Vandalismus nimmt Überhand Kritik an Zustand im Ilmenauer Parkhaus

Nicht nur die Nutzer des Ilmenauer Parkhauses beschweren sich über Vandalismus: Auch die Stadträte und das Ordnungsamt sehen Handlungsbedarf. Zuständig ist aber die Pächter-Firma aus Nürnberg.

Ilmenau - Wer derzeit das Parkhaus in der Mühlenstraße betritt, dem bietet sich ein unschöner Anblick. An den Wänden im Flur finden sich zahlreiche Bemalungen, die eher das Wort Geschmiere als Graffiti verdienen. Die Schmierereien nehmen zu, je höher man im Treppenhaus hinaufsteigt – der Fahrstuhl ist schon seit längerem außer Betrieb. Eine Überwachungskamera kann wohl keinen Aufschluss mehr darüber geben, was hier vor sich geht: Sie ist aus der Wandhalterung gerissen und baumelt nur noch an einem Kabel.

Der aktuelle Zustand des Ilmenauer Parkhauses sorgt offenbar bei vielen Nutzern für Verärgerung. Bekannt machte Stadträtin Madeleine Henfling (Bübü/Grüne) das Thema vor einer Woche in der Sitzung des Ilmenauer Hauptausschusses.

Henfling reagierte auf Beschwerden von Dauernutzern des Parkhauses, die offenbar per Mail an sie herangetragen wurden betreffs der Vermüllung des Gebäudes und der Lichtverhältnisse. So seien gerade auf der Ebene der Dauerparker viele Lampen kaputt, habe sie erfahren. Ihre Frage war, ob die Stadtverwaltung an den Betreiber des Parkhauses herantreten oder ihm zumindest die entsprechende Mail weiterleiten könne.

Der unwürdige Zustand des Parkhauses ist aber auch anderen Stadträten und Stadtangestellten bekannt. So berichtete Stadtrat Andreas Bühl (CDU) von „unappetitlichen Bildern“, die er aus dem Parkhaus erhalten habe. „Das Parkhaus sollte aber in einem Zustand sein, der eine weitere Nutzung zulässt“, meinte Bühl. Auch Ilmenaus Bürgermeisterin Beate Misch sagte, sie kenne die Mails der betroffenen Parkhausnutzer – „es waren schon teilweise böse Mails“.

Ebenso kennt man im zuständigen Ilmenauer Ordnungsamt die Mails: Ordnungsamtsleiter Ingolf-Werner Müller bestätigte, dass man sich bereits mit der Betreiberfirma (Parkraum-Management PRM) in Verbindung gesetzt habe. „Es kamen einige Beschwerden. Der Betreiber hat es schleifen lassen“, meinte Müller, „jetzt gibt es Probleme mit Graffitis und Sachbeschädigung“. Allerdings sei die defekte Beleuchtung bereits repariert und eine Reinigung des Gebäudes habe der Betreiber auch zugesagt. Allerdings sei das alles mit längeren Kommunikationswegen verbunden. Das Problem dabei sei, dass die Betreiberfirma nicht in Ilmenau, sonder in Nürnberg sitzt. Und das Problem dieses Betreibers wiederum sei es, dass er reagieren und sein Konzept neu überdenken müsse: „Sonst verliert er ja Kunden.“

Oberbürgermeister Daniel Schultheiß sieht den derzeitigen Zustand des Parkhauses mindestens ebenso kritisch. Auf nachfrage von Freies Wort sagte er in dieser Woche: „Wir schreiben den Betreiber nahezu im Wochentakt an. Das Parkhaus hat einen Zustand, den wir als Stadt nicht mittragen wollen, wenn der Vandalismus dort nicht aufhört und sich die Nutzer nicht sicher fühlen.“

Im Regelfall sollte PRM vor Ort einen Hausmeister und/oder einen Wachschutz anstellen – beides gäbe es für das Gebäude aber nicht. Schultheiß ergänzte, dass „die Stadt versucht, in dem Maße, wie wir es können, den Pächter auf die Zustände hinzuweisen“, denn im Ilmenauer Ordnungsamt würde man in der Beziehung keinen Spaß mehr verstehen. Bei PRM sei wohl ein Maßnahmenbedarf erkannt worden. Eine Diskussion über den Pachtvertrag mit dem Unternehmen stehe allerdings nicht zur Debatte, machte der Oberbürgermeister klar.

Das Parkhaus gehört der Stadt Ilmenau. Die Stadt hatte das Parkhaus bis vor fünf Jahren selbst betrieben. Allerdings war es jährliches Minusgeschäft in fünfstelliger Höhe: Nachdem im Jahr 2016 satte 77 000 Euro Verlust eingefahren wurden, entschied man sich im Stadtrat zu einer Verpachtung des Gebäudes. Seitdem wird es vom Unternehmen PRM aus Nürnberg betrieben.

 

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