Eine Stunde früher losgefahren, eine Stunde später angekommen. Referent Jan van Aken findet den Bahnstreik trotzdem in Ordnung. Die Kreistagsfraktion Die Linke/Grüne hatte Jan van Aken nach Sonneberg eingeladen. 18 Zuhörer waren gekommen. Der promovierte Biologe war als Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen tätig. 2009 bis 2017 war er Abgeordneter der Linksfraktion im Deutschen Bundestag. Er ist heute als Referent für internationale Krisen und Konflikte für die Rosa-Luxemburg-Stiftung tätig. Jan van Aken berichtete, wie er den 7. Oktober und die Nachrichten vom Hamas-Massaker erlebte. Er arbeitet in Tel Aviv im Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Diese ist eine parteinahe Stiftung der Partei Die Linke. Van Aken schilderte, wie tief dies die israelische Gesellschaft traf, weil es die Erinnerung an die Judenpogrome von 1938 wachrief. Er berichtete auch, dass auch die palästinensischen Israelis entsetzt waren, als sie die barbarischen Bilder sahen. Doch van Aken stellte auch fest: „Was jetzt in Gaza passiert, ist meiner Ansicht nach völkerrechtswidrig.“ In seinem Team kenne fast jeder Opfer auf beiden Seiten. Jan van Aken sieht im Moment eine Spirale der Gewalt. Die israelische Regierung kenne nur die Antwort, mit größtmöglicher Gewalt zurückzuschlagen. Ein Friedensprozess komme so nicht in Gang. Den könne es nur geben, wenn Israel auf die Palästinenser zugeht. Einer Zwei-Staaten-Lösung sei man insofern etwas näher, als dass nicht mehr alle Nachbarn sich gegen Israel positionieren. Doch der Referent machte auch deutlich, dass die Netanjahu-Regierung äußerst rechts steht. In Deutschland werde jeder Kritiker an der israelischen Regierung als Antisemit mundtot gemacht. Van Aken meinte: Die Linke müsse das Grauen des 7. Oktober anerkennen, aber auch auf das Völkerrecht pochen. Man dürfe es nicht verletzen, auch wenn man selbst völkerrechtswidrig angegriffen wird. Die Demonstrationen gegen die Angriffe auf den Gazastreifen hält er für berechtigt.