Ilm-Kreis Weihnachtsmärkte – Absagen und Alternativen

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Bunte Stände und viel Andrang, wie hier bei der Waldbadweihnacht in Geschwenda, wird es in diesem Jahr wieder nicht geben. Foto: Berit Richter

Wer sich auf Weihnachten bei mit einem Bummel über einen regionalen Weihnachtsmarkt einstimmen will, wird es auch dieses Jahr schwer haben: Fast alle größeren Events im Ilm-Kreis sind bereits abgesagt worden.

Eigentlich sollte am kommenden ersten Adventswochenende der Gehrener Weihnachtsmarkt den Reigen der traditionellen Vorweihnachtsveranstaltungen eröffnen. Mehrere Vereine hatten vor Wochen bereits ihr Mitwirken an der Veranstaltung vor der Kulisse der Schlossruine bekundet. Selbst mit einer kleineren Variante hatte man vorsorglich kalkuliert ... Und nun kam doch alles anders, wie Andreas Utnehmer diese Woche informierte. „Eigentlich waren wir ja zu vielen pandemiebedingten Maßnahmen bereit, doch am Ende muss man sagen: Der Aufwand unter verschärften Bedingungen ist einfach nicht zu schultern“, so der amtierende Ortsteilbürgermeister. Bedenken, wie man unter aktuellen Vorgaben Absperrungen einrichtet, diese mit Sicherheitspersonal kontrolliert, die ein Auge auf den 2G-Status haben. Man wisse laut Utnehmer ja auch nie, wie Leute im Fall eines Falles reagieren. Hinzu kommt, dass auch die für den Abend engagierte Band von Corona betroffen ist und auch die Eltern der Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten den Auftritt des Nachwuchses nicht ohne Skepsis sahen.

Die Vereine seien ebenfalls nicht gerade froh über den Zustand, hätten aber die Einsicht geäußert, dass es wohl das Beste sei, dieses Jahr noch einmal auf einen Markt zu verzichten.

Nicht umsetzbar

Die Frauenwalder Weihnacht ist abgesagt. Sie sollte im Außenbereich der Kirche stattfinden. Die Ortsteilräte waren sich in ihrer jüngsten Sitzung einig, dass die 2G-Regelung nicht umsetzbar ist. Allein das Gelände mit Zäunen abzugrenzen, sei ein enormer Aufwand und keiner wolle sich an die Zugänge stellen, um den Status geimpft oder genesen zu kontrollieren.

Noch bis vergangene Woche Donnerstag war man in Stützerbach zuversichtlich, den Weihnachtsmarkt dort durchführen zu können. Mit der neuen Verordnung, nur unter 2G, hat man sich dann in Absprache mit verschiedenen Mitwirkenden darüber verständigt, ihn zu canceln. Wir wollten den Weihnachtsmarkt für alle anbieten, heißt es. Es sei kompliziert, in den kleinen Dörfern die Nachbarn kontrollieren zu müssen, ob sie geimpft oder genesen sind. Man könne nicht mit den Kindern basteln und auch die Blasmusiker hätten sich für eine Absage ausgesprochen. Man wolle hoffen, dass man den Weihnachtsmarkt im kommenden Jahr wieder für alle anbieten, vielleicht schon im Frühjahr einen Ostermarkt gestalten kann.

