Ukraine-Hilfe in Schmalkalden Medizingüter für Krankenhäuser

Die Bereitschaft der Schmalkalder, aus der Ukraine geflüchteten Menschen zu helfen, reißt nicht ab. Viele Initiativen sind am Start.

Neben der Stadt Schmalkalden hat jetzt auch der DRK Kreisverband ein Spendenkonto eingerichtet. Foto: FW/DRK

Schmalkalden - Auch am Donnerstag stand das Telefon im Bürgermeisteramt nicht still. Per Email erreichten Büroleiterin Silvia Erdenberger zahlreiche Anfragen, wo welche Unterstützung vonnöten sei. Besonders erfreulich: Ganz viele Leute bieten möblierten Wohnraum an. Mit im Boot sind die beiden großen Vermieter der Stadt Schmalkalden: Die Wohnungsbau GmbH und die Wohnungsgenossenschaft.

Nach der Werbung weiterlesen

Am Mittwochabend sind die ersten aus dem Kriegsgebiet Geflüchteten in der Fachwerk- und Hochschulstadt angekommen. Elf Frauen und Kinder im Alter zwischen acht und 17 Jahren können sich jetzt in Privatquartieren und in einem Hotel von den Strapazen erholen. Wie bereits berichtet, bricht heute Abend ein von einheimischen Unternehmern gesponserter Reisebus in Richtung polnisch-ukrainisch Grenze auf, um Flüchtlinge nach Schmalkalden zu bringen. Insgesamt rechnet die Stadt in den kommenden Tagen mit bis zu 100 Personen, vorwiegend Kinder, Jugendliche und Frauen. Deren Männer, Väter und Söhne zwischen 18 und 60 wollen bzw. dürfen die Ukraine nicht verlassen.

Parallel zu der Abholaktion sind in den vergangenen Tagen ganz viele Initiativen und Spendenaktionen gestartet worden. So hat der DRK Kreisverband Schmalkalden e. V. ein Spendenkonto für Hilfe vor Ort eingerichtet. Am Freitag, 4. März, 13 bis 16 Uhr, in der Wilhelm-Külz-Straße 12 (ehemalige Spedition Maintaler, rechts aus Richtung Schmalkalden) können zudem Sachspenden abgegeben werden. Benötigt werden unter anderem Hygieneprodukte für Babys und Kleinkinder, Milchpulver und Babynahrung, Körperpflegemittel, Desinfektionsmittel, Decken, Kissen und Schlafsäcke, haltbare Lebensmittel wie Konserven, Schuhe und warme Kleidung für Kinder, Jugendliche und Frauen, Thermoskannen, Rucksäcke, touristische Isomatten, Kuscheltiere.

Ganz dringend gebraucht werden medizinische Güter, weiß Alexander Pustovoyt. Der am Elisabeth Klinikum Schmalkalden tätige Arzt ist gebürtig aus der Ukraine, Bachmatsch, der Ort seiner Kindheit, liegt rund 200 Kilometer von Kiew entfernt. Aus beruflichen Gründen ist der Vater von zwei Söhnen vor 13 Jahren nach Deutschland gekommen. Der Überfall Russlands auf seine Heimatland hat auch ihn kalt erwischt. „Nein“, sagt Pustovoyt auf die Frage, ob er mit einem Krieg Putins gerechnet habe. „Nein.“ Die Erleichterung, seine Mutter endlich bei sich zu haben, steht dem Chirurgen ins Gesicht geschrieben. Lange habe sie sich geweigert, die Heimat zu verlassen, erzählt der Sohn. Als sie endlich im Zug saß, wurde Kiew mit Raketen beschossen. Erst kürzlich hat seine Heimatstadt traurige Berühmtheit erlangt. In den sozialen Medien kursiert ein Video vom verzweifelten Versuch eines Zivilisten, eine Panzerkolonne mit bloßen Händen an der Weiterfahrt zu hindern. „Das war in Bachmatsch“, sagt Alexander Pustovoyt.

Er wolle aber nicht über sich reden, winkt der Mediziner ab, sondern seine Landsleute unterstützen. Ehemalige Kommilitonen berichten über verschiedene Kanäle, dass vor allem in den Krankenhäusern die medizinische Versorgung der Menschen gefährdet ist. Es fehle an Verbandsmaterial, Binden und Kompressen, an Pflaster, Handschuhen, Desinfektionsmitteln, an Medikamenten, aber auch an Hilfsmitteln und Instrumenten wie Kathedern. Gemeinsam mit dem Sanitätshaus Seeber in Schmalkalden haben Alexander Pustovoyt und seine Schwester Natalliia Mazurenko, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Steinbach-Hallenberg, eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Wie bei einem Ameisenvolk kommen Menschen aus allen Richtungen zusammen und wollen etwas tun, darunter Kollegen aus Arztpraxen und aus dem Elisabeth Klinikum, Apotheker, Freunde, Fremde. Der gebürtige Ukrainer, beruflich sehr eingespannt, ist dankbar, dass bei Seebers alle Fäden zusammenlaufen. Spenden können im Sanitätshaus in Schmalkalden, Lutherplatz 10, und in den Geschäftsstellen Meiningen und Gotha abgegeben oder als Sachspende käuflich erworben werden. Die Güter, versichert Pustovoyt, kommen dort an, wo sie benötigt werden. Es gebe viele Transporte in die Ukraine, die von von großen Hilfsorganisationen organisiert werden, zum Beispiel in Erfurt. Die Waren werden entweder an die Grenze gebracht und dort abgegeben oder in Sammellager geliefert, von wo aus sie verteilt werden.