Die Erleichterung unter Amazon-Konkurrenten war nach der Entscheidung des Kartellamts groß. "Die Entscheidung des Kartellamts begrüßen wir sehr, da viele Händler unter der Preiskontrolle durch Amazon gelitten haben", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Onlinehandel, Heidi Kneller-Gronen. "Händler konnten selbst ihre eigenen Eigenmarken-Produkte nicht mehr zu einem rentablen Preis verkaufen, wenn sich ihre Einkaufs- oder Logistikpreise geändert hatten und sie die Preise anpassen mussten." Es sei zudem nicht möglich gewesen, auf anderen Plattformen günstigere Preise anzugeben, weil dort etwa die Marktplatz-Gebühren niedriger waren.
Sandra May vom Händlerbund sagte, dass die Doppelrolle von Amazon als Verkäufer eigener Produkte und Anbieter des Marktplatzes grundsätzlich nicht problematisch sei, sie müsse aber fair ausgestaltet sein. "In der Praxis spiegeln uns einige Händler aber, dass sie sich nicht gleichbehandelt fühlen: Entscheidungen werden als intransparent empfunden, Prozesse wirken kaum angreifbar und die Plattform sitzt gefühlt am längeren Hebel."
Amazon biete Händlern eine enorme Reichweite und sei für viele einer der wichtigsten Wachstumstreiber. "Gleichzeitig stecken Händler in einem Dilemma: Man kommt kaum an Amazon vorbei, steht dort aber auch im direkten Wettbewerb mit der Plattform selbst", sagt die Juristin.