Verschiedene Konzepte

Der Weihnachtsmarkt in Langewiesen erfreute sich in der Vergangenheit regional und überregional großer Beliebtheit. Durch die Vielzahl an Händlern, handgefertigten Produkten und liebevoller Dekoration ist er für viele Besucher und Besucherinnen ein Highlight in der Weihnachtszeit, heißt es aus dem Ilmenauer Rathaus. Bereits im vergangenen Jahr konnte der Markt aufgrund der geltenden Pandemiebestimmungen nicht durchgeführt werden. In diesem Jahr wurden über mehrere Monate hinweg verschiedenste Konzepte erarbeitet, um die Durchführung des Marktes vielleicht doch möglich zu machen. Nachdem Ende Oktober eine Durchführung in gewohnter Größe mit über 100 Händlern nicht umsetzbar schien, gab es intensive Beratungen über eine Vereinsweihnacht auf dem Langewiesener Marktplatz. In Verbindung der strengen Auflagen zur Durchführung mit der weiterhin unsicheren Entwicklung sahen sich die Vereine nicht in der Lage, dieses Konzept mit der Stadtverwaltung Ilmenau gemeinsam umzusetzen. Aus diesem Grund kann mit großem Bedauern der Langewiesener Weihnachtsmarkt auch in diesem Jahr nicht stattfinden.

Weihnachtliche Stimmung in Langewiesen können aber vor allem die Kleinsten trotzdem erleben. Das beliebte Märchenland im Heinse-Hof wurde in den vergangenen Wochen von den Mitarbeiterinnen des Heinse-Hauses liebevoll hergerichtet und steht ab der kommenden Woche zum Anschauen und Staunen bereit.

In Arnstadt hat man sich für den vom 2. bis zum 5. Dezember geplanten Weihnachtsmarkt eine Alternativvariante einfallen lassen. Die Marktstände und ein Kinderkarussell sollen durch die gesamte Innenstadt verteilt werden. Um die Bachkirche herum wird ein Märchenwald aufgebaut, am Weihnachtsbaum auf dem Markt eine Krippe aufgestellt. In der Stadt werden zudem 130 Weihnachtsbäume aufgestellt.

Händler sagten ab

„Wir haben alles versucht und die Planungen immer wieder angepasst“, sagte Marktmeister Heiko Zitzmann. Zahlreiche Händler hätten zwischenzeitlich abgesagt, gleichzeitig seien die Kosten aufgrund der stetig steigenden Auflagen immer weiter gestiegen.

Der Kulturverein Ichtershausen wollte eigentlich seine 11. Klosterweihnacht von der Straße auf das Gelände der alten Nadelfabrik verlegen, um den Zugang besser kontrollieren zu können. Am Montag erfolgte nun die Absage. „Wir möchten Kultur für jedermann anbieten, was im Moment so nicht möglich ist“, sagte Heiko Zitzmann, der auch Vereinsvorsitzender ist. Zu unklar sei die Durchführung, zu hoch das finanzielle Risiko, als dass man an den Planungen festhalten wolle. Der Verein plane zum Weihnachtsmarkt-Termin am 11. Dezember, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr einen Verkaufsstand vor dem Nadelwerk aufzubauen und dort neben den Wilhelm-Hey-Weihnachtskugeln auch Selbstgebasteltes, Kuchen und Getränke zum Mitnehmen anzubieten.

An Corona gescheitert

In Großbreitenbach, wo der Weihnachtsmarkt 2021 ein zweites Jahr über den Ortschaftsrat mit Lampionumzug hoch zum Kulturhausplatz neu ausgerichtet werden sollte, wird er voraussichtlich ein zweites Mal ausfallen, nachdem die Neuansiedlung 2020 schon an Corona scheiterte. Ortschaftsbürgermeister Nico Röser sagte zwar am gestrigen Dienstag, „noch haben wir ihn nicht ganz aufgegeben“, doch zeichne sich ab, wohin die Reise bei Weihnachtsmärkten auch dieses Jahr gehe und stehen in Kürze wohl Vorgaben dazu an. „Wir halten uns natürlich an die Auflagen, die gemacht werden. Und Stadtchef Peter Grimm hat ja schon orientiert“, so Röser am Dienstagmittag. Es sei ohnehin schwierig, schon unter jetzigen Auflagen eine solche Veranstaltung ordnungsgemäß durchzuführen, denn völlig unklar sei, wer die Auflagen mit Impfung oder genesen überhaupt kontrollieren solle.

