Ukraine-Hilfe Wie eine kleine Familie

Annett Recknagel

Zusammensitzen, reden, Kuchen essen und wichtige Informationen erhalten: All das beinhaltete der erste Nachmittag für die ukrainischen Flüchtlinge im Schmalkalder Ortsteil Asbach.

Ihre Schwiegereltern muss Tina Schulz derzeit vertrösten. Sie können zwar noch zu Besuch kommen, übernachten aber geht momentan nicht. Im Gästezimmer mit extra Bad wohnen Tetiana und ihre kleine Tochter Milana. Die zwei stammen aus Odessa und kamen vor gut einer Woche über Polen und Leipzig in Eisenach an. „Tetiana wollte unbedingt nach Schmalkalden, weil sie da eine Freundin hat“, berichtete Tina Schulz zum Nachmittag im Asbacher Gemeindehaus im Käbach. Das dortige Treffen hatten Christina Lüdecke, Petra Leupold und ein Damenteam der Landeskirchlichen Gemeinschaft organisiert. Im Handumdrehen waren verschiedene Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und Süßigkeiten für die Kinder besorgt worden. In Absprache mit Jörk Dietsch wurden die Ukrainer – alles junge Frauen, Jugendliche und Kinder - ins Käbach gefahren. „Die ersten waren schon um Viertel zwei da“, berichtete Christina Lüdecke. Beginnen sollte der Nachmittag eigentlich erst über eine Stunde später. Aber egal, man nahm Platz, entspannte sich und redete miteinander. Genauso hatten es die Organisatorinnen geplant.

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Karin Möller half als einstige Russischlehrerin bei der Verständigung. Wenn das nicht reichte, wurde der google-Übersetzer auf dem Smartphone strapaziert. Teilweise waren die Quartiergeber mitgekommen. Bärbel Berlit aus Kleinschmalkalden hat in ihrer Ferienwohnung drei ukrainische Frauen, die sich auch erst durch die Flucht kennengelernt haben, untergebracht. Kommuniziert wird via Handy oder mit Händen und Füßen. „Es klappt alles sehr gut“, berichtete die Gastgeberin. Tina Schulz und Tetiana verständigen sich in Englisch. „Sie war kaum einen Tag bei uns, schon fuhr sie mit dem Zug nach Schmalkalden, um dort ihre Freundin zu treffen“, erzählte Tina Schulz. Tetianas kleine Tochter Milana ist vier Jahre alt. Tinas Tochter Sophia ist fünf. Die zwei Mädchen verstehen sich prächtig, ohne zu sprechen, und spielen den ganzen Tag über. „Milana trägt die aussortierten und zu klein gewordenen Sachen von Sophia, das ist so schön“, freut sich Tina Schulz. Die beiden jungen Frauen kochen zusammen, unterhalten sich, unternehmen auch mal was gemeinsam. „Wir sind schon wie eine kleine Familie“, schilderte Tina Schulz. Natürlich weiß sie, dass Tetiana im „Wartezustand“ ist. Täglich steht sie im Kontakt mit ihrer Familie, am Liebsten würde sie arbeiten gehen, jetzt soll geklärt werden, ob Milana einen Kindergarten besuchen darf.

Ganz hinten im Gemeindehaus saß die Familie der einjährigen Varvara. Die Kleine krabbelte auf einer Decke. Am schönsten aber war es doch auf Mamas Arm. Auch ihre Tante und die Oma sind mit nach Schmalkalden gekommen. Stefan Gampe aus Asbach hat gleich acht junge Frauen aus drei verwandten Familien aufgenommen. Genau genommen waren es anfangs fünf, drei kamen dann noch dazu. Außerdem wohnen am Schmalkalder Schmiedhof in einem seiner Häuser weitere Flüchtlinge aus der Ukraine. Wie froh Stefan Gampe ist, diesen Menschen helfen zu können, sieht man ihm an. Um sich mit den Frauen und Mädchen unterhalten zu können, hat er sein Schulrussisch wieder belebt. Und dann gibt es ja auch noch den Handy-Dolmetscher. Die Atmosphäre im Asbacher Gemeindehaus im Käbach war sehr locker und freundlich. „Ein jeder hat sich tausendmal bedankt“, berichtete Petra Leupold während die Süßigkeiten an die Kinder verteilte.

Freilich war auch der Hunger nach Informationen enorm. Den versuchte Lesya Lange zu stillen. Die gebürtige Ukrainerin arbeitet im Landratsamt Meiningen. Seit zwei Wochen ist sie in der neu eingerichteten Koordinierungsstelle Ansprechpartnerin für die ukrainischen Flüchtlinge und hatte sich bereit erklärt, an diesem Nachmittag nach Asbach zu kommen. Lange hatte wichtige Telefonnummern und E-Mail-Adressen mitgebracht.

Petra Leupold und Christina Lüdecke verbuchten den Nachmittag als wertvollen Erfolg. „Genauso sollte es sein“, resümierten die Organisatorinnen. Die Erwachsenen kamen ins Gespräch und so für einige Zeit auf andere Gedanken, wie die Kinder, die zusammen spielten. Auch die Quartiergeber tauschten sich aus. Dass der Bedarf an derartigen Veranstaltungen vorhanden ist, ist damit bestätigt. Der Probelauf hat seinen Zweck erfüllt.

Eine zweite Auflage ist in Asbach für den 29. März geplant. Bereits am Dienstag, 22. März, 10 bis 12 Uhr, lädt die Evangelische Kirchengemeinde Schmalkalden in ihr neues Gemeindezentrum ein. Auch zu diesem Thema wird Lesya Lange anwesend sein, um Fragen zu beantworten. Aktuell leben in Schmalkalden etwa 160 aus dem Kriegsgebiet Ukraine geflüchtete Menschen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.