VHS Ilmenau Eine Ausstellung voller Legowerke

Jessie Morgenroth
Legobauer Tommy Schmidt und VHS-Chefin Mandy Hallbauer zeigen schon mal die ersten Exponate: Den Aussichtsturm des Lindenberges, den Ilmenauer Bahnhof und eine Römernachbildung sind am Wochenende in der Volkshochschule Ilmenau zu sehen. Foto:  

An diesem Wochenende gibt es in der Ilmenauer Volkshochschule zahlreiche Legobauwerke zu bestaunen. Die zweite Ilmbricks-Ausstellung öffnet die Türen. Bei dieser können Besucher viel entdecken: Bauwerke aus Film und Fernsehen, eine Arktikwelt und sogar Nachbauten aus dem Ilmenauer Stadtbild werden gezeigt.

Es gibt sie in allerlei verschiedenen Farben und Formen. Mit ihnen lassen sich ganze Welten erschaffen, wobei der Kreativität der Bauherren scheinbar keine Grenze gesetzt ist: Die Rede ist natürlich von Legosteinen. Was klein mit einzelnen Steckteilen beginnt, endet in Gebäuden, Straßenzügen oder Nachbauten aus bekannten Filmen und Serien. Dabei sind es nicht nur Kinder, die von den Kunststoffteilen in den Bann gezogen werden – ebensoviele Erwachsene haben Spaß am Bauen mit Lego. Sie finden sich in Lego-User-Groups zusammen, in denen sie gemeinsam ihrem Hobby rund um die kleinen Bausteine nachgehen.

Natürlich gibt es auch in Thüringen Lego-Enthusiasten, einige von ihnen sind in der Gruppe „Ilmbricks“ vereint. Fast könnte man sagen, das Herz dieser Gruppe schlägt in Ilmenau, denn von den 20 Mitgliedern kommen neun aus der Goethe- und Universitätsstadt. Was die Ilmbricks, aber auch befreundete Gruppen alles aus den kleinen Steinchen erschaffen haben, ist an diesem Samstag und Sonntag, 10. und 11. September, in der Ilmenauer Volkshochschule (VHS) bei der zweiten Ilmbricks-Ausstellung zu sehen. Ein Event, auf das sowohl die Volkshochschulleiterin Mandy Hallbauer als auch der Legoliebhaber Tommy Schmidt aus der hiesigen Lego-Gruppe hinfiebern.

Die Idee zur Baustein („Bricks“) Gruppe entstand im Jahr 2019, erinnert sich Tommy Schmidt. Der Ilmenauer war auf der Legoausstellung „Zusammengebaut“ im Hessischen Borken unterwegs und lernte dort Gleichgesinnte aus Thüringen kennen. Sie gründeten die Ilmbricks, mit Mitgliedern aus Ilmenau, aber auch aus Erfurt, Zella-Mehlis, Nordhausen und darüber hinaus. „Wir sind eine bunt gemischte Gruppe begeisterter Legomodellbauer“, fasst es Tommy Schmidt zusammen, dessen Augen schon zu leuchten beginnen, wenn er über Lego redet.

Der 41-Jährige ist seit seiner Kindheit von den bunten Plastesteinchen fasziniert, als Kind der DDR hatte er aber nur eine Handvoll der Bausteine – und ein paar Kataloge im Kinderzimmer. „Ich habe mir dann die Kataloge angeschaut und mir vorgestellt, wie ich mit den Sachen aus dem Katalog spiele“, erinnert sich Tommy Schmidt. Nach der Wende konnte er das Lego seiner Träume dann in den Händen halten, denn er bekam die ersten Kartons voller Bausteine und kaufte sich in seinen 20er-Jahren auf Ebay einige Sets. Seine Begeisterung für die bunten Bausteine sind bis heute geblieben, auch seine Familie unterstützt diese Leidenschaft.

Sets Bauen oder eigene Kreationen

Dabei, so erklärt Tommy Schmidt, gibt es bei den Legofans drei Fraktionen: Die Bauer, die mit Anleitungen nichts anfangen können, sondern selbst kreativ werden und Werke erschaffen. Dann gibt es jene, die nur Sets kaufen und diese planmäßig aufbauen. Und es gibt eine Mischung aus diesen beiden. Tommy Schmidt ist mittlerweile ins Lager der freien Bauer übergegangen, „das macht mehr Spaß und ist ein guter Ausgleich zur Arbeit“, verrät er.

Nur selten baut er mal ein Set nach Plan, lieber konstruiert er seine Eigenkreationen – und das ist ganz schön aufwendig. Einfach drauflosbauen tut er nicht, stattdessen plant er seine Werke am Computer grob vor und überlegt, welche Bauteile und Steine er braucht und wo er diese herbekommt. Inspiration sammelt der Ilmenauer in Filmen, auch an historischen Themen – wie aus der Römerzeit – probiert er sich gerne aus. Darüber hinaus baut er aber auch Sehenswürdigkeiten aus dem Ilmenauer Stadtbild nach – den Bahnhof und den Aussichtsturm auf dem Lindenberg gibt es schon im Miniformat.