Frust ist riesig

Der Frust rundum sei natürlich riesig, denn die Politik „hat ein weiteres Jahr überhaupt nichts hinbekommen“, schimpft Großbreitenbachs Ortschaftsbürgermeister, der als Handwerksmeister selbst auch noch ganz große Probleme hat, denn ab heute müsse er auch konsequent im Unternehmen prüfen. Was es allein für ein bürokratischer Aufwand sei, die immer wieder angeordneten Änderungen zu übernehmen, macht er an übermittelten Auflagen deutlich. Da würden Sätze per Nummerierung gestrichen, neue hinzugefügt, das müsse alles selbst rückläufig zusammengesucht und abgeglichen werden: „Das hat uns nun die Handwerkerinnung erst einmal auf Handwerker-Deutsch übersetzt“, sagt der Dachdeckermeister, der das Lager voll Material und die Auftragsbücher gut gefüllt hat, aber inzwischen sehr viel Zeit für organisatorische Aufwände benötigt. „Ich kämpfe jetzt um mein wirtschaftliches Überleben“, sagte er am Dienstag.

In der Gemeinde Geratal hatten es sich die Vereine lange offengelassen, ob sie die Weihnachtsmärkte veranstalten oder nicht, wollten abwarten, wie sich die Coronalage entwickelt. Am Montagabend entschlossen sich nun auch die Geraberger Vereine, den Weihnachtsmarkt abzusagen, sagt Geratals Hauptamtsleiter Stefan Walther auf Nachfrage. Lars Pitan vom Waldbadverein Geschwenda teilte mit, dass man sich in Absprache mit den beteiligten Vereinen schweren Herzens entschlossen habe, die Waldweihnacht ebenfalls abzusagen. Man wolle die Spaltung in der Bevölkerung nicht noch weiter vorantreiben, indem man den Markt nur für einen Teil der Bürger zugänglich gemacht hätte, sagt er.

Als kleinen Ausgleich zu den ausfallenden Weihnachtsfeiern planen die „ Helden im Geratal“ gemeinsam mit der Gemeinde Geratal auch in diesem Jahr wieder eine kleine Überraschung für die Senioren, die Pflegeheime und Ärzte in der Gemeinde. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Im Namen des Vereins dankt Lars Pitan an dieser Stelle allen Unterstützern und Sponsoren, die die Helden im Geratal und den Waldbadverein das Jahr über aktiv unterstützt haben und wünscht vor allem Gesundheit und ein gutes neues Jahr, verbunden mit der Hoffnung, sich im neuen Jahr gesund und munter wiederzusehen und die Projekte für die Bürger und für die Gemeinde fortführen zu können.

Der Verein Dorfleben Angelroda hat seinen Weihnachtsmarkt ebenfalls schweren Herzens abgesagt. Stattdessen haben sich nach Auskunft von Vorstandsmitglied Nicole Richter einige Angelrodaer entschlossen, den Bürgern die Weihnachtszeit auf andere Art und Weise zu verschönern. Jeden Tag wird vom 1. Dezember an im Ort ein neues, weihnachtlich gestaltetes Adventsfenster beleuchtet, sodass bis Weihnachten 24 festlich geschmückte Fenster im Ort besucht werden können. Welches Fenster wann an der Reihe ist, darüber werden die Einwohner per Flyer im Briefkasten informiert, so Nicole Richter.

Ilmenau noch offen

Auch die Elgersburger Vereine haben sich schweren Herzens dazu entschlossen, den Weihnachtsmarkt auch in diesem Jahr wieder abzusagen. Wie Bürgermeister Mario Augner auf Anfrage sagte, habe die derzeitige Coronalage keine andere Möglichkeit zugelassen. Auch die Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde könne leider nicht stattfinden.

„Der Weihnachtsmarkt in der Stadt Ilmenau wurde bisher noch nicht abgesagt. Man wolle erst noch die nächste Zusammenkunft des Landtages am Mittwoch abwarten und dann darauf reagieren, welche Entscheidungen in Sachen Pandemieverordnungen gefällt werden“, sagte Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß am Dienstag.

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