Unwetter im Ilm-Kreis Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller

Heftige Unwetter haben am Dienstagabend vor allem den südlichen Ilm-Kreis getroffen. Schwerpunkte waren Gehren und Gräfinau-Angstedt.

Ilmenau - Heftige Unwetter haben am Dienstagabend zu zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr vor allem im südlichen Ilm-Kreis geführt. So waren allein in Ilmenau und den Ortsteilen 13 der 16 Feuerwachen mit insgesamt etwa 150 Rettungskräften im Dauereinsatz. „Los ging es 17.34 Uhr. Die Leitstelle informierte uns über ausgetretenes Wasser in der Brandstraße in Gehren“, sagt Stadtbrandmeister Andreas Meißler am Mittwoch. Danach folgte eine einsatzreiche Nacht für die Feuerwehren.

Kurz nach der Alarmierung in Gehren gab es schon den nächsten Einsatz. Eine Gartenlaube in Bücheloh im Bereich der Feldscheune brannte lichterloh. „Nach Aussage der Anwohner hatte der Blitz eingeschlagen. Die Rauchwolke war schon am Ortseingang zu sehen“, so Meißler. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Lange Nacht

Ab 19 Uhr wurde dann deutlich, dass es für die Rettungskräfte eine lange Nacht werden könnte. „Die Leitstelle hatte uns über eine Schlechtwetterfront informiert“, so Meißler. Und die fiel tatsächlich heftig aus. In zahlreichen Orten wurden Straßen überflutet und Keller liefen voll. Schwerpunkte waren Gehren und Möhrenbach – allein hier waren die Einsatzkräfte bis etwa 1.30 Uhr vor Ort –, außerdem Gräfinau-Angstedt. Aber auch Jesu-born, Pennewitz, Bücheloh und Heyda waren unter anderem betroffen. In Jesuborn lief ein Keller derart mit Wasser voll, dass ein Verteilerkasten geflutet wurde. Der Netzbetreiber musste für einen kompletten Häuserblock den Strom abstellen. In Heyda lief das Wasser wie ein breiter Strom durch den Ort, wie auf einem Video zu sehen ist.

Oberbürgermeister Daniel Schultheiß machte sich noch am Dienstagabend ein Bild von der Lage vor Ort. Am Mittwoch dankte er den ehrenamtlichen Rettungskräften für ihren Einsatz. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte er. Auch Landrätin Petra Enders sprach ihren Dank aus. „Danken möchte ich den vielen Einsatzkräften, die in der vergangenen Nacht bis in die frühen Morgenstunden unterwegs waren, um die Schäden, die mit den Unwetterbilden einhergingen, zu beseitigen und Schlimmeres zu verhindern“, so Enders.

Viel Eigeninitiative

Lobend erwähnt der Stadtbrandmeister die Bereitschaft der Bürger und Firmen zu helfen. „In Gräfinau war alles sehr gut organisiert. Als wir kamen, waren die Menschen im Bauhof schon dabei, Sandsäcke zu befüllen“, schilderte der stellvertretende Stadtbrandmeister Tobias Seeber. In Gehren wurden die Rettungskräfte auch am späten Abend gegen 22 Uhr noch durch eine Firma mit Sand versorgt. „Das war sehr positiv“, so Andreas Meißler.

Auch der Bauhof in Ilmenau wurde am Dienstagabend noch einmal in Bereitschaft versetzt. Dort wurden insgesamt rund 350 Sandsäcke befüllt.

Drei Jahre nach der Gebietsreform war dieser Dienstagabend der erste Härtetest für die neue Struktur der Ilmenauer Feuerwehr. „Es hat alles richtig gut geklappt“, lobt Andreas Meißler. Doch die Arbeit war auch am Mittwoch noch nicht getan. „Direkt nach Feierabend kommen die Kameraden wieder in die Wachen, bereiten den Einsatz nach und sorgen dafür, dass Fahrzeuge und Technik wieder einsatzfähig sind“, so Meißler.

Doch nicht nur Ilmenau und die Ortsteile waren am Dienstagabend von den Unwettern betroffen. Auch die Wehren in Stadtilm, Martinroda, Angelroda, Elgersburg, Neusiß und Plaue waren im Einsatz.

In Stadtilm wurde unter anderem ein Baum durch Blitzeinschlag gespalten. In Martinroda sah es zunächst nicht so aus, als würde es den Ort stark treffen, sagt Wehrführer Andreas Fliedner auf Nachfrage. Die Wehren aus Martinroda, Elgersburg, Angelroda und Neusiß waren gegen 20.30 Uhr alarmiert worden wegen Hochwassers in der Marienstraße. Hier waren die Kanaleinläufe verstopft und mussten gereinigt werden, so dass das Wasser wieder ungehindert abfließen konnte, so Fliedner. Bei einer ersten Kontrolle des aus Richtung Heyda kommenden Baches Tittawind am Kirchberg sei dieser zunächst zwar angeschwollen, aber noch nicht kritisch gewesen. Auch die Rohre, in denen die Bäche in Martinroda unterirdisch fließen, schafften das Wasser zunächst noch. Lediglich am Abzweig zum Bahnhof mussten die Einsatzkräfte Wasser auf der Straße beseitigen. „In dieser Zeit trat die Tittawind aber über die Ufer, das Wasser schoss den unteren Kirchberg und die Hauptstraße hinunter weiter in Richtung Plaue“, sagt Fliedner. Nachdem die Scheitelwelle durch gewesen sei, reinigten die Feuerwehrleute Straßen und Gullys und pumpten einen Keller am Kirchberg leer. Der Martinrodaer Ortsteil Angelroda blieb vom Hochwasser verschont. Möglicherweise hat das oberhalb gelegene Rückhaltebecken dazu beigetragen.

In Plaue floss das Wasser von Kleinbreitenbach kommend in die Stadt. Wie Bürgermeister Jörg Thamm und Plaues Wehrführer Michael Beck auf Nachfrage sagten, seien einige Keller vollgelaufen und die Vorfluter verstopft gewesen, so dass das Wasser nicht ungehindert abfließen konnte. Die Feuerwehrleute reinigten die Einläufe, die sich laut Jörg Thamm auch mit achtlos weggeworfenem Müll zugesetzt hatten. Außerdem mussten Keller leergepumpt werden und Sandsäcke wurden vorsorglich an neuralgischen Stellen verteilt. 17 Feuerwehrleute waren in der Zeit von 20.50 Uhr bis etwa kurz vor Mitternacht im Einsatz, so Michael Beck.

Wie die Pressesprecherin der Gerataler Feuerwehr, Janet Grünke, auf Nachfrage sagte, habe der Starkregen in Gräfenroda die Waldstraße, die Bahnhofstraße und die Straße des Friedens unter Wasser gesetzt, weil sich auch hier die Kanaleinläufe mit Unrat, den das Wasser mitgeschleppt hatte, zusetzten. Die Einsatzkräfte säuberten die Kanaleinläufe, wodurch das Wasser abfließen konnte. Vollgelaufene Keller wurden im Geratal nicht gemeldet.

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