Ulrich-Burkhardt-Preis „Ich singe, um Menschen zu bewegen“

Sigrid Nordmeyer
Nach der erfolgreichen Premiere der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ mit dem Ulrich-Burkhardt-Preis überrascht: Sara-Maria Saalmann auf der umjubelten Bühne des Staatstheaters Meiningen mit Blumenstrauß und Scheck über 1500 Euro. Überreicht hatten ihn Joanna Izdebski als Vorsitzende der Meininger Theaterfreunde, gemeinsam mit Intendant Jens Neundorff von Enzberg, Horst Zoch, Schatzmeister der Meininger Theaterfreunde und Daniel Ros von der VR-Bank Main-Rhön (vorne rechts). Foto: /Sigrid Nordmeyer

Nach der erfolgreichen Premiere der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ wurde Sara-Maria Saalmann auf der umjubelten Bühne des Staatstheaters Meiningen mit dem Ulrich-Burkhardt-Preis überrascht, zudem gab es einen Blumenstrauß und einen Scheck über 1500 Euro.

Jährlich vergeben die Mitglieder des Vereins Meininger Theaterfreunde den Ulrich-Burkhardt-Förderpreis an junge Künstlerinnen und Künstler des Staatstheaters Meiningen. Normalerweise immer nach der Mitgliederversammlung Anfang des Jahres. Weil die Vorstellungen im Haus in diesem Jahr zu der Zeit wegen Corona noch nicht im Normalbetrieb liefen, geschah das nun gegen Ende der Spielzeit, zur Premiere der letzten Musiktheaterproduktion. „Damit unsere Mitglieder die Möglichkeit haben, die jungen Künstlerinnen und Künstler besser kennenzulernen“, sagte Vorsitzende Joanna Izdebski nach dem tosenden Schlussapplaus für Mozarts „Die Zauberflöte“ unter Regie von Achim Freyer im Großen Haus.

Seit 1997 vergeben die Theaterfreunde den mit 1500 Euro dotierten Förderpreis. „Mit Unterstützung der Volksbank-Raiffeisenbank Main-Rhön-Grabfeld ist auch dieses Jahr das Preisgeld wieder zusammen- gekommen“, berichtete Izdebski und betonte kurz vor der Verkündung des Namens der Preisträgerin: „Unsere Mitglieder haben von ihrem Stimmrecht regen Gebrauch gemacht.“ Den Preis überreichte die Vereinsvorsitzende im Beisein ihres Stellvertreters aus dem Vorstand, Intendant Jens Neundorff von Enzberg, dem Vertreter der VR-Bank Main-Rhön, Daniel Ros, und Vereins-Schatzmeister Horst Zoch, der damit bereits das 32. Mal in dieser Funktion für die Meininger Theaterfreunde auf der Bühne des Staatstheater Meiningens stand. „Der Ulrich-Burkhardt-Förderpreis für das Jahr 2022 geht an unsere zauberhafte Pamina, Frau Sara-Maria Saalmann“, waren Izdebskis Worte, bevor die Jubelrufe und kräftiger Applaus im fast ausverkauften Haus folgten.

In Valencia geboren, in Hamburg aufgewachsen, kam die Sopranistin früh mit klassischer Musik in Berührung, zuerst mit spanischer: „Ich habe große Sängerinnen und Sänger wie Montserrat Caballé und Plácido Domingo über die Zarzuela, die klassische spanische Musik, kennengelernt. In meinem inneren Ohr höre ich sie zuallererst Zarzuela singen.“ Schon als Kind überraschte Sara-Maria ihre Eltern mit ihrem Interesse für Musiktheater. Statt Kinderserien schaute sie Opern auf Arte und als Achtjährige sang sie aus eigenem Antrieb heimlich dem Kantor des Erzbistums Hamburg vor. Sie überzeugte, durfte direkt im Jugendchor mitsingen und fing an, ihr musikalisches Talent zu formen. Sara-Maria kam zu den Hamburger Alsterspatzen, wurde die „Prima Donna“ der Kinderopern-Reihe „opera piccola“ der Staatsoper Hamburg und langjähriges Mitglied der dortigen Jugend-Opernakademie. „Kindheit ist für mich absolut verwoben mit der Bühne, und meine Eltern waren immer im Publikum. Sie waren und sind, neben meinem Lebensgefährten und meiner Agentin, meine größte Unterstützung.“

„Rolle passte 1 A“

Zum Theaterleben gehört auch häufiges Reisen: Während ihres Abiturs pendelte die Sängerin für den Gesangsunterricht bei Professor Turid Karlsen von Hamburg nach Berlin.

Konzerttourneen führten sie beispielsweise nach Texas, Mexiko, Prag, Budapest und Japan. Ihren Bachelor begann sie in Hamburg, studierte weiter in Stuttgart, debütierte währenddessen 2014 als Tabarco in Händels „Almira“ an der Staatsoper Hamburg und gastierte unter Alessandro de Marchi bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik. Saalmann traf 2017 erstmals auf Jens Neundorff von Enzberg, damals Intendant des Regensburger Theaters. Sie sang für den Sopranpart in J. S. Bachs h-Moll Messe vor – mit Erfolg!

Noch vor dem Masterabschluss folgten weitere Rollen und 2017/18-2020/21 ihr erstes Festengagement, in dem sie besonders als Hannah Arendt in der 2018er Uraufführung „Banalität der Liebe“ der israelischen Komponistin Ella Milch-Sheriff international begeisterte. „Es war Zufall, dass die Rolle 1 A auf mich passte. Sie war wie für mich geschrieben, so sah es auch die Komponistin.“ In anderen vielseitigen Partien beeindruckte die junge Sängerin gleichfalls Presse und Publikum. 2019 wurde sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis für „Darstellende Kunst“ ausgezeichnet und erhielt den Förderpreis der Theaterfreunde Regensburg.

„Die Opernwelt“ nominierte sie 2020 für ihre Interpretation des Morasto in Vivaldis „La Fida Ninfa“ mehrfach als beste Nachwuchskünstlerin des Jahres. Nun ist Sara-Maria Saalmann Jens Neundorff von Enzberg nach Meiningen gefolgt. Zu Beginn der Spielzeit interpretierte sie zunächst barocke Partien, Oriana in Händels „Amadigi di Gaula“ und Arsinda in J.C. Bachs „La Clemenza di Scipione“. Seit Dezember ist sie die kokette, charmante Musetta in Markus Lüpertz’ „La Bohème“.

Lyrische Seite mit Pamina

Ihre lyrische Seite stellt sie dem Meininger Publikum nun als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ vor. Wichtig ist es Saalmann, Singen nicht als Selbstzweck zu sehen: „Ich gebe gerne als Künstlerin. Dafür brauche ich das Publikum. Einem Stück als Darstellerin, als Sängerin zu dienen und das Publikum im Live-Moment zu bewegen, dafür singe ich.“ mt/sig

 

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