Uhren umstellen Vor oder zurück in die Sommerzeit?

Wenn in der Nacht zum 29. März wieder an den Zeigern gedreht wird, beginnt in Deutschland offiziell die Sommerzeit. Für viele stellt sich dann reflexartig die Frage: eine Stunde vor oder eine zurück?  

Am Sonntag (29.3.) werden die Uhren vorgestellt, die Sommerzeit beginnt. (Symbolbild) Foto: Elisa Schu/dpa

Ganz konkret bedeutet die Umstellung: Um 2 Uhr wird auf 3 Uhr vorgestellt. Eine Stunde verschwindet! Die sogenannte Normalzeit – oft „Winterzeit“ genannt – macht dann bis Oktober Pause. Die verlorene Stunde wird uns erst im Herbst wieder zurückgegeben, wenn die Uhren in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026 erneut angepasst werden.

Nach der Werbung weiterlesen

Warum ist das eigentlich so kompliziert?

Eigentlich ist der Vorgang simpel und doch bleibt die halbjährliche Frage erstaunlich hartnäckig. Denn weil das Ganze nur zweimal im Jahr stattfindet, sorgt die Umstellung zuverlässig für Verwirrung. Genau deshalb sind kleine Eselsbrücken so hilfreich – charmante Gedächtnisstützen, die mittlerweile fast Kultstatus haben:

  • „Im Sommer stellt man die Gartenstühle VOR das Haus, im Winter wieder ZURÜCK.“
  • „Spring forward, fall back.“ – Das englische Wortspiel erklärt alles: Im Frühling nach vorne, im Herbst zurück.
  • „Immer zum Sommer hin.“ – Also: vorwärts.
  • Die 2‑3‑2‑Regel: Frühling von 2 auf 3, Herbst von 3 auf 2.

Was stellt sich von selbst um – und was nicht?

Während Funkuhren und die meisten Smartphones die Zeitumstellung automatisch übernehmen, gilt das nicht für alle Geräte. Mikrowellen, Backöfen, ältere Radiowecker oder Anzeigen im Auto wollen oft noch per Hand korrigiert werden. Praktisch: Alles, was sein Funksignal aus Braunschweig bekommt, ist zuverlässig auf Kurs – sofern die automatische Einstellung nicht ausgeschaltet ist.

Warum Braunschweig? Die Zeitmessung erfolgt sekundengenau, weil Funkuhren in regelmäßigen Abständen Kontakt zur genauesten Uhr der Welt aufnehmen, dem sogenannten Zeitnormal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig (PTB). Doch nicht überall klappt die Zeitumstellung so reibungslos wie bei Funkuhren. Verwirrung stiften nicht selten öffentliche Uhren, die meist erst nach der Zeitumstellung auf den richtigen Stand gebracht werden. 

Das große „Sollte man nicht längst…?“

Die Diskussion über das Ende der Zeitumstellung ist alt – und stockt weiterhin. 2018 sprach sich eine überwältigende Mehrheit der EU‑Bürger für die Abschaffung aus, 84 Prozent wollten den halbjährlichen Wechsel nicht mehr. Doch trotz politischer Anläufe, verstrichener Deadlines und neuer Gesprächsrunden hat sich bis heute nichts verändert.

Die Gründe liegen im Detail: Flugpläne müssten neu koordiniert werden, Bahn- und Frachtlogistik bräuchten lange Vorläufe, und ohne Zeitumstellung droht eine weitere Zersplitterung der Zeitzonen innerhalb Europas. Aus einer großen Zeitzone könnte schnell ein Flickenteppich werden.
Das Ergebnis: viel Debatte, wenig Entscheidung.

Wer macht es anders?

Einige Länder haben den Schritt längst gewagt – und verzichten heute vollständig auf die Zeitumstellung:

  • Belarus: Seit 2011 dauerhaft Standardzeit.
  • Russland: Seit 2014 keine Umstellung mehr – erst dauerhaft Sommerzeit, später zurück zur Normalzeit.
  • Türkei: Permanente Sommerzeit seit 2016.
  • Armenien: Seit 2011 keine Umstellung mehr.
  • Ukraine: Wollte 2024 abschaffen – doch ohne Unterschrift des Präsidenten bleibt alles beim Alten.

Und dann gibt es noch Island – das europäische Ausnahmebeispiel. Dort wurde die Zeitumstellung gar nicht erst eingeführt. Seit 1968 gilt eine ganzjährige Einheitszeit, zufällig die Sommerzeit.