Verhaltenes Publikum Marktschreier in Suhl ungewohnt still

Kündigen sich Wurst-Achim, Käse-Maik und Co. an, zieht das Schnäppchenjäger an sowie all jene, die ihre wahre Freude an dem Spektakel haben, wenn schlagfertig flotte Sprüche die Runde machen. Eigentlich.

Suhl - „Hallo, helft doch dem Käse Fuzzi da drüben mal“, brüllt Milka- Maxxx auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl von rechts außen. „Ruhe da drüben“, pfeffert Käse-Maik zurück. Vor seinem Wagen hat sich eine kleine Traube Mutiger gebildet, die beobachtet, was Käse-Maik in die gelben Eimer packt. Während er Schnitt-, Streich-, Weiß-, Grill- und Frischkäse sowie Camembert darin verschwinden lässt, bekommt er aus dem lila Wagen zu hören, dass er auf den Friedhof gehen soll, wenn er Ruhe haben möchte. Unbeeindruckt packt er weiter und legt einer Kundin noch einen Brie oben drauf. „Weil du so erotische Ohrläppchen hast“, sagt er und zaubert der verdutzten Dame ein Lächeln ins Gesicht.

Während Milka- Maxxx gerade wieder Flaute hat, versucht Wurst-Achim auf seine Angebote aufmerksam zu machen. „Na Schnucki, hier gibts die Spanische, die Französische, die Italienische und die Langen noch dazu“, preist er seine „top Pakete“ an. Eher zögerlich reagieren Vorbeikommende. Wer gezielt auf den Wagen zusteuert, weiß, was er will.

Sowohl von den entschlossenen, als auch von den unentschlossenen Besuchern auf dem Platz sind am Samstagmittag, am letzten der vier Tage der Marktschreier in Suhl, nur wenige da. Dabei ist das bereits der Höhepunkt aller Tage bisher, erklärt Aal-Hinnerk. „Die Leute, die heute hier sind, das ist im Vergleich zu den Vortagen schon Wahnsinn. Es war unglaublich ruhig“, so der Marktschreier, der eigentlich Käse-Maik ist. Man unterstützt sich im Team und wechselt auch mal den Wagen, wenn es bei jemanden nicht ganz so läuft. Doch was die Männer von Mittwoch bis Samstag in Suhl erlebt haben, ist für sie sehr ungewöhnlich. Es läuft bei allen nicht so, wie sie es gewohnt sind. Und so ist es auch ungewöhnlich ruhig dort, wo sonst kesse Wort-Scharmützel ausgetragen werden.

Natürlich gibt es immer ruhigere Zeiten, so Aal-Hinnerk. „Aber die wenigen Leute, die wir hier erleben, wundern mich nicht“, sagt er. „Bei dem Corona-Hin und -Her in der Politik weiß niemand mehr, was machbar ist und was nicht. Und dann in jedem Bundesland anders. Verunsichert bleiben sie gleich weg“, ist seine Meinung. Die verbindet er mit der Hoffnung, dass der folgende Termin in Köthen stattfinden kann.

Die Laune kann den Meistern der Superlative so schnell nichts verderben, auch wenn sie die meiste Zeit in Suhl mit Warten verbracht haben. „Wir konnten nicht einmal richtig schreien. Es war ja kaum jemand da.“ Das Pech, dass Nudel-Anne nicht dabei sein konnte, weil ihr Fahrzeug einen Achsbruch hatte, sieht er in dieser Situation fast als Glück. Aal-Hinnerk dachte schon, dass sogar Aal übrig bleiben würde. Ein Novum. Doch auch unterhalb des Dombergs war das der gefragteste Fisch.

Steht er nicht auf dem Wagen, ist er Werner Kirst. Als junger Mann hat er einst auf einem Markt einen Bananenverkäufer erlebt. Genau das konnte er sich auch für sich vorstellen. Vor 22 Jahren war es soweit. Er musste sich beruflich verändern und hat einfach bei den Marktschreiern angefragt. Nach einem Probetag, den er allein geschmissen hat, wurde er Käse-Maik. „Entweder man liebt das oder man hasst es“, sagt Werner Kirst, „auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis ich mich an den rauen Ton gewöhnt habe. Längst sind wir im Team Freunde, sehen uns öfter als unsere Frauen.“

Und Suhl? Hier ist er trotz dieser nun sonderbaren Markttage immer wieder gern. Vor 20 Jahren erstmals. Damals bereits in der Pension Am Markt. „Einfach toll dort. Alle nett und freundlich und immer mit einem Lächeln. Da ist der ganze Tag doch schon gut.“

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