Ukrainer in Oechsen Wenn Menschen in schwierigen Zeiten zusammenstehen

Hanna Yakymchuck *
Abschied: Yuliana mit Tochter Ewa und Jens (Fahrer). Foto: privat Foto:  

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat das Leben in unserem Land verändert. Viele mussten aus ihrer Heimat fliehen und geliebte Menschen zurücklassen. Doch es gibt auch positive Erfahrungen, die uns auf eine bessere Zukunft hoffen lassen. Viele Menschen wollen nicht tatenlos zusehen. Das gilt auch für ein kleines Dorf in Deutschland: Oechsen.

Am 4. März startete von Oechsen der erste Hilfstransport an die ukrainische Grenze. Auf dem Rückweg wurde Yuliana aus Kiew mit ihrer Familie mit nach Oechsen genommen. Auch wir kamen im März aus Mikolaiv (in der Nähe von Odessa) nach Deutschland und fanden hier Zuflucht. Mittlerweile hat das kleine Dorf in der Rhön 18 neue Einwohner. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, aber nun verbindet uns eines – der Wunsch, unseren Landsleuten zu helfen.

Die Idee, gemeinsam humanitäre Hilfe für Ukrainer zu organisieren, kam von Yuliana. Sie lebt jetzt mit ihrer Tochter, ihrer Mutter und ihrer Großmutter in Oechsen. Sie hat Kontakt zur Hilfsorganisation Caritas in der Ukraine und erhielt einen Hilferuf aus ihrer Heimat. Sie bat die Einheimischen um Hilfe, die sofort bereit waren, sie zu unterstützen.

Yuliana erhielt eine Liste mit den Dingen, die die Menschen im Kriegsgebiet dringend benötigen. Schnell wurden ein Hilfeaufruf und eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Fast eine Woche lang sammelten die Bewohner von Oechsen Lebensmittel, Hygieneartikel, Decken, Bettwäsche, Geldspenden und vieles mehr. Die Anteilnahme der Bevölkerung war überwältigend. Gemeinsam sortierten, packten und beschrifteten wir insgesamt etwa 100 Kisten mit einem Gewicht von mehr als 1,5 Tonnen.

Am Freitag, 8. April, verließen, nach einem tränenreichen Abschied, zwei Busse Deutschland in Richtung Polen. Nach fast zwölf Stunden erreichten die Fahrer die ukrainische Grenze und konnten ihre Fracht an Oleksandr Selezinka, einen Priester aus Kolomyja, übergeben. Den Kontakt hatte Yuliana organisiert. So gelangten die Hilfsgüter schnell dorthin, wo sie am nötigsten gebraucht wurden. So zum Beispiel in „Hot Spots“ für Flüchtlinge, die aus den umkämpften Gebieten der Ukraine geflohen sind, oder auch in befreite Siedlungen, in denen es Anzeichen für eine humanitäre Katastrophe gibt.

Auf dem Rückweg konnte erneut eine Mutter mit ihren beiden Kindern nach Deutschland in Sicherheit gebracht werden.

Wir sind froh, dass die Menschen in Deutschland zusammenhalten und den Ukrainern gemeinsam helfen. Auch wir konnten so, fern unserer Heimat, unsere Landsleute unterstützen. Wir sind sehr dankbar für die Herzensgüte und das Mitgefühl. Es ist von großer Bedeutung für die Ukraine, diese Unterstützung zu spüren.

* Hanna Yakymchuck, ukrainische Journalistin, ist vor dem Krieg in ihrem Land geflohen. Sie lebt seit mehreren Wochen in Oechsen – und berichtet für unsere Zeitung über weitere Familien aus der Ukraine, die in dem kleinen Dorf in der Rhön Zuflucht gefunden haben.

 

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