Zum Museumstag in Beschußanstalt Der Vergangenheit ein Stückchen näher

Wenn Lothar Schreier durch das Museum in der Beschußanstalt in Zella-Mehlis führt, dann wird es eines garantiert nicht: langweilig. Davon konnten sich auch wieder die Gäste überzeugen, die mit ihm hinter die Kulissen geschaut haben.

„Die meisten Gäste, die unser Museum besuchen meinen, dass das, was sie sehen, das Museum ist. Doch das ist es lange nicht“, sagt der Leiter der Zella-Mehliser Museen in der Beschußanstalt, des Museums Gesenkschmiede und des Heimatmuseums in Benshausen. Alle drei Einrichtungen haben am Sonntag zum Internationalen Museumstag mit ganz besonderen Angeboten und kostenfreiem Eintritt zu ungewöhnlichen Einblicken und Aktionen geladen.

Die erste Gruppe, die Lothar Schreier treppab und wieder treppauf durch das ganze Haus folgt, landet erst einmal im Keller. Hier berichtet er davon, dass um die 50 000 Stücke zum Sammlungsgut des Museums in der Beschußanstalt gehören, wobei 30 000 davon zum Großteil systematisiert sind. Alles Sachzeugnisse, die aufbewahrt werden. „Denn was nutzen allein Dokumente aus der Vergangenheit, die in Archiven lagern, ohne die Sammlungen dazu?“, stellt er in den Raum. Gerade einmal 4000 Sammlungsstücke werden gezeigt. Der größte Teil des Bestandes, den oftmals Zella-Mehliser bringen oder der angekauft wird, ist in verschiedenen Magazinen im Haus bis unter dem Dach untergebracht. Nach Möglichkeit alle nach den jeweiligen Bedürfnissen hinsichtlich Luftfeuchte und Temperatur oder auch Lichteinfall. Separat gelagert werden Textilien, landwirtschaftliche Gegenstände, Möbel, Kleineisenwaren, Glas, Keramik, Handwerkliches oder auch große, eher unempfindliche Ausstellungsstücke wie Maschinen. Und die stehen im Keller. Ebenso eine Sammlung alter Öfen. „Diese haben nur den Nachteil, dass wir die Hersteller nicht kennen und die Feinstaubspezifikation nicht mehr ausfindig machen können“, reagiert er auf eine der Besucherinnen, die diese Abteilung als eventuell wieder wichtig werdend bezeichnete.

Von da aus folgen ihm alle in einen Kellerraum, der fast so wie der noch vieler Großeltern aussehen könnte. Nur dass die Weinflaschen in echten Kellern keinen EVP-Preis mehr tragen und wohl kaum noch jemand Rauchverzehrer in gleich vielfacher Anzahl im Regal unter Blumenkohlgläsern aus den 80-er Jahren stehen hat, unweit von mundgeblasenen Waldglas-Weinflaschen, die aus dem 17., 18. Jahrhundert stammen. „Macht es Sinn, all das aufzuheben?“, fragt ein Besucher. „Natürlich. Man weiß ja nie, was einmal draus wird.“ Die alte Weinflasche stammt aus dem einstigen Weinhändler-Ort Benshausen. Auch sie hat die Form eines Bocksbeutels, der überall als Fränkischer Bocksbeutel bekannt ist. Was es mit der Redewendung „Alles in Butter“ auf sich hat, erklärte er gleich mit. Denn diese Flaschen mit den abgeflachten Bäuchen wurden einst in Fett verpackt, sicher transportiert. Statt Butter hat man hier in der Region Unschlicht benutzt, woraus wiederum „Ünschlicht-Lämple“ hergestellt wurden. Ob bei Führungen, Museumsrallye oder zum Flohmarkt, die Gäste des Hauses zeigten sich begeistert.

Ebenso im Heimatmuseum Benshausen, wo Erika und Eberhard Mann sich auf Besucher freuten. Birgit Pfestorf war die erste, die sich umschaute. „Ich gehe gern in Museen. Und ich mag alte Gebäude. Dieser Vierseit-Hof ist wunderschön“, sagt die Zella-Mehliserin, die den alten Ofen in der guten Stube aus dem „vürichten Jahrhonnert“ bestaunt. „Das war noch Handwerkskunst“, sagt sie und verschwindet in die Küche. Auch hier entdeckt sie Gegenstände, die ihr nicht fremd sind. Den Herd etwa, den man anheizen musste, mit dem man immer heißes Wasser parat hatte. „An der Stange vorn trockneten Handtücher und manchmal baumelte auch ein Hase.“

Gern berichtete Eberhard Mann von der Umgestaltung der oberen Etage, wo das Kunstradfahren mehr in den Vordergrund gerückt worden oder die Büchsenmacherwerkstatt aus dem Keller umgezogen ist.

In der Gesenkschmiede qualmt nicht nur das Schmiedefeuer. Auch unter der Gulaschkanone lodern Flammen, damit sich die Gäste nach ihrem Rundgang stärken können. Zu ihnen zählen Erik und Hector, die mit Mama Janine Gatter und Oma Gabi Denecke auf Museumsrallye unterwegs sind. „Dieses Museum kennt Hector noch nicht, der sich sehr für das Schmieden interessiert“ und gerade versucht, auf die Fragen die richtigen Antworten zu finden.

Rund 20 Jahre muss es her sein, seit Reinhard Schmidt zum letzten Mal der Gesenkschmiede einen Besuch abgestattet hat. Extra aus Erfurt ist er angereist, um sich zum Museumstag umzuschauen. „Diese Technik ist so interessant und im Computerzeitalter gar nicht mehr zu erleben. Das war alles noch echte Handarbeit. Es ist gut, wenn man all das noch der Jugend erklären kann“, bewundert er das Engagement um das Museum, für das sich der Förderverein Gesenkschmiede Zella-Mehlis stark macht. Zum Beispiel auch mit der Betreuung des Museumstages. Das geht auch dem Museum in der Beschußanstalt so, das unterstützt wird vom Geschichts- und Museumsverein Zella-Mehlis.

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