Überschuldung Ansturm auf Beratungsstellen

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Ob Dispo, Energiekosten oder Baufinanzierung: Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Volkssolidarität in Sonneberg verzeichnet gegenwärtig ein Allzeithoch beim Beratungsbedarf.

Unter den Folgen der Inflation leiden viele Haushalte in Sonneberg. Foto: Steffen Ittig/Steffen Ittig

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle in Sonneberg sieht ein steigendes Überschuldungsrisiko durch Inflation. Ablesen lässt sich das an der Fülle an Terminanfragen, die sich im Gleichklang mit dem seit Monaten fortschreitenden Geldwertverlust bei den Beratern einstellt. „Das Überschuldungsrisiko steigt“, sagt Beate Ulbricht zu Beginn der Aktionswoche Schuldnerberatung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) am 12. Juni. „Viele Menschen machen sich große Sorgen und sind verunsichert, wie sie die Zukunft bewältigen können. Das erleben wir tagtäglich. Derzeit hat die Beratungsstelle einen Anstieg von zehn Prozent Neuanmeldungen gegenüber 2019, gegenüber den Corona-Jahren ist die Steigerung noch höher.“

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Das Motto der Aktionswoche Schuldnerberatung „Was können wir uns noch leisten? – Überschuldungsrisiko Inflation“ gibt die Stimmung ganz gut wieder, so die Leiterin der Beratungsstelle in der Bismarckstraße. Es sei deutlich zu spüren, dass die meisten Waren, Energie, Mieten und andere Dinge teurer geworden seien. „Haushalte mit knappem Einkommen trifft es besonders hart“. Nicht wenige Haushalte müssten bereits ein Drittel ihres Einkommens allein für den Wohnraum ausgeben und eine Entspannung der Situation sei nicht in Sicht, so Ulbricht in einer Mitteilung an diese Zeitung. Umso schwieriger werde es dann, die gestiegenen Energiekosten und die deutlich teureren Lebenshaltungskosten zu stemmen. „Als eine der gemeinnützigen Schuldnerberatungen ist es uns ein Anliegen, in der Diskussion über Inflation und ihre Folgen die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die aufgrund ihrer Einkommenssituation besonders von der Inflation betroffen sind“. Daher unterstützt sie die Forderungen der AG SBV zur Aktionswoche Schuldnerberatung. „Wir brauchen einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung“.

Es müsse einen zukunftsweisenden Ausbau der Finanzierung von sozialer Schuldnerberatung geben.

Seit Anfang Mai können die Beraterinnen eine weitere Hilfe anbieten. Bei drohender Sperre von Gas/Fernwärme oder Strom oder bereits eingetretener Energiesperre kann eine finanzielle Hilfe des Landes angefordert werden. Der Thüringer Härtefallfonds ist für Bürger aufgelegt worden, die nicht im Bezug von Bürgergeld, Grundsicherung, Wohngeld oder Kinderzuschlag stehen. Vorrangig ist er gedacht für Arbeitnehmer, Rentner und andere Personen mit überschaubaren Einkünften. Genaue Auskünfte erteilt die Beratungsstelle.

Ebenso weisen die Beraterinnen darauf hin, dass Härtefallhilfen für Heizöl, Flüssiggas (LPG), Holzpellets, Holzhackschnitzel, Holzbriketts, Scheitholz und Kohle/Koks beim Land beantragt werden können. Neben den digitalen Antragsmöglichkeiten steht auch ein Antrag in Papierform zur Verfügung. Letztgenannte Hilfen sind nicht einkommensabhängig.

Ulbricht weist darauf hin, dass für viele Klienten wegen der in Folge der Inflation steigenden Zinsen Kredite deutlich teurer würden. „Auch der ohnehin schon teure Dispokredit wird noch kostspieliger. Aber gerade Haushalte mit knappem Einkommen müssen diesen viel häufiger nutzen. Ebenso wird es für manche Familie, die sich mühevoll ein Eigenheim geleistet hat, ein böses Erwachen geben. Die Anschlussfinanzierung wird sehr viel teurer werden und wenn der Immobilienmarkt einbricht, wird es unter Umständen keine Anschlussfinanzierung geben“.

Die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberater fordert zur Aktionswoche einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung. Das sei angesichts des deutlich wachsenden Beratungsbedarfs dringend notwendig, so der Zusammenschluss. Denn die Zugänge zur Beratung seien deutschlandweit sehr uneinheitlich. Mancherorts können nur Ratsuchende, die Bürgergeld oder Sozialhilfe erhalten, ohne jegliche Einschränkung kostenfrei beraten werden. Zudem müsse es einen zukunftsweisenden Ausbau der Finanzierung von sozialer Schuldnerberatung geben.

Weiter wird von der Arbeitsgemeinschaft ein genereller Pfändungsschutz von existenzsichernden Leistungen gefordert. Solange es den nicht gebe, sei eine finanzielle Abwärtsspirale für viele Haushalte vorprogrammiert. Diese führe dann auch dazu, dass die grundlegendsten Dinge wie Strom oder Gas nicht mehr bezahlt werden könnten, so dass es zu Energiesperren komme.

Keine Anschlussfinanzierung?

Alle Schuldnerberatungen der Verbände fordern: Keine Energiesperren für Verbraucher. Vielmehr müsse ein unbürokratischer Zugang zu Sozialleistungen gewährleistet werden. Die Arbeitsgemeinschaft weist darauf hin, dass für viele Betroffene wegen der in Folge der Inflation steigenden Zinsen Kredite deutlich teurer würden. Auch der ohnehin schon teure Dispokredit werde noch kostspieliger. Aber gerade Haushalte mit knappem Einkommen müssten diesen viel häufiger nutzen. Ebenso werde es für manche Familie, die sich mühevoll ein Eigenheim geleistet haben, ein böses Erwachen geben. Die Anschlussfinanzierung werde sehr viel teurer werden und wenn der Immobilienmarkt einbreche, werde es unter Umständen keine Anschlussfinanzierung geben.

Kontakt: Volkssolidarität Regionalverband Südthüringen, Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle in der Bismarckstraße 35 in Sonneberg, Rufnummer: ( 03 67 5) 42 62 37, Fax: (03 67 5) 42 70 77 6, E-Mail: schuldnerberatung-LK-son@volkssolidaritaet.de

www.aktionswoche-schuldnerberatung.de