Unfallgefahr Öfter ziemlich wilde Begegnungen

Nicht nur die Umstellung auf Sommer- und Winterzeit sorgt für häufige Wildunfälle – auch die gerade spürbar kürzer werdenden Tage lassen die Gefahr steigen, warnt die Polizei.

Vorsicht, da könnten noch mehrere Rehe kommen. Wildunfälle gibt es nicht nur zur Brunftzeit. Foto: dpa/Arne Dedert

Nach mehreren Wildunfällen in den vergangenen Tagen hat die Polizei die Autofahrer in Thüringen zur Vorsicht aufgerufen. So habe es allein am Samstagabend im Raum Sömmerda drei Unfälle gegeben, an denen Wildtiere beteiligt waren. Im Landkreis Hildburghausen waren kürzlich 15 Wildunfälle innerhalb einer Woche registriert worden.

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Als Grund für solch eine Häufung nennt die Polizei die Jahreszeit: Der morgendliche Berufsverkehr falle jetzt wieder mehr mit der Dämmerung zusammen – der Zeit, in der die Wildtiere auf Nahrungssuche ebenfalls unterwegs sind. Ohnehin gelten das Frühjahr und der Herbst als die gefährlichsten Jahreszeiten für Wildunfälle. Besondere Häufungen gibt es dann bei der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt. – das findet jeweils am letzten März- beziehungsweise Oktober-Wochenende statt.

„Nehmen Sie Wild am Fahrbahnrand oder im Lichtkegel wahr, bremsen Sie ab und schalten das Fernlicht aus“, lautet der Rat der Polizei für Fahrten bei Dämmerung und Dunkelheit. Zudem solle bedacht werden, dass es Nachzügler gibt, weil meist mehrere Tiere aufeinander folgten, wenn diese die Straße überqueren. Tauchen Tiere am Straßenrand auf, solle versucht werden, sie mit Hupen zu vertreiben. Die Scheinwerfer aufzublenden sei keine gute Idee, da die Tiere durch das grelle Licht geblendet werden und die Orientierung verlieren.

Generell seien ohnehin eine vorausschauende Fahrweise und ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein ratsam, hieß es von der Polizei. Sie beruft sich dabei auf Berechnungen des Deutschen Jagdverbandes: Ein etwa 20 Kilogramm schweres Reh wirke bei einer Geschwindigkeit von knapp 100 Kilometern pro Stunde wie ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne. Wichtig sei es deshalb insbesondere in den Abend- und frühen Morgenstunden an Wald- und Feldübergängen auf Wild zu achten. Nicht immer seien Gefahrenstellen mit Schildern „Achtung, Wildwechsel“ gekennzeichnet.

Ebenso sollten Autofahrer auf hektische Ausweichmanöver verzichten, empfiehlt die Polizei. Wenn ein Zusammenstoß unvermeidlich ist, bleibe nur, das Lenkrad gut festzuhalten und möglichst kräftig zu bremsen. Bei Ausweichmanövern bestehe die Gefahr, in den Gegenverkehr zu geraten oder mit Bäumen oder anderen Gegenständen am Straßenrand zu kollidieren.

Wenn es doch zum Unfall mit einem Wildtier gekommen ist
Kommt es zu einem Zusammenstoß mit Wild, ist die Unfallstelle abzusichern und die Polizei oder der Jagdpächter zu informieren. Warnblinker anschalten und mit angezogener Warnweste das Warndreieck aufstellen. Dann die Polizei anrufen – auch wenn es keine verletzten Menschen gibt. Sie kann den Wildschaden aufnehmen, was für eine etwaig vorhandene Teil- oder Vollkaskoversicherung wichtig ist. Je nach Police sind Schäden mit Haarwild wie Rehen, Hirschen, Füchsen, Wildschweinen oder Hasen oder auch mit allen Tieren abgedeckt. „Für die Schadensregulierung mit der Versicherung ist eine Wildunfallbescheinigung notwendig. Diese wird von der Polizei oder dem Jagdpächter bereits am Unfallort ausgestellt und muss der Versicherung vorgelegt werden“, so Wolfgang Herda vom ADAC. Übrigens: Verletzte oder tote Tiere dürfen nicht mitgenommen werden. Wer so handelt, riskiert eine Anzeige wegen Wilderei.