Unsere Vereinsschätze Mit den Männern fängt alles an

Ortwin Schmeling ist nicht nur der Vereinsvorsitzende des FSV Silvester Bad Salzungen, sondern auch der Mann fürs Archiv. Foto: Heiko Matz/matzfoto@t-online.de

Frauen lösen Männer ab

Bad Salzungen - Als sich im Sommer 1991 ein paar Jungs auf dem Bad Salzunger „Haad“ zusammenfanden, die einfach nur so etwas Fußball spielen wollten, ahnte wohl noch niemand, dass aus diesem Treffen später der Verein mit den erfolgreichsten Fußballerinnen der „Neuzeit“ hervorgehen würde.

„Nein, gewiss nicht. Die Jugendlichen und auch ein paar gestandene Männer wollten nur Spaß haben, ohne unter dem regelmäßigen Punktspielzwang zu stehen. Da haben die Mädchen und Frauen in der Gruppe noch keine Rolle gespielt“, erklärt Ortwin Schmeling, einer der Gründungsmitglieder des FSV Silvester Bad Salzungen und der amtierende Vorsitzende. Es dauerte nicht lange, und die Hobbyfußballer entschlossen sich, einen eigenen Verein zu gründen. Flugs erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister und am 29. März 1992 unterzeichnete Ortwin Schmeling das Gründungsprotokoll. Ein weißes Papier, das noch immer so blütenrein ausschaut wie am Gründungstag.

„Wir stellten damals die einzige Freizeitmannschaft ohne aktive Spieler“, berichtet Ortwin Schmeling mit Stolz. Kurz nach der Gründungsurkunde befindet sich im gut gefüllten FSV-Ordner die erste Urkunde, die vom Gewinn eines Freizeitturnieres zeugt. Die FSV-Männer zeigten eindrucksvoll, dass ihnen das Spiel mit dem runden Leder viel Spaß bereitete. Aber es war nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch das gute Zusammengehörigkeitsgefühl, was den FSV auszeichnete. Bester Beweis dafür ist unter anderem die Tatsache, dass noch einige Männer aus der Mannschaft der ersten Stunde dem Verein angehören. Kein Wunder, schließlich wird beim FSV nicht nur Fußball gespielt, sondern die Mitglieder treffen sich – die Coronazeit natürlich ausgenommen – unter anderem regelmäßig zu Skat- oder Doppelkopfturnieren. Hoch im Kurs stehen die Straßenfeste und die Mitgestaltung des Stadtfestes bei den FSVlern. „Die Wohngebietsfeste, die wir organisierten und bei denen sich unsere Gymnastikgruppe immer gut einband, machten uns so richtig populär.“

Zu „seinen Vereinsschätzen“ zählt Ortwin Schmeling die beiden Urkunden, die die FSV-Freizeitfußballer bei der Thüringer Bestenermittlung der Freizeitmannschaften erreichten. Sowohl 1995 als auch 1996 gewannen die Silvester-Spieler den Kreis- und Bezirksmeistertitel. Damit qualifizierten sie sich für die Teilnahme an der Landesmeisterschaft. 1995 gewannen sie im Finale in Erfurt und ein Jahr später nutzten sie ihren Heimvorteil im damaligen „Burgseestadion“, heute Werra-Energie-Stadion.

Über den Gewinn dieser beiden Meistertitel zeigt sich der FSV natürlich stolz und noch heute denken sie mit leuchtenden Augen an jene Erfolgsmomente zurück. „Das sind und bleiben unsere Vereinsschätze“, versichert Ortwin Schmeling, dessen Stimme bei diesen Worten vernehmen lässt, dass es sich um etwas Besonderes handelt.

Allerdings stand zu dieser Zeit mit Michael Weber ein Fußball-Spezialist für den FSV im Tor. Er fungierte als Spielertrainer, zuvor betreuten Ortwin Schmeling und Günter Kunath die Silvester-Freizeit-Kicker. „Mit diesen Erfolgen und vielen gelungenen Auftritten bei internationalen Turnieren in Belgien, Frankreich, Tschechien oder den Niederlanden wurde das Vereinsimage freilich noch einmal so richtig gesteigert und wir erlebten einen enormen Zulauf.“ Nun aber nicht mehr nur Jungen und Männer, sondern auch der fußballbegeisterten Mädchen.

„Es gab viele gute Werbeträger für unseren Verein. Ich erinnere an die tollen Erfolge von Stephanie Wiesmair bei deutschen und internationalen Erfolgen bei Langstrecken-Läufen. Aber auch bei den Wahlen zur „Mannschaft des Jahres“ von unserer Heimatzeitung und dem Kreissportbund wurde unser Verein immer bestens präsentiert“, freut sich Ortwin Schmeling, dessen Herz für seinen Verein brennt.

„Der Frauenfußball erlebte in dieser Zeit in unserer Region seine Blüte. Es gab so viele Mannschaften, dass es neben der Kreisliga auch eine Kreisklasse gab“, erinnert sich der Vereins-Vorsitzende. Eine Frauen- und eine Nachwuchsmannschaft schickten die FSVler 1995 in den Punktspielbetrieb. In ihren Anfängen durchliefen die Fußballerinnen einige Wellentäler. Mit der Zeit liefen sie den Männern den Rang im Verein ab. Weil mittlerweile um Bad Salzungen herum viele Freizeitmannschaften gegründet wurden, zog es den einen oder anderen FSV-Akteur zu seinem Heimatverein.

Auch wenn sie vielleicht nicht mehr so erfolgreich sind, fühlen sich die Silvester Fußballer noch immer wohl in ihrem Verein und stellen sich dem freundschaftlichen Vergleich bei Freizeitturnieren.

Nachdem der FSV Silvester immer mehr von seiner guten Nachwuchsarbeit bei den Mädchen profitierte, etablierte sich die Mannschaft in der Kreisliga und feierte den Aufsteig in die Landesklasse. Dem folgte 2003 sogar der Aufstieg in Thüringens höchste Spielklasse. Fortan verbinden die meisten Fußball-Anhänger den FSV Silvester mit erfolgreichem Frauenfußball. Edgar Hugk, Christopher Unkart sowie Sandra Günther und Tochter Anne sorgen mit ihrer guten Nachwuchsarbeit dafür, dass den Kurstädterinnen der altersbedingte Umbruch in der Mannschaft gelingt. Und vielleicht spielen die FSV-Mädels ja bald in Thüringens höchster Spielklasse.

 

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