Die Welt habe in ihrer Regierungszeit klarer und übersichtlicher gewirkt, heißt es in der Union. Merkel habe als Kanzlerin den Eindruck vermittelt, die damaligen Krisen seien beherrschbar - was, wenn überhaupt, nur teilweise stimmte. Viele Jüngere, die mit Merkel als Kanzlerin groß geworden seien, sehnten sich offenbar nach dieser Sicherheit zurück. Und nach ihrem verbindenden, unpolemischen Politikstil.
"Empörungsverweigerung"
So blickt auch der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte auf Merkel. "In Zeiten unserer Aufregungsdemokratie tut es gut, diese Merkel'sche Empörungsverweigerung mitzuerleben", sagt der emeritierte Professor der Universität Duisburg-Essen. "Präsidiale Leutseligkeit - überparteilich, provozierend unpathetisch - ist ungewöhnlich für die Berliner Republik der Wichtigtuer." Merkel spreche, zumal nach ihrem Abschied aus dem Amt, keine technokratische Sprache. "Jeder versteht sie", meint Korte.
Aber würde man sich wirklich Merkel statt Merz als Kanzlerin zurückwünschen? Zumindest trauen ihr auch unter heutigen Bedingungen viele Menschen viel zu. In einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagen 48 Prozent der gut 2000 Befragten, Merkel wäre besser als Merz geeignet, die heutigen Probleme und Herausforderungen in Deutschland zu lösen. 29 Prozent finden, Merkel wäre genauso gut oder schlecht geeignet wie Merz. Nur acht Prozent sahen Merkel für schlechter geeignet als Merz.