Plant Tommy Schmidt ein solches Projekt, schaut er sich die Originalbauten genau an, macht Fotos und misst die Verhältnisse aus. Und er recherchiert genau, um auch ein paar Details unterzubringen. „Alle gehen nicht“, sagt er, und doch sind es diese Feinheiten und kleine, in den Szenen versteckte Gags, die ihm besonders am Herzen liegen. So war es gar nicht so einfach, die grünen Steine für den Eingang des Lindenbergturms zu bekommen. Auch den Wagen des bekannten Ilmenauer Eismanns Uwe Meder hat der Lego-Enthusiast nachgebaut und dabei auf originalgetreue Einzelheiten, wie die Innenausstattung und die Aufschrift außen, geachtet. Diese Exponate sind natürlich auch am Wochenende zu sehen, zusätzlich stellt Tommy Schmidt sein aktuelles, großes Werk aus, das 7100 Teile umfasst und ebenso einen Bezug zu Ilmenau hat. Was es genau ist, möchte der Legobauer aber noch nicht verraten.

Auch die anderen Mitglieder der Ilmbricks freuen sich auf die Ausstellung. Unter den 20 Legoliebhabern der Gruppe sind auch fünf Kinder. „Unser ältestes Mitglied ist um die 70 Jahre alt und durch seine Leidenschaft für Modelleisenbahnen zu uns gekommen“, sagt Tommy Schmidt. Viele Ilmbrickers seien in den 20er-Jahren, der Jüngste, Pascal, ist hingegen erste sechs Jahre jung, hat für die Ausstellung am Wochenende aber etwas Besonderes vorbereitet: er stellt das Super-Mario-Land aus.

Idee entstand schon 2020

Die Idee, eine Legoausstellung zu veranstalten, ist zusammen mit der Volkshochschule entstanden, erinnern sich Tommy Schmidt und die Mandy Hallbauer. „Ich weiß nicht, wie man Lego nicht mögen kann“, sagt die VHS-Chefin, die selbst von den kleinen Bausteinen fasziniert und Mitglied bei den Ilmbricks ist. Die beiden haben sich zusammengetan und überlegt, wie sie Lego nach Thüringen bringen können – Ausstellungen im großen Stil gab es hier bis dato nicht.

2020 sollte schon die erste Ilmbricks sein, doch die Pandemie machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen gab es im ersten Coronajahr eine digitale Ilmbricks-VHS-Legosprechstunde, bei der es Tipps zum Bauen und für die verschiedenen Bautechniken gab. Im vergangenen September dann öffnete die VHS für die erste Legoschau ihre Türen, an einem Tag, für sieben Stunden.

Tommy Schmidt ist der VHS für diese Möglichkeit und die Unterstützung sehr dankbar und auch die Volkshochschule freut sich über die Legoprojekte. Fast 500 Besucher schauten sich über den Tag verteilt die aus Legosteinen gefertigten Exponate auf einer Fläche von mehr als 100 Quadratmetern an, die Begeisterung war groß. Tommy Schmidt und Mandy Hallbauer erinnern sich an leuchtende Kinderaugen und an Besucher, die mit einem „Wow“ die Ausstellung betraten.

Dies ist auch in diesem Jahr wieder das Ziel. Die Ausstellungsfläche wurde auf 160 Quadratmeter vergrößert, Besucher dürfen sich auf verschiedenste Themenwelten und Bauwerke, auf aufgebaute Sets und Eigenkreationen freuen. Von Star Wars über Lego Friends, Marvel, Jurassic Park, Harry Potter, Fußballstadion, eine Arktiswelt und Lego Technic ist für jeden was dabei. Ein Highlight wird die Modelleisenbahnanlage, die einen ganzen Raum einnimmt und für die alle Aussteller – die Ilmbricks aber auch helfende Legogruppen wie die „Bricks am Meer“ – etwas beisteuern. Der Unterstützer mit dem weitesten Anreiseweg kommt übrigens aus Österreich. Für Freunde der 80er-Jahre-Kultserie Knight Rider gibt es eine besondere Überraschung. Auch Interessierte ohne Legokentnisse sind in der Ausstellung willkommen. Im Glasgang baut ein Legofreund während der Ausstellung an einem Werk, Besucher können an einem Gewinnspiel teilnehmen und die Anzahl der in einem Glas befindlichen Legosteine schätzen. Die Ilmbricks freuen sich zudem über neue Mitglieder, aber auch Legospenden nehmen sie gerne an. Diese brauchen sie nicht nur für ihre eigenen Bauwerke, die Gruppe möchte auch Legosets an gemeinnützige Einrichtungen spenden.

Die Ausstellung öffnet Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Kinder 2 Euro.

 

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