VG-Vorsitzende gewählt Klare Entscheidung für neue VG-Chefin

Manuela Kühhirt wurde am Dienstag in Vachdorf von den Mitgliedern der Gemeinschaftsversammlung der VG Dolmar-Salzbrücke zur neuen Vorsitzenden gewählt. Se führt die gemeinsame Verwaltung ab 3. Juni 2021. Foto: /Erik Hande

VG Dolmar-Salzbrücke wählt neue Gemeinschaftsvorsitzende

Vachdorf - „Ganz entspannt“ gehe er damit um, dass sich außer ihm noch fünf weitere Kandidaten um den Vorsitz der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Dolmar-Salzbrücke bewerben. Vielleicht glaubte der aus dem hessischen Gudensberg stammende Frank Kampf in diesem Moment am Dienstagabend wirklich noch irgendwie daran, erneut als VG-Vorsitzender bestätigt zu werden. Allein die Deutlichkeit, mit der er wenig später aus dem Amt gehoben wurde, ließ keinen Zweifel daran, dass das Vertrauen der 14 Mitgliedsgemeinden in den gemeinsamen Verwaltungschef längst aufgebraucht war.

Die Wahl des Vorsitzenden stand nach sechs Jahren turnusgemäß an. Im Januar hatten sich die VG-Vertreter der Kommunen dafür entschieden, diese Stelle auszuschreiben, statt deren Inhaber eine zweite Amtszeit anzubieten. Daraufhin bewarben sich neben Frank Kampf fünf weitere Frauen und Männer um den Vorsitz. Mit Jens-Uwe Bock aus Roding (Oberpfalz) kam lediglich ein Kandidat nicht aus der Region. Der Eisfelder Jan Möller, der Zella-Mehliser Stadtkämmerer Torsten Widder und die Meiningerin Stefanie Scheidler waren hingegen mit dem Landstrich genauso vertraut wie Manuela Kühhirt aus Steinbach-Hallenberg.

Vorgestellt hatten sich die Kandidaten den VG-Räten bereits vor knapp vier Wochen in einer nichtöffentlichen Sitzung. Weitere Nachfragen gab es vor der Wahl im Sport- und Kulturhaus Vachdorf nicht mehr. So konnte Reiner Baumann, der die Versammlung als stellvertretender VG-Vorsitzender leitete, bereits elf Minuten nach deren Eröffnung zum ersten Wahlgang aufrufen. Zuvor hatte er noch die gültigen Modalitäten erläutert. Wenn der erste Wahlgang für keinen Bewerber eine Mehrheit erbringt, dann würden die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in die Stichwahl gehen, lautete die Information. Würde diese Abstimmung ein Patt ergeben, dann müsste das Los entscheiden.

Doch so weit kam es am Dienstagabend nicht. Nacheinander wurden alle 29 anwesenden wahlberechtigten Mitglieder der VG-Versammlung in die Wahlkabine und an die Wahlurne gerufen. Frank Kampf hatte dabei gegenüber seinen Mitbewerbern den Vorteil, dass er selbst ein Votum abgeben durfte. Doch am Ende kam er nur auf vier Stimmen.

Mit überwältigender Mehrheit wurde Manuela Kühhirt, Diplomverwaltungswirtin (FH) und Leiterin der Rechnungsprüfung im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen, das Vertrauen ausgesprochen. Sie erhielt auf Anhieb 22 von 29 Stimmen und war von dem unerwartet deutlichem Zuspruch selbst überrascht. In ihren kurzen Dankesworten richtete sie den Blick auf die kommenden Herausforderungen, die man nur gemeinsam bewältigen könne. Sie wolle beitragen, dass man alle Aufgaben zusammen meistert und sei für Anregungen und Hinweise stets dankbar.

Die 44-Jährige wird ihr Amt nun am 3. Juni 2021 antreten. Begleitet wurde sie am Wahlabend in Vachdorf von ihrem Lebensgefährten Markus Böttcher, der Bürgermeister der Stadt Steinbach-Hallenberg ist. Gespräche unmittelbar nach der Versammlung zeigten bereits, dass das Interesse und die Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit seitens der VG-Kommunen sehr groß ist. Über ihre Bewerbung hatte die Leiterin des Rechnungsprüfungsamtes Landrätin Peggy Greiser vorab informiert. Sie habe „zurück an die Basis“ gewollt, beschrieb Manuela Kühhirt den Grund für den gewünschten beruflichen Wechsel. Sie führt das Rechnungsprüfungsamt seit acht Jahren und war zuvor unter anderem für die Ausländerbehörde in der Kreisbehörde verantwortlich.

Von Frank Kampf erhielt die neu gewählte VG-Chefin Glückwünsche. Er wisse die Verantwortung für die von ihm „maßgeblich mit aufgebaute“ Verwaltungsgemeinschaft in guten Händen. Während Manuela Kühhirt diese Worte entgegennahm, schallten dem scheidenden VG-Chef empörte Buh-Rufe aus der Versammlung entgegen. Offensichtlich sahen viele VG-Räte diese Selbsteinschätzung ganz anders. Erneut wurde die Kluft zwischen Mitgliedsgemeinden und dem Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft deutlich.

Dieser zeigte sich in einer separaten Stellungnahme als fairer Verlierer. Er wünschte den 24 Mitarbeitern der VG für die Zukunft alles erdenklich Gute. Er selbst werde nach insgesamt 46 Berufsjahren nun wieder in das heimische Gudensberg (Hessen) zurückkehren. Am 27. April 2009 war Frank Kampf zum Chef der damaligen Verwaltungsgemeinschaft „Oberes Feldatal“ gewählt worden. Vor sechs Jahren übernahm er den Vorsitz der VG Dolmar-Salzbrücke, die 2012 aus zwei eigenständigen VGs entstanden war. Diese zu einem Ganzen zu formen, sieht Frank Kampf als Verdienst an. Künftig werde er sich der Familie widmen, erklärte der 61-jährige Zeitbeamte. „Meine Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter des Freistaates Thüringen beim Arbeitsgericht in Suhl beabsichtige ich ebenfalls noch bis zum Ende meiner aktuell laufenden Amtszeit bis Ende 2022 auszuführen“, gab er bekannt.

Frank Kampf wird die Geschäfte bis zum 2. Juni 2021 führen und diese dann an Nachfolgerin Manuela Kühhirt übergeben.

 

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