Verlorener Star-Wars-Roboter Zurück er wieder ist

Norbert Klüglein

Vor drei Wochen finden Coburger Verkehrspolizisten den Kopf von R2-D2 bei Rödental. Jetzt löst „Rebellen-Pilot“ ICE seinen Roboter wieder aus. Unsere Zeitung hat geholfen.

Coburg/Bamberg - ICE ist froh. Drei Wochen war sein Astromechdroide weg. Was das wohl für eine Arbeit gewesen sein mag, alles im X-Wing- Fighter alleine regeln zu müssen? Darüber schweigt ICE. Jetzt ist R2-D2 ja wieder da. Ein wenig mitgenommen sieht er aus. Aber die Elektronik scheint in Ordnung. ICE kann seinen treuen Gefährten in dieser Woche höchstpersönlich bei Hauptkommissar Steffen Fugmann von der Coburger Verkehrspolizeiinspektion in Empfang nehmen. Und unsere Zeitung hat auch dazu beigetragen, dass R2-D2 nicht in dem Fundbüro verstauben muss.

Dorthin hätten die Verkehrspolizisten nämlich den Kopf des kleinen Roboters gebracht, wenn sich niemand gemeldet hätte. Doch dank der Berichterstatt unserer Zeitung („Das Imperium lässt was zurück“) war ein in Sonneberg wohnender Freund von Ingo Schmale – so heißt ICE mit bürgerlichem Namen – darauf aufmerksam geworden, dass das seit dem 13. November vermisste Teil des Droiden auf der Umgehungsstraße von Rödental gefunden worden war.

Wie es dort hingekommen ist, ist schnell erzählt: „Wir haben an diesem Tag das Raumschiff von Bamberg nach Thüringen überführt. Durch die Erschütterungen während der Fahrt muss der Kopf von R2-D2 wohl locker geworden sein und ist vom Hänger gehüpft“, schlussfolgert Ingo Schmale. Denn bei einer kurzen Pause, die der 53-jährige Bamberger und seine Begleiter an diesem Tag in Sonneberg einlegen, war die Hirnschale des Roboters schon weg. „Wir haben alles abgesucht. Ich bin sogar den Weg bis nach Coburg zurückgefahren. Doch gefunden haben wir nichts“, berichtet der Star-Wars-Fan.

In der Zwischenzeit hatten wohl Steffen Fugmann und sein Kollege Sascha Heger das Teil bereits von der Fahrbahn geborgen und auf die Polizeiwache in Coburg gebracht. „Wir waren von Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam gemacht worden, dass es da ein Hindernis auf der Straße gäbe“, erinnert sich der Hauptkommissar.

Die halbrunde Kuppel, unter der ein Scheibenwischermotor werkelt, damit der knubbelige Roboter seinen Kopf drehen kann, ist Teil einer wesentlich größeren Konstruktion. Vor etwas mehr als einem Jahr ist es Ingo Schmale gelungen einen fast originalgroßen Nachbau des X-Fighters zu erwerben, die in den Star-Wars-Filmen von Luke Skywalker und anderen Kampfpiloten der Rebellen-Armee geflogen werden. Den X-Flügler entdeckte der Bamberger in der Oberpfalz. Das Raumschiff war von ein paar begabten Handwerkern für einen Faschingsumzug gebaut worden. „Der kann die Flügel bewegen, aus den Düsen Rauch ausstoßen und mittels Hydraulik sogar ein Stück in den Himmel steigen“, erzählt der 53-jährige Jedi-Jünger begeistert. Schmale musste den X-Fighter haben.

Allerdings: Es lebt sich ein wenig beengt, wenn von der Zimmerdecke ein intergalaktischer Kampfjet baumelt. Deshalb entschloss sich der Techniker das gute Stück nach Thüringen zu überführen, wo es auf einem Wochenendgrundstück mehr Platz gibt. „Offenbar hatten wir wohl übersehen, dass sich auf der Fahrt der Kopf von R2-D2 lösen könnte, der seinen Platz direkt hinter der Pilotenkanzel hat“, erzählt Schmale kleinlaut.

Glücklicherweise bargen die Coburger Verkehrspolizisten das Teil von der Fahrbahn, bevor es schwer beschädigt wurde oder gar einen Unfall provoziert hätte. Zur großen Freude seines Besitzers, „denn das hätte viel Arbeit gemacht, den Kopf mit der ganzen Technik darin nachzubauen“.

ICE, wie der Spitzname von Ingo Schmale als X-Fighter-Pilot in der Star-Wars-Szene lautet, bedankt sich deshalb ganz herzlich bei den Verkehrspolizisten, die das ungewöhnliche Fundstück gehütet haben: „Schön, dass es in einer angespannten Situation wie der gegenwärtigen bei der Polizei auch Raum für einen Spaß gibt.“

Damit die Rückführung von R2-D2 standesgemäß über die Bühne gehen kann, ist Ingo Schmale bei der Verkehrspolizeiinspektion in Uniform erschienen. Er trägt den orangefarbene Overall der Rebell-Piloten aus dem George-Lucas-Film sowie standesgemäße Bewaffnung: Lichtschwert und Laserblaster. Die hat er sicherheitshalber mal vor Betreten der Polizeiwache kurz abgelegt, um intergalaktische Verwicklungen zu vermeiden.

Sein Raumschiff konnte ICE für den Ritt nach Coburg leider nicht nutzen. Offenbar war es zu kompliziert, auf der Brandensteinsebene eine Landeerlaubnis für einen Kampfjet der Rebellen-Allianz zu bekommen.

Mit dem Vogel aus Sperrholz hat Ingo Schmale übrigens noch großes vor: „Ich baue das Cockpit so um, dass es die Kulisse für Videospiele mit VR-Brille wird.“ VR, diese Abkürzung steht für virtuelle Realität und bedeutet, dass ein Spieler ganz in das Geschehen, das auf einem Computer erzeugt wird, eintauchen kann, wenn er die Brille aufsetzt. Überhaupt, Videospiele sind die Leidenschaft von Ingo Schmale und der Grund, warum er so tief in die Welt von Meister Yoda, Prinzessin Leia und Darth Vader vorgedrungen ist. Bei ihm zu Hause laufen 30 Konsolen, die ihn hauptsächlich die Abenteuer aus dem Star-Wars-Universum erleben lassen, erzählt er schmunzelnd. Dazu kommen noch Spielautomaten, die der Bamberger aus den USA und Fernost mitgebracht hat. Schließlich bereichert eine Flotte an Fahrzeugen sein eigenes kleines Universum. „Ich liebe alles, was Räder hat und schraube leidenschaftlich daran rum“, bekennt Schmale. Auch wenn – wie unlängst – mal etwas schiefgeht. Was wohl Meister Yoda da raten würde? Vielleicht das: „Viel zu lernen du noch hast!“

 

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