Übung der Bundeswehr Waldbad von Soldaten belagert

Am Mittwochmorgen wird das Waldbad in Goldlauter-Heidersbach zum Übungsplatz. Bundeswehr-Soldaten trainieren hier die Überwindung eines Gewässers. Auch das gehört zu der 72-stündigen Übung im Thüringer Wald.

Sonne, 20 Grad Wassertemperatur. Eigentlich ein idealer Badetag. Nur, dass die Soldatinnen und Soldaten, für die das Waldbad schon am Morgen öffnet, nicht zum Baden da sind. Sie marschieren in voller Montur ein, bekommen ihren Befehl, entledigen sich ihrer Uniform, erscheinen wieder in Badehose beziehungsweise Badeanzug und packen ihr Zeltbahnpaket. Und zwar so, dass ihre Ausrüstung nicht nass wird. Für sie steht „Überwinden von Gewässern“ auf dem Programm. Mit ihren Paketen, die auch zu einem Floß für den Transport einer Verletzten zusammengebaut werden, durchpflügen sie das Schwimmer-Becken. Übung erledigt. Zeltbahnpaket wieder auspacken. Umziehen. Antreten. Abmarsch.

Knapp 30 Soldaten der dritten Kompanie des in Gotha stationierten Aufklärungsbataillons sind zurzeit im Thüringer Wald unterwegs, um eine Übung zu absolvieren, die 72 Stunden dauert. „Das gehört zur Spezial-Grundausbildung. Die war in der Vergangenheit durch Corona geprägt, sodass jetzt Teile der Ausbildung nachgeholt werden“, sagt Hauptmann Patrick Fousek. Für die nun anstehende Übung ist der Thüringer Wald ausgewählt worden, damit sich die Soldaten in einem herausfordernden Gelände bewegen.

Am Dienstag stand ein Marsch über etwa 20 Kilometer auf dem Programm, der mit einer Abseilübung im Steinbruch bei Manebach begann, über Gelberg und um die Schmücke herum bis zu einem alten Stasi-Bunker in der Nähe des Mordflecks führte. Hier war eine imaginär feindliche Stellung aufzuklären, ehe es weiter ging bis zum Skistadion in Goldlauter, in dem alles klar gemacht wurde für die Nacht, in der regelmäßig die Wachmannschaft wechselte. Am Morgen: Aufbruch in Richtung Waldbad. Nach der Gewässer-Übung geht es für die Soldaten weiter über Suhler Ausspanne Richtung Sommerbacher Pirschhaus. „Hier muss ein Außenposten im Wald erkundet werden und es muss ein imaginärer Verwundeter geborgen, erstversorgt und für den Abflug mit dem Rettungshubschrauber fertiggemacht werden“, skizziert Lars Strobl, der Leiter der Übung, die nächsten Aufgaben. Zu den gehören auch der Marsch zum Bahnhof Oberhof, die Fahrt in Transportpanzern nach Crawinkel und bei Sonnenaufgang am Donnerstag schließlich der Marsch nach Ohrdruf zum Truppenlager. Und immer mal wieder gibt es Gefechtseinlagen.

Alles in allem werden die Soldaten am Ende er Übung etwa 40 Kilometer Fußmarsch mit voller Ausrüstung – da kommen über 30 Kilo zusammen – und 1800 Höhenmeter sowie zwei Nächte mit äußerst wenig Schlaf hinter sich haben. „Wer das durchhält, hat die Spezialgrundausbildung bestanden,“ so Kompaniechef Patrick Founsek. Hinzu kommt, dass die Soldaten drei Tage komplett ohne Handy auskommen müssen.

„Unser Anspruch ist, dass die Soldaten bestmöglich ausgebildet sind. Allerdings spüren wir, dass die jungen Leute oft nicht fit sind, und einige können nicht schwimmen. Hier macht sich bemerkbar, dass der Fokus zu wenig auf den Sport- und Schwimmunterricht gerichtet wird“, moniert der Kompaniechef. Tatsächlich absolvieren zwei Soldaten ihre Übung im Waldbad im Nichtschwimmer-Bereich.

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