Vereinsschätze Das gerettete Fahnentuch

Im Traditionszimmer von Gerhard Hildebrandt finden sich viele Zeitzeugen aus über 60 Jahren Tischtennis in Leimbach. Foto: Thomas Klemm/Thomas Klemm

Seit knapp 70 Jahren wird in Leimbach bei Bad Salzungen erfolgreich Tischtennis gespielt. Im Laufe der Zeit sammelten die Aktiven zahlreiche Trophäen und Erinnerungsstücke. Diese Vereinsschätze sind auf mehrere „Schauplätze“ verteilt.

Leimbach - Augenfällig für einen jeden, der die Leimbachhalle betritt, sind die beiden Vitrinen an der linken Seitenwand dieser Mehrzweckhalle. Hier werden zahlreiche Pokale, Medaillen und Urkunden zur Schau gestellt. Wer näher an die Vitrinen tritt, entdeckt aber auch solch interessante Dinge wie die Zelluloidbälle aus chinesischer Produktion, Tischtennisschläger, die in DDR-Zeiten gebräuchlich waren, und einen Trainingsanzug mit dem Emblem der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Aktivist Leimbach. Bis 1990 firmierten die Tischtennisspieler unter diesem, aus der Produktion entlehnten Namen. Nach dem deutschen Einheitsjahr bis zum heutigen Tag agieren die sportlichen Frauen und Männer unter dem Vereinsnamen TSV Leimbach. „Dabei heißt TSV nicht etwa Tischtennisverein, sondern tatsächlich Turn- und Sportverein“, erklärt der Vereinsvorsitzende Gerhard Hildebrandt schmunzelnd. Klar, denn zu den „Aktivisten“ gehörten (und gehören) auch die Fußballer und die Mitglieder der Gymnastikabteilung.

Eine der beiden Vitrinen hat übrigens der ehemalige BSG-Vorsitzende Wolfgang Hellmer gesponsert. Er führte den Verein von 1972 bis 1988. In seinem Besitz ist zudem ein ganz besonderer „Zeitzeuge“. Anlässlich des VII. Turn- und Sportfestes der DDR 1983 in Leipzig bekamen die teilnehmenden Vereine vom Verband DTSB jeweils eine Fahne überreicht. Da die BSG Aktivist Leimbach bei diesem Sportfest vertreten war, gelangte ein solches Fahnentuch auch in diese Thüringer Gemeinde. Allerdings durfte nicht eine ganze Abordnung der Leimbacher Sportler nach Leipzig reisen, sondern nur ein Fahnenträger. Diese Ehre wurde Heiko Best zuteil. Er trug das Banner bei der Eröffnungsfeier ins Leipziger Stadion.

Wolfgang Hellmer sicherte sich das Fahnentuch später, „sonst wäre es in den Wirren der Wendezeit wahrscheinlich verloren gegangen“. Gesammelt hat der ehemalige Vereinschef aber auch anderes. Zeitungsartikel, viele Fotos und Urkunden finden sich in einem dicken Ordner, den er über die Jahre akribisch mit Material „gefüttert“ hat. Ein Beispiel aus dem Jahr 1980 trägt die Überschrift „Elfriede Hoppe DDR-Meisterin“. In dem Artikel heißt es original: Bei den DDR-Seniorenmeisterschaften im Tischtennis konnte die kleine Suhler Delegation hervorragende Ergebnisse bringen. So erkämpfte in der Leistungsklasse II die langjährige DDR-Ligaspielerin und DDR-Vizemeisterin des Vorjahres Elfriede Hoppe (Aktivist Leimbach) den Meistertitel im Frauen-Einzel, was ihren bisher größten sportlichen Erfolg darstellt. Im Finale schlug sie Hofmann (Lok Plau), nachdem sie vorher ebenfalls bekannte Oberliga- und DDR-Ligaspielerinnen, wie Bruhn (Post Rostock), Becker (Turbine Dessau), u.a. ausgebootet hatte. Das ist nur eines von vielen Beispielen, in denen die Leistungen der Leimbacher Tischtennis-Aktiven gewürdigt worden waren.

Im Besitz von fünf dicken Aktenordnern mit den papiernen Zeugen sportlicher Höhepunkte ist die erfolgreiche Spielerin Gabi Sachse. Gemeinsam mit ihrer Schwester Barbara Wenig flogen die zwei TSV-Spielerinnen im Jahr 2010 zur Senioren-Weltmeisterschaft nach China. In einen von Gabi Sachses Sammelbänden wird ausführlich auf diese Reise Bezug genommen. Aber auch andere Höhepunkte, wie beispielsweise der dritte Platz von Gabi Sachse/Christel Schmidt im Doppel bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Bielefeld, werden gewürdigt. „Bei den Bezirkseinzelmeisterschaften 1982/83 gelang es den Damen (aus Leimbach) nicht, die Vorjahrestitel im Einzel und im gemischten Doppel zu verteidigen“, steht wiederum in der 2013 erschienenen Chronik zum 60-jährigen Bestehen des Tischtennissports in Leimbach geschrieben. „Aber im Damendoppel setzten sich Gabi Sachse und Barbara Wenig, die letztjährigen Titelträger, durch.“

Nochmal zurück zum Stichwort China. Gerhard Hildebrandt, der Vorsitzende des Vereins, der auch Spieler war und inzwischen Trainer und im Grunde genommen das „Mädchen für alles“ im TSV ist, hat ebenfalls jede Menge Hintergrundwissen über das Geschehen in seiner Gemeinde gespeichert und gelagert; insbesondere, was das Tischtennis anbetrifft. Er hat aber auch viele andere Dinge gesammelt. Und damit sind wir bei den „Chinesen aus Leimbach“. Beim Jubiläum „60 Jahre Karneval in Leimbach“ verkleideten sich die TSV-Aktiven als Chinesen und nahmen mit einem entsprechend drapierten Lkw am Festumzug teil. Gerhard Hildebrandt besitzt in seinem „Traditions- und Arbeitszimmer“ bis heute die Tafeln mit den am Lastwagen angebrachten Aufschriften und damit unter anderem auch die chinesischen Schriftzeichen für den Begriff TSV Leimbach. Ob man das als Vereinsschatz anerkennen kann, mag dahingestellt sein. Ein ulkiges Erinnerungsstück an eine lustige Zeit unter Sportsleuten ist es allemal.

Und wenn die alten Hasen des Tischtennissports zusammenkommen, um in ihren Vereinsschätzen zu kramen, den Aktenordnern und in der Chronik zu blättern, dann kann schnell eine abendfüllende Veranstaltung daraus werden, nach dem Motto: Weißt du noch…

 

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