentlich bis heute geändert? Scheinbar nichts! Denn verantwortliche für Kriege werden nur selten zur Rechenschaft gezogen.“

Gedenken auch in Benshausen

In Benshausen erinnerten Ortsteilbürgermeister Matthias Kohl und Pfarrerin Sabine Mägdefrau an alle Opfer von Krieg und Gewalt. Am Denkmal setzten sie in Anbetracht der aktuellen Konflikte zudem ein Zeichen dafür, dass Kriege niemals eine Lösung sein können. Nach einer Kranzniederlegung mit musikalischer Umrahmung schloss sich ein stilles Gedenken für alle Opfer von Krieg und Gewalt am Denkmal in Ebertshausen an.

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