Verkehr Mehr Nutzfahrzeuge zugelassen

Die zugelassenen Nutzfahrzeuge nach Gewichtsklassen. Foto: /zds

Onlinebestellungen fallen (noch) nicht vom Himmel und Supermärkte füllen sich nicht von alleine: Ohne Autos, in diesem Fall die Nutzfahrzeuge, würden vor allem die Stadtbevölkerung darben.

Sonneberg - Frisches Obst, Gemüse und natürlich sonstige Bio-Produkte müssen ja irgendwie vors Regal kommen. Auf dem Land wär’s aber auch nicht lustig und Handwerker mit dem Lastenrad sind auch noch die Ausnahme: Die Folge? Ein neuer Rekord: 3,41 Millionen schwere, vor allem aber leichte Nutzfahrzeuge hat das Kraftfahrt-Bundesamt bundesweit in seine Bestandsanalyse gezählt.

Im Kreis Sonneberg gehören 2852 Fahrzeuge aller Gewichtsklassen zu dieser Versorgungsflotte. Das sind 76 mehr als im Vorjahr. Das freut nicht alle: Wer weniger Autos in der Stadt will, muss die Logistikkette entsprechend umbauen. Vor allem in Städten würde ohne Lieferkette nicht nur die Versorgungslage bei Klopapier heikel. Denn Geschäfte können nur verkaufen, was sie selbst vorher geliefert bekommen haben.

„Logistik“ ist das Zauberwort, auf dem das Leben beruht: Dafür gibt’s eine wissenschaftliche Definition: Logistik ist demnach „... die Sicherung der Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden und zu den richtigen Kosten“. Diese Aufzählung stammt aus den 1960er Jahren, wird Edward Grosvenor Plowman zugeschrieben, der an der Universität Standford lehrte, und war nie wertvoller als heute. Denn nach den Erfahrungen aus Corona wissen wir: Es nutzt nichts, wenn irgendwo Klopapier produziert wird, Eier gelegt werden, oder Handys vom Band laufen. Jedes Produkt muss die obigen Schritte durchlaufen, damit die Leute was davon haben.

Dass die Langstreckenversorgung am Laster hängt, merken alle, die wochentags auf Autobahnen oder Bundesstraßen unterwegs sind: Von dieser Logistikflotte auf der Straße hatten zum Zeitpunkt der KBA-Analyse 160 Lkw über 12 Tonnen ihren Hafen im Kreis Sonneberg. Aber zahlenmäßig sind die schweren Lkw ein Klacks im Vergleich zu dem, was unter 12 Tonnen und speziell unter 3,5 Tonnen unterwegs beziehungsweise dort stationiert ist: Denn die schweren Lkw und Lastzüge machen gerade mal 5,6 Prozent des hiesigen Nutzfahrzeugbestandes aus.

Die 2692 Nutzfahrzeuge der kleinen Klassen bis 12 Tonnen, die das Rückgrat unserer Nahversorgung sind oder als Handwerkerfahrzeuge Mensch und Material zu Baustellen und Reparatureinsätzen karren, sind da eine ganz andere Nummer. Im Kreis Sonneberg machen in dieser Gruppe die 2407 Fahrzeuge von unter 2,8 bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht rund 84,4 Prozent des Nutzfahrzeugbestandes aus. Die Fahrzeugmodelle über 3,5 Tonnen und bis 12 Tonnen stellen mit 285 Fahrzeugen 10,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Fahrzeuge in der Klasse bis 3,5 Tonnen um 89 oder 3,8 Prozent.

Bei den Fahrzeugtypen zwischen 3,5 Tonnen und 12 Tonnen sank die Zahl um 2 oder 0,7 Prozent. Jetzt wäre natürlich interessant zu wissen, was die hiesigen Nutzfahrzeuge so an Kilometern abspulen, um die tägliche Versorgung zu sichern, und wie viele dank Strom nur noch schnurren, statt zu dieseln. Aber da muss das KBA passen. So weit reicht der Datenbestand noch nicht. Logisch: weil nennenswerter, zählbarer Fahrzeugbestand noch gar nicht da ist.

Eine andere Zahl zeigt allerdings, wie dünn der Ast ist, auf dem wir sitzen: Bundesweit sind es um die 33,5 Milliarden Tonnenkilometer, die allein im Nahbereich von bis zu 50 Kilometer anfallen. Und es lässt sich auch leicht errechnen, dass die Versorgung übermorgen zusammenbrechen würde, wenn wir morgen alle Nutzfahrzeuge stilllegen würden.

 

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