Vier von fünf in Sonneberg Pflege findet meist zu Hause statt

Teja Banzhaf

Im Alter kommen die Zipperlein und oft braucht man Unterstützung. Das Pflegeheim ist die Letzte Wahl, meistens kann Senioren zu Hause geholfen werden, wie die Zahlen aus dem Landkreis Sonneberg beweisen.

Im Alter braucht man meistens Unterstützung und Pflege. Foto: dpa//Jan Woitas

Sonneberg - Knapp 4,13 Millionen Menschen in ganz Deutschland waren zum Jahreswechsel 2019/2020 als pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes eingestuft (ein Plus von 20,9 Prozent). Im Kreis Sonneberg gemeldet sind davon 3185 Menschen. Das waren 119 oder 3,9 Prozent Pflegebedürftige mehr als zwei Jahre zuvor.

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Dabei kletterte die Zahl der vollstationär in Pflegeheimen Versorgten (inklusive Kurzzeitpflege) um zehn auf 688 Personen oder um 1,5 Prozent. Ambulante Dienste wurden in 458 Fällen ergänzend zur häuslichen Pflege oder ausschließlich in Anspruch genommen, das waren 330 Fälle weniger als Ende 2017, als diese Zahlen zuletzt erhoben wurden.

Zusammengerechnet wurden bei uns rund 78,4 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause betreut. Das sind im Bundesvergleich etwas weniger als im bundesweiten Schnitt, den die Statistiker mit 80,2 Prozent angeben.

Das Pflegeheim ist nicht der Sehnsuchtsort für den Lebensabend. Die überwiegende Mehrzahl der Älteren verlebt diesen derzeit zumindest auch noch eher zuhause oder bei Angehörigen.

Im Kreis Sonneberg waren dies nach den aktuellen Zahlen 2.497, also 78,4 Prozent der Pflegebedürftigen. Davon erhielten 2039 ausschließlich Pflegegeld, wurden also allein durch Angehörige oder privat organisierte Hilfe gepflegt. Weitere 458 nahmen entweder ausschließlich oder zusätzlich Leistungen von ambulanten Pflegediensten in Anspruch. In Pflege- und Seniorenheimen wohnten dauerhaft 670 Frauen und Männer. Dazu kamen die Nutzerinnen und Nutzer der vollstationäre Kurzzeitpflege – 18 Plätze. Zusammen also 688.

Die Statistischen Landesämter nehmen den Pflegebereich alle zwei Jahre unter die Lupe. Auskunftspflichtig sind die Träger der Pflegedienste und Pflegeheime und die Pflegekassen und privaten Versicherungsunternehmen für die Daten über die Pflegegeldleistungen.

Die jüngsten Daten zum Stichtag 31. Dezember 2019 liegen jetzt vor, beziehen sich also noch auf die Zeit vor Beginn der Coronakrise. Doch auch mit dem vorliegenden Datenmaterial bestätigt sich der Trend aus den Vorjahren. Mit dem gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Berufstätigkeit wandelt sich auch die Pflege: Sie ist zwar immer noch eine Sache der Familie, insbesondere der (Schwieger-)Töchter.

Heute greifen diese aber auf professionelle Pflegekräfte zurück. Vor allem Waschen und Füttern von kranken, zuweilen geistig verwirrten, Älteren und hilfsbedürftigen Hochbetagten, wird Aufgabe von ambulanten Pflegediensten, oft vor dem Lebensabend im Heim.

Aus dem Bedarf ergibt sich: Der Job der Altenpflegenden ist bei steigender Seniorenzahl krisensicher, gutes Pflegepersonal ist gefragt. Der Knackpunkt ist aber die Entlohnung. Insgesamt gab es zum Stichtag der jüngsten Erhebung im Kreis Sonneberg neun Pflegedienste. Zwei Jahre zuvor waren es eben so viele Pflegedienste. Was die Zahl der Pflegekräfte angeht, sagt die Untersuchung, dass 349 Pflegerinnen und Pfleger bei hiesigen Pflegediensten angestellt waren, elf mehr als zwei Jahre zuvor mit damals 338.

Die Zahl der Pflegeheime liegt bei 16, die Zahl der dort Beschäftigten bei 553. Vor zwei Jahren hatte es 17 Heime mit 537 Beschäftigten gegeben. Zwei weitere Jahre zuvor – Ende 2015 – lag der Personalstand der hiesigen Pflegeheime noch bei 494. Die Zahl der vorhandenen Pflegeplätze in Heimen mit vollstationärer Dauerpflege ist im Zweijahresvergleich mit 716 Ende 2017 zum Jahreswechsel 2019/20 auf 699 Plätze gesunken Jetzt wäre es interessant, zu errechnen, wie viel Pflegende auf zu Pflegende kommen. Aber die 349 Pflegeheimbeschäftigten gegen die aktuell 688 zu Pflegenden aufzurechnen, funktioniert nicht.

In der Personalzahl sind beispielsweise auch die Geschäftsführer oder das Verwaltungspersonal eingeschlossen. Die müssten wir abziehen, um einen Betreuungsschlüssel zu bekommen. Geht aber mangels Datenbasis nicht.