Unglück durch Unwetter Pferdehof unter Schock

Vier schwer verletzte Pferde sind die Bilanz eines Unglücks auf einem Pferdehof in Trusetal.

Trusetal/Elmenthal - Der Betreiber des Hofs Elmenthal kann es noch immer nicht fassen. Andreas Bebensee-Klockmann steht unter Schock. Denn was dort am vergangenen Mittwoch passierte, hat Spuren hinterlassen: psychische und physische – bei Mensch und Tier.

Der Anblick der riesigen Nähte, die an Kopf, Hals und Rücken der Pferde zu sehen sind, lassen nur vermuten, wie schlimm die Situation sich am Unglückstag dargestellt haben muss. Ein Unwetter war gegen Mittag aus Richtung Bairoda nach Trusetal gezogen. Genau auf einer Koppel des Hofs Elmenthal erwischte eine Windhose zwei Unterstände.

„Entweder haben die Pferde wegen des Sturms im Unterstand oder direkt daneben gestanden“, vermutet Isabell Heidenreich. Die Trusetalerin, der Öffentlichkeit wegen ihres Berufs als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Schmalkalden-Meiningen bekannt, lässt selbst seit einigen Jahren ihr Pferd als so genannte Einstellerin auf dem Hof betreuen – so wie etwa 25 weitere Pferdebesitzer.

Ein Förster, ebenfalls Einsteller, hatte das Unheil beobachtet. Die Windhose ließ die Unterstände der Koppel, auf der zu dem Zeitpunkt neun Pferde standen, zusammenbrechen. Ein Pferd brach vor Schmerz und Schock aus der Koppel aus und rannte ins Dorf. Es sei etwa drei Kilometer über den Hofberg bis zum Kreuzweg gelaufen. Einwohner riefen Andreas Bebensee-Klockmann, der zu dem Zeitpunkt alleine auf dem Hof war, an und sagten, es renne „ein Pferd mit roter Decke“ durch den Ort. „Die rote Decke war das viele Blut“, berichtet Isabell Heidenreich. Auch die Polizei wurde verständigt.

Und auch Isabell Heidenreich wurde benachrichtigt, weil „Lucky“ in der Nähe ihres Wohnhauses stehengeblieben war: „Ich habe dann eine Bekannte angerufen, damit sie bei mir Strick und Halfter holt.“ Ein Bürger habe dann sofort seinen Hänger angeboten, damit der Hofbesitzer „Lucky“ in die Tierklinik nach Bad Langensalza bringen konnte. Dort wurde er operiert. In den Körper des Pferdes hatten sich Holz- und Metallteile des Unterstandes gebohrt. Auch ein zweites Pferd, „Karino“, musste in der Tierklinik versorgt werden. Wann die beiden wieder nach Hause kommen, sei ungewiss. Es werde aber noch Monate dauern.

Auf dem Hof wurden „Acardo“ und „Willow“ von der Koppel in den Stall gebracht und dort von zwei Tierärztinnen der Praxis Dr. Oetzel aus Fambach behandelt. Bei „Acardo“ war der Halsmuskel „komplett durchtrennt“, eine lange Naht zeugt davon. Das Foto von den Wunden an Hals, Rücken und Schulter kann sich die Pferdefreundin selbst eine Woche danach nur schwer anschauen.

Auch „Willow“ wurde stark gebeutelt. Das Pferd wird vom Hofbesitzer auch zur Therapie eingesetzt. „Willow“ hatte schlimme Kopfverletzungen. In einem Auge steckte ein Holzsplitter, die Ohren waren eingerissen. „Es wird vermutet, dass er ein Schädeltrauma erlitten hat“, berichtet Isabell Heidenreich und schaut auf „Willow“, der sehr unruhig in seiner Box hin und her läuft, besonders als das zweite Therapiepferd „Luzifer“ nach draußen geführt wird. „Willow“ schlägt seinen Kopf an einem Balken an und wiehert laut, reagiert panisch, erschrickt bei lauten Geräuschen oder einem Knall.

„Er kann in diesem Zustand nicht mehr als Therapiepferd eingesetzt werden“, sagt Heidenreich. Jahrelange Aufbauarbeit ist damit zunichte. „Willow“ muss erst einmal physisch hergestellt, emotional wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Auch „Luzifer“ erlitt einen Muskelfaserriss und einen Sehnenschaden an der Hinterhand. Seine Wunden wurden getackert.

Während „Lucky“, „Acardo“ und „Karino“ Pferde von Einstellern sind und ihre Behandlung somit über die Versicherung gedeckt sein müsste, sieht es bei den Therapiepferden „Willow“ und „Luzifer“ anders aus. Der „Hof Elmenthal“ sei für deren wohl langwierige Behandlung auf Spenden angewiesen, weil vieles nicht von der Versicherung übernommen werde. Andreas Bebensee-Klockmann bietet mit den Pferden normalerweise tiergestützte Intervention (TGI) an, hat eine Ausbildung für diese besondere Form sozial-pädagogischer Arbeit. Es kommen Eltern mit ihren Sprösslingen, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Kinderheim Wernshausen nach Elmenthal, um mit den Pferden zu arbeiten. Auch Gruppen mit Kindern ab sieben Jahre können sich anmelden. Zudem hat der Verein „Aktives Lernen und Leben“ seinen Sitz hier, bei dem es um Lernen von, mit und in der Natur geht. Er bietet Seminare zur Umweltlehre, Bauernhofpädagogik und tiergestützten pädagogischen Arbeit an.

„Dadurch dass sich die Pferde so schlimm verletzt haben, sind viele dieser Aktivitäten und die Therapie nicht mehr möglich“, fasst Isabell Heidenreich zusammen. Was wiederum finanzielle Ausfälle für den Hof bedeutet. „Die Tiere brauchen jetzt selbst eine Therapie.“ Sie hat am Freitag das Spendenkonto „Schwerverletzte Pferde Trusetal“ bei der VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden eingerichtet. Wer helfen möchte, kann Geld spenden auf das Konto mit der IBAN: DE10 8409 4754 0004 5163 89.

Autor

 

Bilder